Thorazitat – Parascha


König David sagte einst (Psalm 145, 9. Vers): „Gütig ist der Ewige gegen alle und Sein erbarmen ist über alle Seine Werke“

Thora-Parascha

Schabbat: „Mishpatim“
Lesungen: 1.Sefer Schemot (2BM) 22:4 – 23:19, 2. Sefer Bemidbar (4BM) 10:8-10, 3. Sefer Schemot (2BM) 30:11 – 16;
Haftara:  Melachim II (Könige II) 12:1 – 17

Mischpatim – Psalm 72
Tipps für den jüdischen König

Psalm 72 enthält König Davids Wünsche für die Regierung seines Sohnes Schlomo. Der letzte Vers lautet: “Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes von Jischai.” Auch wenn dieser Psalm anlässlich der Salbung von König Schlomo verfasst wurde, so kann man – wie Amos Chacham betont – dieses Gebet auf jeden jüdischen König beziehen.

Der Wochenabschnitt Mischpatim enthält mehr als 50 Mitzwot. Wenn wir Ausführungen zum Thema “König” suchen, stossen wir auf den Vers: “Richter sollst Du nicht lästern, und einen Fürsten in Deinem Volke fluche nicht” (Schemot 22,27). Wie sowohl Maimonides als auch Nachmanides erklären, ist unter Fürst (hebr.: Nasi) der König zu verstehen. Nun ist es streng verboten, überhaupt einen Juden zu verfluchen (siehe Wajikra 19, 14 und Raschi zu dieser Stelle). Warum erwähnt die Schrift den König gesondert? Weil es Menschen gibt, die auf Herrscher und Richter wütend sind und ihrer Unzufriedenheit in der Form eines Fluchs Ausdruck geben könnten.

Dem zugeordneten Psalm ist zu entnehmen, dass der König durchaus einiges tun kann (und soll!), damit das Volk sein Wirken schätzt und ihn segnet. Dass ein Machthaber sich für die sozial Schwachen einsetzen soll, wird sogar in mehreren Versen herausgestellt: “Er richte Dein Volk in Recht und Deine Armen in Rechtsordnung” (Vers 2). “Er vertrete das Recht der Armen des Volkes, schaffe Heil der Machtlosen Kindern  und zermalme den Bedrücker” (Vers 4). “Denn er rettet den Dürftigen, der nach Hilfe ruft, und den Gebeugten, der keinen Beistand hat. Schont Herabgekommene und Wehrlose und verschafft Heil den Seelen der Wehrlosen. Erlöst ihre Seele von Tücke und Gewalt, und teuer ist ihr Blut in seinen Augen. Er bleibt erhalten, und er gibt ihm von Schewas Gold; er betet für ihn immerzu und segnet ihn jeden Tag” (Verse 12 – 15).

Halten wir fest: Es ist verboten, den König zu verfluchen. Aber den Segen seiner Untergebenen  muss er sich durch Einsatz für Gerechtigkeit und Engagement für die Armen verdienen!   (Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra

Der Vorhang bleibt offen

«Ein Mensch soll lediglich in einem Haus mit einem Fenster beten.» (Talmud Bawli Brachot 31a). Diese Halacha bezieht sich auf Zuhause wie auch auf die Synagoge. Raschis (Frankreich, 1040-1105) Erklärung lautet, dass wer bete und durch das Fenster den Himmel sehe, sein Herz Gott gebe. Die Studenten von Rabbenu Jona (Spanien, 1200-1263) meinen, dass das Licht, das durch die Fenster scheint, eine beruhigende Wirkung habe und die Gebete deshalb mit der richtigen Intention (kawana) gesagt würden. Die Fenster sollen es dem Betenden nicht ermöglichen auf die Strasse zu schauen, da er abgelenkt werde durch das, was sich draussen abspielt (Schulchan Aruch, Orech Chaim 90, 4).

Ich bin einverstanden damit, dass optimale Konditionen die Konzentration beim Beten unterstützen, nicht jedoch, dass die hoch eingebauten Fenster nur den Himmel ‘hereinbringen’ sollen. Die Frage, die hier indirekt aufgeworfen wird, ist wie eine Betende oder ein Betender zur realen Welt steht. Es ist aus meiner Sicht gesehen bequem, sich in eine Welt von Gebet, Spiritualität und Büchern zurückzuziehen (die jüdische Welt zählt Abertausende solcher jüdischen Männer), um sich nicht mit trivialen, alltäglichen Begebenheiten auseinandersetzen zu müssen. Die Fenster einer Synagoge sollten genau das vorgeben. Sie sollen gerade dann, wenn wir uns auf unser Inneres richten, ein symbolischer Anker zur Realität sein.

Letzte Woche haben wir über die grosse Offenbarung am Berg Sinai gelesen. Das Volk hörte Gott die Zehn Worte aussprechen. Es war ein unvergessliches Erlebnis mit Donner, Blitz, Schofar Tönen und einem bebenden Berg. Wer weiss, vielleicht war das Ganze für die anwesenden Israeliten eher eine beängstigende als eine spirituelle Erfahrung. Man würde nach dem Ablauf eines derartig unergründlichen und magischen Geschehens irgendwelche Zeremonie erwarten. Aber nein. Die dieswöchige Sidra Mischpatim fährt fort mit einer Auflistung der von Gott an Mosche für das Volk gegebenen Mizwot, die sich hauptsächlich auf den zwischenmenschlichen Verkehr beziehen, wie z. Bsp.: Schadenfälle, Vergewaltigung, das Beschützen von Fremden, Hilfe an Mitmenschen, ja sogar an Feinden, gerecht sein und das Unterstützen der Armen usw. Mischpatim ist eine Art Fenster, durch das man nach der mystischen und spektakulären Offenbarung wieder in die irdische und reale Welt schauen kann. Unser Alltag hat mehr Berührungspunkte mit den Einzelheiten der dieswöchigen Sidra als mit der ‘light- and soundshow’ der Offenbarung, die wir letzte Woche gelesen haben.

Es geht im Gebet nicht nur darum, dass wir Gott und das Leben preisen und uns wegsinken lassen. Es geht gleichermassen darum, die Verbindung mit der umringenden Welt aufrecht zu erhalten. Es wäre einfach, nach der unlängst erfolgten Zoom Attacke auf den ‘Brunngasse-Anlass’ unserer Gemeinde, zuzumachen in der Überzeugung, dass die Geschichte sich wiederholt, keiner uns mag, alle uns böse gesinnt sind usw. Nehmen wir aber die grosse Zahl von Sympathie- und Empörungsbekundungen, die seit dem Vorfall hereinströmen, kann und will ich nicht anders sagen als: Wir machen den Vorhang nicht zu!

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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