Thorazitat – Parascha


Unsere Weisen lehrten uns: Alles was Gott herbeiführt, führt er zu meinem Guten herbei!“

Thora-Parascha

Schabbat: „Acharej Mot / Kedoschim“
Sidra: 3. Mose 16:1 – 20:27
Haftara: Jeschaja 5:1 – 16.

Achre Mot-Psalm 26

Wovon man sich fernhalten soll

Menschen werden von ihrer Umgebung beeinflusst. Gerade deshalb warnt die Tora: „Nach dem Tun des Landes Mizraim, in dem ihr geweilt habt, sollt ihr nicht tun, und auch nach dem Tun des Landes Kaanan, in das ich euch bringe, sollt ihr nicht tun, und in ihren Satzungen sollt ihr nicht wandeln“ (Wajikra 18, 3).  Raschi erklärt: „Hieraus entnehmen wir, dass das Tun der Ägypter und Kaananiter verdorbener war als das der anderen Nationen.“ Worin bestand ihre  Verderblichkeit? Im Midrasch „Torat Kohanim“ heisst es, dass in Ägypten und in Kanaan auch solche geschlechtlichen Beziehungen erlaubt wurden, die die Tora als Abscheulichkeiten verbietet (siehe auch Wajikra 18,  26 und 27).

In Psalm 26 ist von sexuellen Ausschweifungen (hebr.: Sima) nur an einer Stelle die Rede (Vers 10). Der Psalmist unterstreicht die Tatsache, dass es verschiedenartige Sünden gibt, von denen gottesfürchtiger Mensch sich fernhalten sollte. Er bekennt: „Ich sass nicht bei Leuten des Truges, mit Heuchlern habe ich nichts zu schaffen. Ich hasse jeden Verein von Übeltätern, bei Frevlern sitze ich nicht“ (Verse 4 und 5). Leute, die Gott lieben, sollten sich von einer solchen Gemeinschaft distanzieren, die das Gottesgesetz nicht anerkennt.

Nachdem der Psalmist seinen Weg des Gottesdienstes geschildert hat: „Ich wasche in Reinheit meine Hände, und umringe deinen Altar, Ewiger. Erschallen zu lassen die Stimme des Dankes, und zu erzählen alle deine Wunder. Ewiger, ich liebe die Stätte deines Hauses, und den Ort, wo deine Herrlichkeit thront“ (Verse 6 – 8)  kommt er dann noch einmal auf das Gegenbild zu sprechen und bittet um himmlischen Beistand: „Nicht mögest Du mit Sündern meine Seele hinnehmen und mit Blutmenschen nicht mein Leben, die mit ihren Händen nach Sima greifen, und deren Rechte voll ist von Bestechung. Ich aber will in meiner Ganzheit fortwandeln, erlöse mich und schenke Gewährung mir“ (Verse 9 – 11). (Prof. Dr. Yizhak Ahren)

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Sidra Achare Mot – Kedoschim

«Der EWIGE sprach zu Mosche: Sprich zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sage ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich, der EWIGE, euer Gott, bin heilig.» (Wajikra 19, 1-2).

Wie sollen wir diesen Auftrag verstehen?

Die Tora selbst gibt uns die Antwort: Wir sind heilig durch das Respektieren der Eltern, das Einhalten des Schabbats , durch Sorge zu tragen für die Armen, Fremden und Waisen, nicht zu stehlen, nicht zu lügen und betrügen, durch den Arbeitslohn am selben Tag auszubezahlen, Taube nicht zu verfluchen und Blinde nicht stolpern zu lassen, durch kein Unrecht zu pflegen, nicht zu verleumden, nicht zu hassen, den Nächsten wenn nötig zurechtzuweisen, keine Rache auszuüben, und dadurch, dass das Verhalten gesteuert wird durch die Mizwa: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» (Wajikra 19, 9-18).

Für mich sticht das Klatschverbot aus der Liste heraus. «Du sollst nicht als Verleumder umhergehen in deiner Sippe, Du sollst nicht gegen das Leben deines Nächsten auftreten, Ich bin der Ewige.» (Wajikra 19, 16). Ich mache eine Zweiteilung bezüglich des Klatschens. Es gibt grobe Lügen, die zu Unrecht ein schlechtes Licht auf eine Person werfen. Diese Art wird durch die talmudischen Rabbinen mit Mord verglichen. Der andere Klatsch bezieht sich auf das tendenziöse Weitergeben von ursprünglichen Wahrheiten. Hierbei handelt es sich um die Art und Weise wie man über Jemanden redet: Die Schadenfreude, die mitklingt, das Redimensionieren Jemandes Fähigkeiten, das Wiederholen von Jemandes in der Vergangenheit begangenen Fehltrittes, der längst beglichen wurde, und als letztes Beispiel, das Verkünden: «Wo Rauch ist, ist Feuer», womit man suggestiv beschuldigt. Mit dieser Art von Klatsch zerstört man langsam aber sicher das Leben des Opfers. Laschon Hara, die üble Nachrede, kennt zwei Täter. Derjenige, der klatscht und derjenige, der ohne den Klatscher zurechtzuweisen oder das Opfer zu verteidigen, zuhört.

Wenn wir den von den Rabbinern gezogenen Vergleich von Klatsch mit Mord übertrieben finden, müssen wir nur um uns hinschauen. Die Klatsch Presse und ganz besonders die sozialen Medien sind teuflische Werkzeuge des modernen Klatsches. Derartiger Klatsch führt nicht selten zum Selbstmord des Verklatschten.

«Du sollst nicht als Verleumder umhergehen in deiner Sippe» ist eine Mizwa mit weitgehenden Konsequenzen. Was kann heiliger sein als das Retten eines Lebens? Diese Heiligkeit ist für uns alle erreichbar: Einfach nicht klatschen oder mitklatschen. Oft finden wir es schwieriger den Klatscher zurechtzuweisen (es ist uns peinlich) als den Verklatschten ‘zu retten’. Das Mitklatschen kann auch ein in meinen Augen völlig deplatziertes Gemeinschaftsgefühl einbringen.

Kedoschim, ein heiliges Volk zu sein ist keine automatische Erbschaft. Es reicht nicht, Teil des Volkes zu sein, um als heilig durch das Leben gehen zu können. Heiligsein muss verdient werden, und zwar nicht durch eine einmalige Tat. Heiligsein verlangt einen dauerhaften Einsatz, um das Gute für den Mitmenschen und die Welt zu tun.

Schabbat schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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