Thorazitat – Parascha


„…aus den Freveln werden Frevler, die nichts verstehen. Doch die Verständigen werden verstehen!“ (Daniel Kapitel 12 Satz 10)

Thora-Parascha

Schabbat „Tezawe“
Sidra: 2. Mose 27,20 – 30,10
Haftara: Melachim I (Könige I) 3:15-28

Live Streaming: https://www.youtube.com/channel/UC6m5EJQu3x04EvapqMpG3vg

Tezawe-Psalm 65
Selig sind die Erwählten

Im Midrasch „Schemot Rabba“ (Abschnitt 37) wird ein Vers aus unserem Wochenabschnitt mit einem Vers aus Psalm 65 verknüpft. In der Tora spricht der Ewige zu Mosche: „Und lass zu dir treten Aharon deinen Bruder und seine Söhne mit ihm aus er Mitte der Söhne Israels, dass er mir als Priester diene“ (Schemot 28, 1). Der Midrasch stellt einen Zusammenhang her mit der Aussage: „Selig, den du erwählst und dir nahe bringst, dass er in deinen Höfen wohne“ (Psalm 65,5). Die rabbinische Auslegung führt aus, Gott habe Israel von allen Völkern auserwählt;  vom Volk Israel habe Gott dann den Stamm Levi zu seinem Dienst ausgewählt; und schliesslich habe der Ewige aus diesem Stamm Aharon als Priester erwählt.
 
Was sagt uns der Psalmist, was nicht bereits in der Tora steht? Die Erwählung wird bewertet: „Selig (hebr.: aschre), den du erwählt und dir nahe bringst“. N. H. Tur-Sinai übersetzte diesen Vers etwas anders: „Beglückt, wen du erwählst, dir nahen lässt, dass er in deinen Höfen weile.“
 
Der Autor des Werkes „Chafez Chaim“ bemerkte einmal, dass nach dem Wiederaufbau des Heiligtums in Jerusalem jeder Jude grosse Lust verspüren werde, dort den heiligen Dienst zu verrichten – diese Arbeit werde dann aber dem Stamm Levi vorbehalten bleiben (siehe Bamidbar 18, 7). Warum dies? Der genannte Autor erklärte: „Und Mosche sprach: Wer es mit dem Ewigen hält, zu mir! Da gesellten sich zu ihm die Söhne Levis“ (Schemot 32, 26). Erwählt wurden eben diejenigen, die Mosches Ruf gefolgt waren und ihre Nachkommen.
 
Die Erwählten haben besondere Aufgaben zu erfüllen. So können nur Priester eine Gemeinde segnen (siehe Bamidbar 6, 22-27); angesehene Gelehrte jedoch dürfen dies jedoch nicht – aber deshalb sind Tora-Meister keineswegs weniger wert als Priester (siehe Rabbenu Bachja zu Awot 4,17). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Es gibt noch Einiges zu tun

Am letzten Erew Schabbat hatten wir das Vergnügen, die israelische Botschafterin Frau Ifat Reshef mit ihrer Familie in unserer Synagoge zu empfangen. Ifat Reshef ist die erste Frau, die den Staat Israel in der Schweiz vertritt und zudem, ist sie die erste israelische Botschafterin in der Schweiz, die Mitglied einer liberalen jüdischen Gemeinde in Israel ist. Im Bereich der Position des Liberalen Judentums und der Frauenemanzipation im Allgemeinen, hat sich in Israel einiges zum Guten gekehrt. Wir dürfen aber nicht gemächlich zurücklehnen. Es gibt in beiden Bereichen noch Einiges zu tun.

Im Jahr 2017 hat die damalige Regierung Netanyahu unter Druck der nicht orthodoxen Strömungen beschlossen, ein Teil des Platzes vor der Kotel, der Westmauer, für egalitäre Gottesdienste einzuräumen. Infolge vehementer Proteste der ultraorthodoxen Parteien in der Knesset wurde der Plan auf Eis gelegt. Die Schweizer Liberalen Rabbiner (François Garai, Akiwa Weingarten und Unterzeichneter) schrieben dem israelischen Aussenminister Yair Lapid einen Brief https://www.liberaljews.ch/de/home), in dem die Implementierung des Abkommens gefordert wird.

An jedem Rosch Chodesch zelebriert eine aus orthodoxen und liberalen Frauen bestehende Gruppe bei der Kotel einen Gottesdienst. Jeden Monat werden sie mit Beschimpfungen ‘begrüsst’, mit Eiern bombardiert und mitunter sogar mit physischer Aggression begegnet.      

Während eines Radioprogramms des militärischen Sender ‘Gale Zahal’ wurden an die Adresse der Liberalen Juden, in Israel ‘Reformim’ genannt, folgende Parolen skandiert: «Geht zurück nach Amerika, kein Platz für Reformim in Israel, Reformim raus!»  Es ist schockierend, dass es staatlichen Angestellten scheinbar erlaubt ist, dermassen beleidigende und diskriminierende Worte in die israelische Gesellschaft zu schmeissen.Auf der anderen Seite, und das sind erfreuliche Erfolge, werden seit dem Jahr 2021 die von Liberalen Rabbiner in Israel ausgeführten Übertritte vom Staat Israel anerkannt. Nicht in Israel amtierenden Liberalen Rabbiner wurde diese Anerkennung bereits im Jahr 2002 zuerkannt. Dass diese vom Staat Israel anerkannten Übergetretenen dann aber in Israel nicht heiraten können, da nur eine vom orthodoxen Oberrabbinat ausgeführte Chuppa staatlich anerkannt wird, legt das orthodoxe Monopol in Sachen des Familienrechtes an den Tag. Dieses hybride System scheint mir im modernen Staat Israel fehl am Platz. Auf der anderen Seite sind wir uns einig, dass der Staat Israel eine wundersame Geschichte und eine spektakuläre Entwicklung durchgemacht hat. Israel nimmt weltweit eine Spitzenposition in der medizinischen Forschung, der Entwicklung von Hightech und landwirtschaftlichen Techniken ein.

In der Diaspora  lebende Juden haben im Allgemeinen eine starke und emotionale Verbindung mit Israel. Dies macht eine Diskussion über die Politik in Israel nicht immer einfach, sie kann manchmal sogar ziemlich heftig werden. Es gibt noch Einiges zu tun, bis sich das in der Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1948 skizzierte Bild in der Gesellschaft niedergeschlagen hat: «Er [der Staat Israel] wird sich der Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bewohner widmen. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten … » Seit dem Jahr 2020 gibt es eine Initiative, um möglichst viele Israelis und Juden in der Diaspora eine Petition unterzeichnen zu lassen, in der sie sich für ein jüdisches und demokratisches Israel aussprechen. Rabbiner Uri Regev von Hiddush (https://hiddush.org/Default.aspx) stellte uns diese Initiative während der Schawuot Lernnacht (2020) vor. Mit der Unterzeichnung (http://rrfei.org/petitions/vision-israel-jewish-democratic-state/) unterstützen wir die in jedem Schacharit Gottesdienst ausgesprochenen Worte: «der Beginn des Aufspriessens unserer Erlösung» ראשית צמיחת גאולתנו (Sidur ‘Gottesdienst im Herzen’, S.129).  Möge diese Vision bald Wirklichkeit sein.

Schabbat Schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

LIKRAT SCHABBAT

tezawe_5782.pdf

PARASCHAT HASCHAWUA

tezawe.3.j.pdf

tezawe.haftara.3.j.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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