Das Land, das stolz auf seine Drohnen ist


hermes900

Darf auf weiterhin blühende Geschäfte hoffen: Elad Aharonson, Chef der israelischen Rüstungsfirma Elbit präsentiert in Emmen eine Drohne.
Bild: Reuters

Im Schatten der USA ist ein anderes Land zum führenden Exporteur von Drohnen aufgestiegen: Israels Rüstungsindustrie verkaufte in den letzten Jahren Drohnen für mehrere Milliarden Euro. Dies nicht ohne Grund.

Ihr Einsatz ist in vielen Ländern umstritten. Aber nicht in Israel. Das Land ist stolz auf seine Drohnen, setzt sie bei vielen Operationen ein und verkauft sie rege ins Ausland. Da können sogar US-Firmen bisher nicht mithalten.

Es ist ein Riesenhangar im mittleren Israel, und er beherbergt eine heiss begehrte Ware. Arbeiter sind dabei, die umstrittenste Art von Flugzeug auf der Welt in Topform zu bringen. Sie statten Drohnen mit hochmodernen Sensoren aus, mit Kameras und Lasergeräten – sozusagen der letzte Schliff, bevor die unbemannten Maschinen an Streitkräfte rund um den Globus geliefert werden, zur Ausführung heikler Missionen.

Es gibt hitzige Diskussionen um die Drohnen, ihr Einsatz wird häufig als moralisch und rechtlich fragwürdig kritisiert. Aber nicht in Israel. Hier ist man stolz auf sie. Israel, ein Pionier auf dem Gebiet der Drohnentechnologie, hat sich nach einem jüngsten Bericht der US-Beraterfirma Frost & Sullivan zum international führenden Exporteur dieser Fluggeräte samt technischem Zubehör entwickelt. Luftfahrt-Riesen in den USA werden in den Schatten gestellt.

Nach Schätzungen der Firma erreichten die israelischen Ausfuhren von Drohnensystemen zwischen 2005 und 2012 einen Umfang von umgerechnet 3,5 Milliarden Euro. Das schliesst Flugzeuge, Nutzlasten, Betriebssysteme und Wohnmobile als Kommandozentralen ein. Die US-Exporte im selben Zeitraum lagen dem Report zufolge zwischen 1,5 und 2,3 Milliarden Euro.

Und Israel kann zumindest vorläufig weiter auf blühende Geschäfte hoffen. Experten erwarten, dass sich weltweit die Nachfrage nach militärischen UAVs (kurz für Unmanned Aerial Vehicles/Unbemannte Luftfahrzeuge) in den nächsten zehn Jahren vervierfachen wird.

Der erfolgreiche westliche Drohneneinsatz gegen militante Extremisten in den Kriegen im Irak und in Afghanistan hat Dutzende andere Staaten angespornt, eigene Drohnenprogramme zu starten. Deutschland und eine Reihe weiterer Länder, darunter Italien und Südafrika, vermarkten ihre Produkte ebenfalls im Ausland.

Nach Berechnungen der Teal Group, die Entwicklungen in der Luftfahrtindustrie analysiert, werden die weltweiten Ausgaben für die Drohnentechnologie in den kommenden Jahren rapide steigen: von geschätzten fünf Milliarden Euro in diesem Jahr auf 8,7 Milliarden Euro im Jahr 2022. Erwartet wird ausserdem eine deutliche Expansion bei der Nutzung ziviler Drohnen, die vergleichsweise jetzt noch in den Kinderschuhen steckt.

Wächst auch die Zahl der Konkurrenten, so hat Israel Experten zufolge vor allem einen entscheidenden Vorteil. Es verfügt über reiche eigene Erfahrungen beim Einsatz von Drohnen, sie heben immer häufiger zu verschiedenen Operationen ab. Nach Angaben von Beamten aus dem israelischen Verteidigungsbereich machen Drohnenmissionen mittlerweile rund die Hälfte der militärischen Flugzeiten des Landes aus.

Israel nutzte die unbemannten Flugzeuge in seinen Militäreinsätzen im Gazastreifen, als Augen und Ohren vor allem über dicht besiedelten Palästinensergebieten. Drohnen beobachten auch die Nachbarn Syrien und Libanon. Die palästinensische Seite wirft Israel vor, auch bewaffnete Drohnen eingesetzt zu haben – ähnlich wie die USA in deren Anti-Terror-Krieg. Bei Dutzenden von Raketen-Angriffen aus der Luft seien auch Zivilisten getötet worden.

Schweigt sich Israel darüber aus, ob die von ihm eingesetzten Drohnen auch Raketen abfeuern können, glauben ausländische Experten: Sie können es. Allerdings gehen sie zugleich davon aus, dass von Israel ins Ausland exportierte Drohnen nur über Aufklärungskapazitäten verfügen.

So oder so: Drohnen aus Israel gelten in Industriekreisen als Top. «Die israelischen Firmen sind beim Bau von Systemen zum taktischen Einsatz sehr gut und sehr fortgeschritten, weil sie sich stets in einem Kriegszustand befunden haben», sagt Experte Michael Blades, Autor des Frost & Sullivan-Berichts.

Israel hatte unbemannte Flugzeuge erstmals während des Libanon-Krieges 1982 weiträumig eingesetzt – eine Konsequenz aus den schweren Verlusten für die Luftwaffe im arabisch-israelischen Krieg 1973. Seitdem läuft die Drohnenproduktion in einer Reihe von israelischen Firmen auf Hochtouren – zunächst für den eigenen Markt gedacht, dann für Käufer weltweit. Mittlerweile sind Drohnen made in Israel in allen möglichen Konfliktzonen geflogen – von Afghanistan bis Mali. Grossbritannien und Brasilien gehören zu den grössten Abnehmern.

«Wir existieren wegen der internationalen Nachfrage», sagt Schmuel Falk, der Drohnen für das staatseigene Unternehmen Israel Aerospace Industries (IAI) vermarktet. «Wir sind – zu unserer eigenen Freude – zu gross für Israel.» Tatsächlich stufen Frost & Sullivan IAI als Spitzenexporteur des Landes in Sachen Drohnen ein – mit 49 Kunden weltweit.

Die israelischen Firmen profitieren im internationalen Geschäft zum Teil davon, dass sie es mit weniger Export-Regulierungen zu tun haben als ihre US-Hauptkonkurrenten wie General Atomics und Northrop Grumman. Aber dieser Vorteil könnte verschwinden. Die amerikanischen Hersteller konnten sich über Jahre auf fette Washingtoner Regierungsaufträge stützen. Aber Kürzungen im Verteidigungshaushalt ändern das Bild, die Unternehmen dringen daher auf Lockerungen der Ausfuhrbestimmungen. Das könnte Israels Dominanz bedrohen.

Experten erwarten ausserdem, dass sich bei der Nutzung von zivilen Drohnen ein eigener Multi-Milliarden-Markt entwickelt. So könnten die Flugzeuge etwa das Wachstum beim Anbau von Feldfrüchten beobachten oder auch als Späher eine wichtige Rolle bei Polizeisondereinsätzen spielen. Die US-Industrie liegt bereits in den Startlöchern, aber auch israelische Firmen erhoffen sich ein Stück vom neuen Kuchen. Und solange die militärische Nachfrage steigt, kann Israel erwarten, dass es ein Spitzenspieler auf dem Drohnenfeld bleibt. (JNS/sda/AP)



Kategorien:Wirtschaft

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