Thorazitat des Tages – Thora-Parascha


tora-t5. Buch Moses (Kapitel 4 Satz 39): „Erkenne es heute und nimm es dir zu Herzen…“

Thora-Parascha

Schabbat „Balak“
Wochenabschnitt: 4. Mose 22,5 – 25,9
Haftara-Prophetenlesung: Micha 5,6 – 6,8

Balak-Psalm 79
Gottes Zorn

Im Wochenabschnitt Balak sehen wir, welche Verhaltensweisen den Ewigen erzürnen. Die folgenden Verse handeln vom nichtjüdischen Seher Bileam, den der König von Moab, Balak, gebeten hatte, das Volk Israel zu verfluchen: „Und Bileam machte sich auf am Morgen und sattelte seine Eselin und ging mit den Fürsten Moabs. Da erglühte der Zorn Gottes, dass er ging; und ein Engel des Ewigen stellte sich in den Weg, ihn zu hindern, und er ritt auf seiner Eselin und seine beiden Knaben waren mit ihm“ (Bamidbar 22, 21 und 22). Warum wurde Gott zornig? Raschi erklärt: „Bileam sah, dass sein Vorhaben in Gottes Augen schlecht war, und dennoch war er begierig mitzugehen“.
 
In den folgenden Versen  geht es um einen klaren Fall von Unzucht und Götzendienst: „Und Israel verweilte in Schittim. Und das Volk fing an zu buhlen mit den Töchtern Moabs. Und sie luden das Volk zu den Opfermahlen ihrer Götter und das Volk ass und warf sich nieder vor ihren Göttern. Und Israel hing dem Baal Peor an; und der Zorn des Ewigen erglühte gegen Israel“ (Badmidbar 25, 1 – 3).
 
Wie schrecklich Gottes Zorn sein kann, führt uns Psalm 79 plastisch vor Augen: „Gott, Völker sind eingedrungen in Dein Erbe, haben verunreinigt Deinen heiligen Tempel, Jerusalem zum Trümmerhaufen gemacht. Sie haben die Leichen Deiner Knechte hingegeben zum Frasse dem Vogel des Himmels, das Fleisch Deiner Frommen dem Getier der Erde. Sie haben ihr Blut vergossen wie Wasser rings um Jerusalem, und niemand begräbt“ (Verse 1 – 3). Der Psalmist fragt: „Bis wohin Gott? Wirst du ewig zürnen, soll wie Feuer dein Eifer brennen?“ (Vers 5). Paradoxerweise führte Gottes Zorn zu einem Chilul Haschem (Entweihung des göttlichen Namens), und daher betet der Psalmist: „Stehe uns bei, Gott unseres Heils, um der Ehre Deines Namens willen, und rette uns, und vergib unsere Sünden um Deines Namens willen. Warum sollen die Völker sprechen: wo ist ihr Gott? Möge kund werden  an den Völkern vor unseren Augen die Rache für das vergossene Blut Deiner Knechte“ (Verse 9 und 10). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)
 

Sidra Balak

מַה טֹּֽבוּ אֹהָלֶֽיךָ יַעֲקֹב, מִשְׁכְּנֹתֶֽיךָ יִשְׂרָאֵל

Wie gut sind deine Zelte, Ja‘akow, deine Wohnungen, Israel!

Der midianitische Prophet Bil’am wurde durch den midianitischen König Balak aufgefordert, der bevorstehenden Invasion der Israeliten Einhalt zu gebieten. Dies soll nicht mit Hilfe eines starken Heeres, sondern mit Verfluchung des Volkes Israel erreicht werden. Anstatt schlimmer Verwünschungen jedoch, kamen – vom EWIGEN in seinen Mund gelegt – nur schöne Worte, Gedichten gleich, aus seinem Munde. Bil’am kennzeichnet die Situation des Volkes Israel auf drei Ebenen. Im ersten Gedicht wird das Volk Israel als speziell, anders als alle andern Völker, dargestellt. Es gehe ihm gut, solange es sich an die Aufträge Gottes halte. Das zweite Gedicht ist eine Prophezeiung: Das Volk Israel wird alle Angreifer besiegen. Das dritte Gedicht zeigt ein Bild idyllischer Existenz, das Volk Israel sozusagen im Gan Eden, im Paradies. Die Gedichte sind mehr oder weniger bekannt, ein Passuk, ein Vers jedoch – ausgesprochen durch einen nicht Israelitischen Prophet – ist weltberühmt geworden, ja, hat es sogar als Begin der Schacharit und Ma’ariw Gebete bis in unseren Sidur geschafft.

מַה טֹּֽבוּ אֹהָלֶֽיךָ יַעֲקֹב, מִשְׁכְּנֹתֶֽיךָ יִשְׂרָאֵל

Wie gut sind deine Zelte, Ja‘akow, deine Wohnungen, Israel!

Wie können wir diesen Vers verstehen? Raschi erklärt den Midraschim folgend, dass Bil’am von ‚guten‘ und nicht von ‚schönen‘ Zelten redet. Es sei hier vom sittlich hochstehenden Charakter des Volkes die Rede. In der Wüste hatten die Israeliten ihre Zelte so aufgebaut, dass die Zeltöffnungen nicht gegenüber einander standen, womit die Privacy jeder Familie respektiert wurde. Deswegen: „Wie gut sind deine Zelte Ja’akow“.

‚Schön‘ ist wichtig, ‚Gut‘ wichtiger. ‚Schön‘ bezieht sich auf die Ästhetik, ‚Gut‘ im Falle der Zelte Ja’akows auf Moral, Anstand und Rechtschaffenheit. Vielleicht können wir uns auf diese Bedeutung konzentrieren, wenn wir im Gemeinde Gebet „Ma Towu ohalecha Ja’akow“ singen und uns Rechenschaft darüber geben, auf welche Art und Weise wir selber die Moral und den Anstand gegenüber Anderen überwachen.

Schabat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim,   JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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