Thorazitat des Tages – Thora-Parascha


„Er wird einem an Wasserbächen gepflanzten Baum gleichen, der seine Früchte stets zur rechten Zeit geben wird und dessen Laub niemals welkt, und alles was er tut gedeiht.“ (Psalm 1 Vers 3)tora-t

Thora-Parascha

Schabbat Nachamu „Wa’etchanan – Und ich flehte“
Wochenabschnitt: 5. Mose 3,23 – 7,11
Haftara-Prophetenlesung: Jesaja 40, 1-26

Wa’etchanan-Psalm 90
Selbsterkenntnis und Gebet

Studiert jemand den Wochenabschnitt Wa’etchanan und dann Psalm 90, um einen Berührungspunkt zu finden, dann springt ein gemeinsames Thema gleich ins Auge. Der Wochenabschnitt beginnt mit einem Gebet von Mosche Rabbenu: „In jener Zeit flehte ich den Ewigen an und sprach. Herr, Ewiger, du hast angefangen deinem Knechte deine Grösse und deine starke Hand zu zeigen. Ja, wo gäbe es einen Gott im Himmel und auf Erden, der es dir in deinen Werken und in deinen Machttaten gleichtun könnte. So lass mich doch hinüberziehen und das schöne Land sehen, dieses schöne Bergland und den Libanon“ (Dewarim 3, 23 bis 25). Und der erste Vers von Psalm 90 lautet: „Gebet (hebr.: Tefilla) von Mosche, dem Manne Gottes. Herr, Zuflucht bist du uns gewesen in allen Geschlechtern.“
 
Wie Raschi in seinem Kommentar zum zitierten Tora-Vers bemerkt, gibt es in der hebräischen Sprache zehn Ausdrücke für das Gebet. „Wa’etchanan“ verweist auf einen Gnadenakt: Mosche Rabbenu hat sich nicht auf seine Verdienste berufen, sondern um ein Gnadengeschenk gefleht. Rabbi Jochanan zog aus dieser Stelle den Schluss, dass ein Geschöpf keine Forderungen an den Ewigen stellen kann (Midrasch Dewarim Rabba 2,1).
 
Eine andere Seite des Gebets wird in Psalm 90 durch den Begriff „Tefilla“ zum Ausdruck gebracht. Wie Rabbiner  Hirsch wiederholt bemerkt hat (Chorew, § 618; Kommentar zu Psalm 17, 1), bedeutet Tefilla nicht: Bitte, sondern vielmehr: „Selbstbeurteilung, das Streben nach Gewinnung einer richtigen Erkenntnis vor Gott.“ Dass es bei der Tefilla um Selbsterkenntnis geht, kann man sich am Beispiel von Psalm 90 deutlich machen. Der Psalmist betont die Ewigkeit Gottes: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott“ (Vers 2) und  unterstreicht die Vergänglichkeit des Menschen. „Unsere Lebenszeit währt 70 Jahre, und wenn es hoch geht 80 Jahre, und darin drängt sich Elend und Unheil, denn schnell enteilt es und wir müssen davon“ (Vers 10). Wer sich der Begrenztheit seiner Tage bewusst ist, der bittet den Ewigen mit dem Psalmisten: „Lehre uns unsere Tage zählen, damit wir weisen Herzens seien!“ (Vers 12).  (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Wa‘etchanan – Schabat Nachamu,  13. Menachem-Aw 5773

Höre Israel, der EWIGE ist unser Gott, der Ewige ist Ein       שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יהוה אֱלֹהֵינוּ יהוה אֶחָד

Wenige Toraverse sind so bekannt wie Obenstehender. Er ist Teil des Alltaggebetes und des Nachtgebetes. Das Schema Jisrael ist oft das erste Gebet, das Kinder aufsagen können und das letzte eines Sterbenden. Das Schema Jisrael steht in der Mesusa an der Türe jüdischer Häuser und in den schwarzen Schachteln der Tefilin. Das Schema Jisrael durfte laut den talmudischen Rabbinen als einziges Gebet in jeder Sprache, also nicht nur auf Hebräisch, gebetet werden. Das Schema Jisrael steht für das Jüdisch-Sein, für jüdisches Leben und vielleicht sogar für das ganze Judentum. Der ‚Schema Jisrael Sagende‘ ist Zeuge von Gottes Bestehen. In der Torarolle sind der letzte Buchstabe des ersten Wortes ‚Schema‘, das Ajin und der letzte Buchstabe des letzten Wortes ‚Echad‘, das Dalet, grösser geschrieben. Diese zwei grösser geschriebenen letzten Buchstaben des ersten und des letzten Wortes des Verses, formen das Wort עד, Ed, was ‚Zeuge‘, oder Ad, was ‚immer‘ bedeutet.

 שְׁמַע =  Höre!
Der Vers richtet sich auf das Individuum, es steht „Höre!“, nicht „Hört!“ Man schliesst beim Sagen des Schema Jisrael die Augen und bedeckt sie sogar. Das Gehör soll auf scharf gestellt sein. Wir sollen die Worte nicht nur lesen, sondern sie aussprechen, damit wir sie hören.
 
יִשְׂרָאֵל =  Israel
Als Mosche „Schema Jisrael!“ sagte, richtete er die Worte an das Volk Israel: „Höre jeder Einzelne von euch!“ Wenn wir das Schema Jisrael sagen, richten wir die Worte an uns selber. Wir sind Israel, wir sind das von Mosche angesprochene Volk. Wir sind der Einzelne, an den Mosches Worte sich richteten. Wir sollen zuhören. Mit dem Sagen dieser Worte  bekennen wir uns zum Volk Israel. Wir sind der/die SprecherIn und der/die Angesprochene zu gleicher Zeit.
 
יהוה  אֱלֹהֵינוּ  =  der EWIGE (ist) unser Gott
Jetzt ‚redet‘ der Text plötzlich in der ersten Person Mehrzahl: unser Gott. Erst wurden wir als Individuum angesprochen, antworten tun wir aber als Kollektiv. Die Worte ‚unser Gott‘ verbindet alle ‚Schema Jisrael Sagenden‘. Was ist die Verbindung? Unsere Vergangenheit, unsere Geschichten, unsere Sprache, unsere Philosophie, unsere Heimat, unsere Weltanschauung?  Genau betrachtet verbindet uns nur das Gefühl jüdisch zu sein, dazu zu gehören und den Gott יהוה, der sich in Zeit, in Ewigkeit manifestiert, zu erkennen. Die Buchstaben י-ה-ו-ה  jod-he-waw-he sind eine Hebräische Form für ‚Sein‘, für ‚Leben‘, was in dem Wort ‚EWIGER’ zum Ausdruck kommt. Dieser Gott ‚zeigt‘ sich vielleicht nur im unnachweisbaren, undefinierbaren und unfassbaren Moment der Gegenwart.

יהוה  אֶחָד =  der EWIGE ist Ein
Wie könnte der EWIGE anders sein als Ein? Wir reden ja von dem ‚EWIGEN’, nicht von den ‚EWIGEN’. Wenn das so sonnenklar ist, weshalb muss es dann betont werden? Die einen talmudischen Erklärer meinen, dass die Betonung, dass Gott Ein ist, die Nicht-Israeliten davon überzeugen sollte, es gebe, anders als sie glaubten, nur einen und zwar den einen Gott. Andere Erklärer meinen, der ganze Satz müsse in messianischer Perspektive verstanden werden. Der EWIGE, jetzt nur unser Gott, wird am Ende der Zeiten der eine Gott aller Völker sein. Das erklärt aber noch nicht, warum wir uns selber zwei Mal pro Tag sagen sollen, der EWIGE ist unser Gott und Ein.
Ich denke, dass das Schema Jisrael die Botschaft beinhaltet, nur das Eine im Leben zu tun was Gottes, also Gut ist und was bis in die Ewigkeit wirkt. Diese Botschaft kann man nie oft genug aussprechen und hören.

Schabat Schalom
Rabbiner Reuven Bar Ephraim,  JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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