Letzte äthiopische Juden in Israel angekommen


Äthiopische Juden auf dem Flughafen von Tel Aviv

Äthiopische Juden auf dem Flughafen von Tel Aviv (Archiv)

Der Exodus äthiopischer Juden ist zu Ende: Israel hat die letzten 450 „Falascha“ ins Heilige Land gebracht. Seit der Staatsgründung sind mehr als 90.000 schwarze Juden nach Israel gekommen.

65 Jahre nach der Staatsgründung hat Israel die Masseneinwanderung schwarzer Juden aus Äthiopien abgeschlossen. Die letzten 450 der Falascha („Wanderer“)kamen am Mittwoch mit zwei Flügen ins Heilige Land, wie die Jewish Agency mitteilte. Sie wurden auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv feierlich empfangen. Der Vorsitzende der für Immigration zuständigen Jewish Agency, Nathan Scharanski, sprach von einem „bewegenden historischen Moment“. Er begleitete die Einwanderer auf dem Flug.

Mit ihrer Ankunft endet die Operation „Kanfei Jona (Taubenflügel)“. Im Rahmen des letzten grossen Einsatzes kamen in den vergangenen drei Jahren etwa 7000 Äthiopier nach Israel. Insgesamt hat Israel nach Informationen der Jewish Agency seit der Staatsgründung 1948 mehr als 90.000 Einwanderer aus Äthiopien aufgenommen.

Die Falascha (Wanderer) genannten dunkelhäutigen Juden Äthiopiens entstammen der Legende nach einer Affäre der afrikanischen Königin von Saba mit König Salomon in Jerusalem vor rund 3000 Jahren. Historiker gehen davon aus, dass die „Beta Israel“ genannte Gemeinschaft schon vor der Zerstörung des ersten jüdischen Tempels (587 vor Christus) den Kontakt zum Judentum in Palästina verlor. Sie befolgen keine später entstandenen Riten und kennen wichtige jüdische Festtage nicht.

Die Falascha lebten meist als Kleinbauern in den Provinzen Gondar und Tigris im Norden Äthiopiens. In den vergangenen Jahrzehnten litten sie in ihren verarmten Dörfern unter Verfolgung durch ihre Nachbarn. Israel gesteht allen Menschen jüdischen Glaubens Wohnrecht und Staatsbürgerschaft zu. Allerdings wurde das Judentum vieler Falascha angezweifelt. Das änderte sich offiziell erst 1975.

Als sich die Lage von „Beta Israel“ nach der Machtübernahme der Marxisten in Addis Abeba noch verschlechterte, sah sich Tel Aviv gefordert. Mit der „Operation Salomon“ kamen 1984/85 rund 15.000 Juden über den Sudan aus Äthiopien. „Operation Moses“ war 1991 der Name einer weiteren Luftbrücke, mit der mehr als 14.000 Juden nach Israel gebracht wurden. Es folgten weitere derartige Aktionen.

Heute leben viele Zehntausend aus Äthiopien stammende Juden in Israel. Ihre soziale Integration gestaltet sich allerdings als schwierig. Am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche oder der Vergabe staatlicher Leistungen sehen sie sich diskriminiert. Es kam zudem wiederholt zu rassistischen Übergriffen.

Für Aufsehen sorgte am Abend vor der letzten Luftbrücke der Sieg eines äthiopischen Models, Tahunia Rubel, bei der Fernsehshow „Big Brother“. Die Siegerin bekommt eine Million Schekel, umgerechnet mehr als 20.000 Euro.

(JNS / dpa)



Kategorien:Gesellschaft

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