Kosovo drängt auf Anerkennung durch Israel


kosovo-ilBisher nahm Jerusalem immer Rücksicht auf die russische Ablehnung.

Petrit Selimi, der stellvertretende Aussenminister des Kosovos, drängte das US-Judentum während eines Treffens in Washington mit jüdischen Offiziellen, Israel zur Anerkennung seines Landes zu veranlassen. Die pro-amerikanische Haltung des Kosovos und die zahlreichen Unterlagen von ethnischen Albanern, die während des Weltkriegs Juden gerettet hätten, würden die Aufnahme solcher Beziehungen zu etwas «natürlichem» machen. «Bei so tiefen historischen Beziehungen», betonte der kosovarische Politiker, «wären normale Kontakte zu Israel eine selbstverständliche Sache. Israel ist nicht irgendein Land, es ist ein wichtiges Land mit viel Einfluss in der internationalen Völkergemeinschaft.» Die NCSJ, die nationale amerikanische Konferenz, welche Juden in Russland, der Ukraine, in den baltischen Staaten und Eurasien unterstützt, hielt das Treffen mit Selimi ab. NCSJ-Direktor Mark Levin bestätigte, dass der Vize-Aussenminister die Frage der Anerkennung durch Israel angeschnitten hat, doch sei keine Zusage gemacht worden, Druck auf Israel auszuüben.

Israel hatte bisher den Kosovo in erster Linie nicht anerkannt, weil Russland sich 2008 gegen dessen Unabhängigkeit gewehrt hatte, und auch wegen der engen Beziehungen zwischen Israel und Serbien. In jüngster Zeit mehren sich aber die Anzeichen für eine flexiblere Haltung Jerusalems in der Angelegenheit. So sprach Yossef Levy, der israelische Botschafter in Serbien, im Mai an der Enthüllung einer Holocaust-Denktafel im kosovarischen Pristina.

Israelis unterhalten ausgezeichnete Beziehungen mit den Kosovaren, schreibt Amir Mizroch in der Jerusalem Post: „Israel hat ein Interesse daran, bei der Etablierung eines moderaten und säkularen muslimischen Staates im Herzen Südosteuropas mitzuhelfen, der Jerusalem und Washington freundlich gesinnt ist.“ In der Tat ist Kosovo weder ein Feind Israels noch ein Dschihadisten-Staat. Die dort vorherrschende Variante des Islam ist der Sufismus – und der ist ganz am anderen Ende des Spektrums angesiedelt als der Wahhabismus oder der Salafismus, in denen Al-Qaida und andere Terrorgruppen wurzeln.

Kosovo gehört auch nicht zu der Achse Iran-Syrien-Hisbollah-Hamas. Im Gegenteil, Kosovo hat alles auf den Westen gesetzt, vor allem auf die Vereinigten Staaten. Serbiens weggebrochene Provinz ist womöglich das pro-amerikanischste Land in ganz Europa. Bill Clinton wird hier genauso als Befreier verehrt – ein Prachtboulevard in der Hauptstadt Pristina ist nach ihm benannt – wie der alte Präsident Bush in Irakisch-Kurdistan. Daher überrascht es wenig, wenn die Jerusalem Post einen israelischen Regierungsbeamten mit den Worten zitiert, dass Israel Kosovo wahrscheinlich anerkennen wird, nachdem die USA, Grossbritannien, Deutschland und Frankreich das auch getan haben.

Vielen Kosovaren ist sehr wohl bewusst, dass sie mit Israel viel mehr gemeinsam haben als mit den Palästinensern in der Westbank und Gasa. „Früher haben wir Kosovaren uns mit den Palästinensern identifiziert, weil wir sowohl Serbien als auch Israel als Eroberer fremden Landes ansahen“, erzählte ein prominenter Kosovare neulich dem Journalisten Stephen Schwartz. „Dann haben wir uns die Landkarte genauer angesehen und umgedacht. Es gibt sechs Millionen Israelis, auf der einen Seite liegt das Meer und auf der anderen die feindlichen Araber. Im Kosovo leben acht Millionen Menschen, auf der einen Seite liegt das Meer und auf der anderen die feindlichen Slawen. Warum sollten wir uns also mit den Arabern identifizieren?“

Während fast die ganze Welt der Meinung ist, dass die Palästinenser einen eigenen Staat bekommen sollten, wird Israels Existenzrecht in gewissen Kreisen immer noch infrage gestellt. Ebenso wird das Existenzrecht Kosovos von vielen bestritten, und es ist nicht abzusehen, dass sich daran bald etwas ändern wird. Niemand stellt das Existenzrecht irgendeines arabischen Staates infrage oder das des serbischen oder eines anderen slawischen Staates. Kosovo ist das neue Mitglied in einem sehr exklusiven Klub.

Anders als für die europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs gab es für die Albaner im Kosovo einen Staat, in dem sie vor Verfolgung und Genozid Unterschlupf fanden: Albanien. Dieses Glück hatten die Juden erst ab 1948, seit der Gründung Israels. Doch weder Juden noch Kosovaren sollten noch einmal in eine Situation kommen, in der sie fliehen müssen.

(JNS und Agenutren)



Kategorien:Politik

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: