Rabbi Ovadia (Abdullah) Yosef ‚Grösster Rabbi der Generation‘ ist tot


.Im Alter von vier Jahren kam Ovadia (Abdullah) Yosef 1924 mit seiner Familie von Bagdad nach Palästina, wo er bis zu seinem Hinschied heute Montagmittag lebte und wirkte. Obwohl der Verstorbene sich schon in jungen Jahren eigentlich an der Aufbringung des Lebensunterhalts für die Familie beteiligen sollte, erkannten Rabbiner und Freunde der Familie rasch die Fähigkeiten des Jünglings, sich auf das Studiums der Thorawissenschaften zu konzentrieren und befreiten ihn deshalb von der materialistischen Arbeit. Das hatte zur Folge, dass Ovadia Yosef sich schon bald zu einer Koryphäe im Bereiche der Torah und des Talmuds entwickelte, der schon mit zehn Jahren sein erstes Buch veröffentlichte. Dutzende weitere sollten in den anschliessenden acht Jahrzehnten folgen.

Benjamin Netanjahu nannte ihn „einen der grössten Thoraweisen unserer Generation“. Rabbi Ovadia Yosef (93), der spirituelle Leiter und Begründer der Schass Partei, ist am Montag im Jerusalemer Hadassa Ein Kerem Krankenhaus verstorben. Nach jüdischer Tradition wird er noch am selben Tag beerdigt. Es werden bis zum Abend hunderttausende orthodoxe Juden in der Hauptstadt erwartet, die dem Rabbi das letzte Geleit geben.

Im ganzen Land reagierten insbesondere religiöse Menschen bestürzt auf die Todesnachricht. Ovadia Yosefs Zustand hatte sich in den letzten Tagen verbessert gehabt, sein Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch letzte Nacht rapide. Die Familie des 11-fachen Vaters nahm an seinem Sterbebett Abschied, auch Präsident Peres besuchte ihn noch wenige Stunden zuvor.

Kurz nach der Verbreitung der Todesmeldung versammelten sich tausende Menschen sowohl vor dem Shaare-Zedek-Krankenhaus als auch vor der Wohnung im Jerusalemer Viertel Har Nof, wo der ehemalige sefardische Oberrabbiner des Landes und das geistige Oberhaupt der orientalisch-religiösen Shas-Partei gewohnt hatte. Die Beerdigung des weit über die Parteiengrenzen hinweg beliebten Rabbiners beginnt heute Abend um 18 Uhr Ortszeit, und es wird mit einer Trauergemeinde von bis zu einer halben Million Menschen gerechnet. Der letzte der israelischen Polit-Prominenz, die sich von Ovadia Yosef noch heute Morgen verabschiedet hatte, war Staatspräsident Shimon Peres, der nach kurzer Zeit das Krankenhaus sichtlich gezeichnet verliess. Regierungschef Binyamin Netanyahu brachte in einer Kondolenzbotschaft seine tiefe Trauer über den Hinschied des populären Rabbiners zum Ausdruck, der neben seinem immensen Torah-Wissen auch nicht weniger immensen Einfluss auf die israelische Politik auszuüben pflegte, war sein Wunsch etwa bei Knessetwahlen doch Befehl für seine Gefolgschaft in- und ausserhalb der Partei.

Neben den bereits genannten Funktionen war Rabbi Ovadia Yosef Träger des Israel-Preises, Präsident des Rats der Torahweisen der Shas-Partei, und einer der bekanntesten Interpreten des religiösen Gesetzes der letzten Generationen, und er war der von hunderttausenden Menschen orientalischen Ursprungs in Israel und der ganzen Welt verehrte geistige Führer. Entsprechend schwierig wird die Nachfolge an der ideologischen Spitze von Shas sein, und bei aller Trauer und allen Emotionen regen sich bereits jetzt die ersten Geister der zu erwartenden Diadochenkämpfe. Ovadia Yosef war neben vielem anderen das Symbol für eine kulturelle Renaissance der sefardischen Kultur, die sich auf die Hinterlassenschaft der sefardischen Halacha, der sefardischen Gesetzesauslegung konzentrierte.

Ovadia Yosef war ein scharfer Denker. Das führte dazu, dass er nicht selten mit seinen provokativen Ausführungen bei Andersdenkenden, vor allem im Kreise des nicht-sefardischen Judentums aneckte. Seine Kritik an anti- oder auch areligiösen Juden war oft nicht weniger harsch wie die vernichtenden Worte, die er mitunter für extreme Araberkreise übrig hatte. Dessen ungeachtet demonstrierte Ovadia Yosef oft eine wichtige politische Weitsicht, etwa als er seine bedeutungsvolle Ansicht verbreitete, die Erhaltung jüdischen Lebens sei wichtiger als das Festhalten als Gebieten. Von dieser Maxime, die vor allem unter der politischen Mitte Israels und links von ihr Anhänger fand, rückte er in den letzten Jahren angesichts des in immer weitere Ferne rückenden Friedens zwischen Israeli und Palästinensern allerdings zusehends ab, doch galt Rabbi Ovada Yosef bis zum Ende seines Lebens bei all seinem unbeirrten Festhalten an Israel als dem geistigen und praktischen Erbe des jüdischen Volkes als ein Mann des Kompromisses und der Koexisztenz.

Ovadia Yosef hat mit einigen seiner Entscheidungen und Anordnungen in Israel im Laufe der Jahre für Furore gesorgt. So entschied er zum Beispiel, dass es legitim sei, für einen dauerhaften Frieden israelisches Land abzugeben. Desweiteren erkannte er die jüdische Herkunft der äthiopischen Juden an.

Möge die Erinnerung an sie ein Segen für sein.

 (JNS und Agentruen)



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