Thorazitat des Tages – Thora-Parascha


ThoraUnsere Weisen lehrten uns: Am besten erkennt man den Charakter eines Menschen bei Geldangelegenheiten, beim Trinken und im Zorn. Demnach sollte man diese Dinge meiden!!

Thora-Parascha

Schabbat „Chaje Sarah – Sarahs Leben“
 Wochenabschnitt: 1. Mose 23,1 – 25,18
Haftara-Prophetenlesung: 1. Könige 1, 1-31

Chaje Sara  – Psalm 45
Glückwünsche zur Hochzeit

Psalm 45, „ein Lied der Freundschaft“ (Vers 1), wurde zur Hochzeit eines israelitischen Königs verfasst. A.  Chacham bemerkt, dass die Identität dieses Königs umstritten ist – diese Frage soll uns jetzt nicht interessieren. Wir suchen nach einer Verbindung zwischen dem Wochenabschnitt und dem zugeordneten Psalm: Hier wie dort ist von einem Brautpaar die Rede. Yizhak heiratet Rivka (Bereschit 24, 67). Sowohl in der Tora als auch im Psalm stehen Glückwünsche zur Vermählung.
 
Bevor Rivka das Elternhaus verliess, bekam sie gute Wünsche zu hören. Kritisch merkte der Amoräer Eivu an, dass man der Braut die üblichen Geschenke nicht gegeben hat (Bereschit Rabba, Abschnitt 9,13). Wie segneten sie Rivka? „Unsere Schwester! Werde du zu tausend Zehntausenden, und es erbe dein Same das Tor seiner Hasser“ (Bereschit 24,60). Raschi erklärt: „Du und deine Nachkommen sollen den Segen empfangen, welcher dem Abraham auf dem Berge Morija verheissen wurde: Ich will deine Nachkommen zahlreich werden lassen…(Bereschit 22,17). Möge es Gott gefallen, dass diese Nachkommen von dir und nicht von einer anderen Frau sein werden!“
 
Um Nachkommen  geht es auch im Glückwunsch des Psalmisten an den israelitischen König: „An deiner Väter Stelle mögen deine Söhne treten, mögest du sie setzen zu Fürsten im ganzen Land“ (Vers 17). Rabbiner S. R. Hirsch erklärt: „Er wünscht ihm das wahre Glück der Ehe, das nicht nur in Kindern besteht, sondern in solchen Kindern, in denen die Eltern der Eltern fortleben. Mögest du die Freude haben, in deinen Kindern deine Eltern wieder aufleben zu sehen, und mögen sie so tüchtig werden, dass du an ihnen Mitarbeiter und Gehilfen in deiner Wirksamkeit für deines Volkes Wohlfahrt habest, und du sie als Fürsten verwenden könnest im ganzen Lande.“ (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Chaje sara

Licht wie Sterne am Himmel

Sara stirbt im Alter von 127 Jahren. Awraham ist voll und ganz damit beschäftigt einen passenden Ort für ihr Grab zu finden.  Obwohl er sich als Eigner des Landes betrachten könnte – Eretz Jisrael ist ihm von Gott versprochen worden – und obwohl ein prominenter Chititer (die Chititer bewohnen das Land), nämlich Efron der Chititer, ihm vergewissert er dürfe Sara beerdigen wo er wolle, ohne für die Grabstätte zu bezahlen, beharrt Awraham darauf, das Grundstück zu kaufen. Wir wähnen uns in einer Komödie, wenn wir lesen wie der Verkäufer kein Verkäufer und der Begünstigte, koste es was es wolle, ein Käufer sein will. Wie sollen wir Awrahams Hartnäckigkeit verstehen? Käme er nicht aus dem fernen Osten, würde ich sagen, er sei ein Jecke. Die Tora zeichnet sich aber nicht gross durch Humor aus.

Jede Geschichte, jeder Satz, jedes Wort, ja jeder Buchstabe in der Tora ist mit Absicht geschrieben. Sie wollen uns alle etwas mitteilen. Wir können von jeder Aussage etwas lernen. So auch von dieser komischen Szene des Erwerbens eines Beerdigungsplatzes für Sara. Awraham hat die Wahl, sich so oder so zu verhalten. Er kann als Landbesitzer antreten und einen Ort für Saras Grab beanspruchen. Gott hat das Land ja schliesslich seinen Nachkommen gegeben.  Er kann sich aber auch als Realist aufstellen, der kapiert,  dass Ansprüche an das Land in der Welt in der er lebt, keine Gültigkeit haben. Awraham zeigt sich als Realist, als einer – wie schwer es ihm vielleicht auch ums Herz ist – der zum Kompromiss bereit ist, als einer der versteht, dass Sturheit auf die Dauer nichts bringt. Er lebt in einem Land unter Menschen die weder das Versprechen noch den Versprecher kennen, dessen ungeachtet, ihm jedoch Land für das Grab seiner Frau zuerkennen. Awrahams Akzeptanz der Realität, sein Verzicht auf das Maximale, ermöglichen es ihm, den zweiten Teil Gottes Versprechen einzulösen, nämlich, dass es Nachkommen wie Sterne am Himmel geben wird.

Ich wünsche uns aus ganzem Herzen, dass es den Palästinensischen und Israelischen Regierungen und Friedensunterhändlern gelingt, der Realität ins Auge zu sehen, dass sie auf das unerreichbare Maximum verzichten und einen Kompromiss schliessen, der beiden Völkern Licht wie Sterne am Himmel bringen wird.
 
Schabbat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: chaje.sara.1.j.pdf, chaje.sara.haftara.pdf

 



Kategorien:Gesellschaft

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