Ultraorthodoxe protestieren vor Militärgefängnis


img463145Die Auseinandersetzung um den Militärdienst von ultraorthodoxen Juden spitzt sich zu. Am Mittwoch demonstrierten mehrere Hundert Ultraorthodoxe zusammen mit ihren Rabbinern vor dem Militärgefängnis in Atlit bei Haifa. Anlass des Protests: Ein 19-jähriger Bibelschüler hatte sich geweigert, zur Musterung zu kommen. Daraufhin hatte ihn die Militärpolizei verhaftet, ein Richter schickte ihn für zwei Wochen hinter Gitter. Führende Ultraorthodoxe hatten öffentlich dazu aufgerufen, den Dienst in der Armee zu verweigern. In den ultraorthodoxen Wohnvierteln wie hier in Mea Shearim in Jerusalem wurden entsprechende Plakate geklebt (Foto).

Israels Finanzminister Yair Lapid hatte im Wahlkampf versprochen, die Lasten innerhalb der israelischen Gesellschaft gerechter zu verteilen. Deshalb müssten auch Ultraorthodoxe Wehrdienst leisten. Während ein kleiner Teil dieser besonders frommen Juden in speziellen Einheiten dient (nach Geschlechtern getrennt, mit koscherem Essen und genügend Zeit für Andachten), weigert sich die Mehrheit der ultraorthodoxen Jugendlichen, ihre schwarze Kleidung mit den olivgrünen Uniformen zu tauschen. Ihr Ideal ist ein lebenslanges Bibelstudium. Für den Lebensunterhalt sorgen Sozialhilfe, Kindergeld und Ehefrauen, die trotz hoher Kinderzahl zur Arbeit gehen.

Den Protesten vor dem Militärgefängnis schloss sich einer der führenden armeefeindlichen Rabbiner an: Shmuel Auerbach (86). Der inhaftierte Bibelschüler ist einer seiner Anhänger. Die Demonstration blieb friedlich. Die Ultraorthodoxen riefen: „Gott hat uns von den Nicht-Juden abgesondert und uns die Heilige Schrift der Wahrheit gegeben“ und „In jeder Generation wollten sie uns vernichten, aber Gott hat uns gerettet.“ Auf einem Plakat war zu lesen: „Wer zur Musterung geht, beteiligt sich an einer Verschwörung zur Zerstörung der heiligen Bibelschulen.“

Die Regierung ist sich uneinig, wie sie mit den Ultraorthodoxen umgehen soll. Einige Bibelschüler erhielten nach ihrer Musterung Einberufungsbescheide, die aber vom Verteidigungsministerium wieder storniert wurden. Auch die ultraorthodoxen Rabbiner vertreten verschiedene Auffasungen. Eine Gruppe hält den Staat Israel für rechtmässig und befürwortet den Militär- oder Zivildienst. Eine andere Gruppe hält den Staat Israel für gotteslästerlich, weil er von Menschen und nicht vom Messias gegründet worden sei. Deshalb lehnen sie die Zusammenarbeit mit israelischen Behörden ab.

Rabbi Yosef Rosenfeld, der einflussreiche Vorsitzende des Jerusalemer Schabbatrates, erklärte dazu kürzlich: „Wir gehen ins Gefängnis, aber nicht zur Armee. Auch in anderen Ländern gehen die Religiösen nicht zum Militär.“ Eine Armeepflicht für ultraorthodoxe Juden könnte seiner Meinung nach sogar zu einem Bürgerkrieg führen.

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Photos von Aharon Wahav, Hadashot 24

(JNS und Agenturen)

 

 



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