„Den Glauben eines Menschen, dessen Brotkorb gefüllt ist, diese allerdings keinen Genuss daraus schöpfen, da sie sich davor fürchten, morgen ohne Essen dazustehen, muss man in die Kategorie “niedrig“ einstufen…“
Thora-Parascha
Sidra: BaHalotecha – „Wenn du sie aufsetzt“
Lesungen: 4. Mose 8,1 – 12,16
Haftara: Sacharja 2,14 – 4,10
Beha’alotcha-Psalm 68
Bitte um Gottes BeistandAn Tagen, an denen in der Synagoge aus der Tora vorgelesen wird, rezitiert man zwei Verse aus dem Wochenabschnitt Beha’alotcha. Beim Öffnen der Lade sagt man: „Es war, wenn die Lade aufbrach, sprach Mosche: erhebe dich, Ewiger, dass sich zerstreuen deine Feinde und das Fliegen deiner Hasser vor dir“ (Bamidbar 10,35). Und beim Einheben nach der Tora-Vorlesung spricht man: „Und wenn sie (die Lade) sich niederliess, sprach er: Kehre zurück, Ewiger, zu den Myriaden der Tausende Israels“ (Bamidbar 10, 36). Rabbiner E. Munk erklärt die Bedeutung dieses Gebets: „Zuerst werden durch den Rundgang des göttlichen Wortes unter den Menschen die Feinde und Hasser des Göttlichen überwunden und zum Weichen gebracht, und dann nimmt das göttliche Wort ,milde‘ seinen Ruheplatz im Menschenkreise und dann verwandeln sich die Tausende Israels durch eigenen Zuwachs und Anschluss von aussen in Myriaden.“
Dass Psalm 68 dem Wochenabschnitt Beha’alotcha zugeordnet wurde, hängt wohl damit zusammen, dass der Psalmist auf Mosche Rabbenus Bitte um Gottes Beistand zurückgreift: „Erhebt sich Gott, verstreuen sich seien Feinde und fliehen seine Hasser vor seinem Antlitz“ (Vers 2). Im folgenden Vers führt der Psalmist die Bitte weiter: „Wie Rauch verjagt wird, jage sie fort: wie Wachs am Feuer zerschmilzt vergehen Übeltäter vor Gott.“
Nach Auffassung von Rabbiner Hirsch sind die oben angeführten Verse aus dem Wochenabschnitt „ein Kompendium der ganzen mit Moses göttlicher Sendung eingeleiteten Geschichte Israels und der Menschheit, und wohl bilden diese beiden Verse ein bedeutsames Buch für sich.“ Er fügt hinzu: „Einen Kommentar zu ihnen glauben wir aber in Psalm 68 zu finden, dessen Inhalt eben die mit Israel und dem Gesetze eingeleitete Geschichte des siegreichen Gottesreiches auf Erden bildet.“ (Prof. Dr. Yizhak Ahren)
Sidra Beha‘alotcha
דַּבֵּר אֶל־אַהֲרֹן וְאָמַרְתָּ אֵלָיו בְּהַעֲלֹתְךָ אֶת־הַנֵּרֹת אֶל־מוּל פְּנֵי הַמְּנוֹרָה יָאִירוּ שִׁבְעַת הַנֵּרוֹת
„Rede zu Aharon und sprich zu ihm: Wenn du die Lampen aufsetzt, sollen die sieben Lampen den Raum vor dem Leuchter erhellen.“ (Bemidbar [4.BM] 8,2)
Dieser Auftrag am Anfang der dieswöchigen Sidra ist etwas eigenartig. Vier Verse, inmitten einer Reihe von Hinweisen, die sich auf das Opfern beziehen, sind der Menora gewidmet. Warum steht der Menora Auftrag nicht dort, wo die andern Hinweise auf die Menora stehen, nämlich in Schemot [2.BM] Kapitel 25? Das ist für ein anderes Mal. Es ist eben nicht der Fall und so begrüssen wir diese Woche das älteste jüdische Symbol, die Menora, den siebenarmigen Leuchter. Trotzdem, dass die Römer die ursprüngliche Menora nach ihrem Sieg über die jüdische Armee im Jahr 70 erbeutet und verschleppt haben (siehe den Titusbogen in Rom), blieb die Erinnerung an sie am Judentum haften. Die Menora verziert seit 2000 Jahren Synagogen und Wohnhäuser, erscheint in Emblemen und Logos von Vereinen und Sportklubs und, nicht zu vergessen, prunkt im Wappen des Staates Israel. Die Menora ist für uns Juden ein wichtiges Symbol. An dieser Stelle möchte ich anhand von fünf Begriffen auslegen, was sie für mich bedeutet, welche Werte daran festkleben und die für mich die Grundgedanken des Judentums formen. Die fünf Begriffe fangen je mit den fünf Buchstaben, die das Wort Menora bilden, an: מ – mem, נ – nun, ו – waw, ר– resch und ה – he. (Sie wissen ja, das waw kann auch ein o, das o von Menora, sein.)

Massoret, die Tradition. Sie ist die Quelle, die ich als meine Erbschaft sehe. Sie wurde mir übermittelt. Es geht um Texte, Melodien, Rituale, Verhaltensregeln und Normen. Dass es meine Erbschaft ist, bedeutet übrigens nicht, dass ich alles ohne weiteres akzeptiere und übernehme.
Nefesch, die Seele des Judentums. Aber auch die Seele von Menschen, die das Judentum während Jahrtausenden gelebt und immer mit ihren eigenen Zufügungen und Interpretationen weiter gegeben haben.
Wa’ad, gemeinsam bestimmen, sich gegenseitig beraten (hier als Wortwurzel des Verbes gemeint). Das Judentum ist eine endlose Baustelle, auf der die Diskussionen, der Dialog und das Zusammen die Instrumente für den immerwährenden Weiterbau sind.
Rawgoni, die Vielfältigkeit. Sie ist der sicherste Weg, das Judentum lebendig zu halten. Es gibt viele Manieren, viele Judentümer, viele ‚Judentuns‘. Judentum ohne Vielfältigkeit, ohne Streitgespräch, ohne Meinungen, soviel wie es Juden gibt, ist kein Judentum.
Hitchadschut, die Erneuerung. Leben ohne Erneuerung ist tot. Erneuerung formt somit unsere wichtigste Energiequelle. Anpassung an Ort, Zeit und Möglichkeiten – immer in Verbindung mit Tradition – generiert Vitalität, Inspiration und Kontinuität. Erneuerung bedingt Offenheit. Offenheit aber, will sie nicht aufheben, bedingt Tradition.
Und so und nur so, bleibt die Menora, die aus den beklemmenden Tempelmauern in die Welt gebracht wurde, das stimulierende Licht des Judentums.
Schabat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim, JLG Zürich
Paraschat Haschawua: behaalotcha.haftara.pdf
Kategorien:Gesellschaft
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Thorazitat – Parascha
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