Thorazitat des Tages – Parascha


Thora„Der Glaube ist der Schlüssel zum Geld, so wie es in den Psalmen Davids heisst: – Und habe deine Lust an Gott und Er wird dir geben deines Herzens Wünsche – daher ernähre dich, und finanziere dein Leben mittels deines Glaubens“.

Thora-Parascha

Sidra: „Ki Teze“
Lesungen: 5. Mose 21:10 – 25:19
Haftara: Jesaja 54:1 – 10

Ki Teze – Psalm 32

Strafe und Sündenbekenntnis

Wer bestimmte Mitzwot der Thora übertreten hat, muss damit rechnen, dass ein jüdisches Gericht ihn zur Geisselstrafe verurteilt. Im Wochenabschnitt Ki Teze steht dieses Gebot: „Es sei aber, wenn der Schuldige schlagstraffällig ist, so hat ihn der Richter niederlegen und vor seinem Angesicht schlagen zu lassen, seiner Verschuldung entsprechend in bestimmter Zahl“ (Dewarim 25, 2).

Wie der Autor von Sefer HaChinuch ausführt, ist ein Grundgedanke dieser Mitzwa (Nr.  594), dass der Ewige die Frevler züchtigen wollte, damit sie zu ihm zurückkehren und Sühne erlangen. Die Wichtigkeit der Umkehr (hebr.: Teschuwa) kann man nicht oft genug unterstreichen. Maimonides stellt in seinem Kodex (Hilchot Teschuwa 1,1) fest: „Ebenso bringt diejenigen, die vom Gericht zum Tode oder zur Geisselstrafe verurteilt worden sind, ihr Tod oder ihre Züchtigung keine Sühne, wenn sie nicht Teschuwa tun und ihre Sünde bekennen.“

Ki Teze hat man Psalm 32 zugeordnet, in dem von der Haltung zu begangenen Sünden die Rede ist. Über diejenigen, denen ihre Übertretungen verziehen worden sind, sagt der Psalmist: „Heil, wem die Missetat vergeben, zugedeckt die Sünde ist. Heil dem Menschen, dem der Ewige keine Schuld anrechnet, und in dessen Gemüt kein Trug ist“ (Verse 1 und 2). Raschi erklärt hierzu, dass Sünden nur dann getilgt werden, wenn man nicht im Sinn hat sie zu wiederholen – Reue ohne Besserungsabsicht  ist Trug, keine Teschuwa.

Aus eigener Erfahrung berichtet der Psalmist, dass die Verweigerung von Teschuwa Leid anwachsen liess: „Denn als ich mich schweigend verhielt, schwanden meine Gebeine, indem ich zu schreien hatte den ganzen Tag. Denn tags und nachts lag schwer auf mir Deine Hand, war mein Lebenssaft in Sommerglutendürre  umgewandelt“ (Verse 3 und 4). Eine Wendung zum Guten brachte erst das vor Gott abgelegte Sündenbekenntnis: „Wie aber mein Vergehen ich Dir bekannte, meine Sünde nicht verhehlte, wie ich nur sagte: ich will über meine Verbrechen Gott bekennen, da hattest Du schon das Sündhafte meines Vergehens fortgehoben“ (Vers 5). (Von:Prof. Dr. Yizhak Ahren )

Sidra Ki Teze

Lästige Kinder hinrichten
Es war einmal Krieg in einem weit entfernten Land. Ein Mann musste einrücken, sein Heer besiegte den Feind und die Soldaten nahmen, was sie tragen konnten, mit nach Hause. Unser Mann sah eine schöne junge Frau und nahm sie sich als Kriegsbeute mit. Er gab ihr 30 Tage, um sich an ihre neue Situation zu gewöhnen und den Abschied von ihrer Familie zu verkraften, wonach er sie als zweite Frau heiratete. Die Liebe zu seiner ersten Frau war erloschen, die neue hingegen setzte ihn in Feuer und Flamme. Er zeugte mit beiden Frauen Söhne. Den Sohn seiner Kriegsbeute Frau liebte er über alles und der Sohn seiner ersten Frau wurde grundsätzlich und systematisch benachteiligt. Der ungeliebte Sohn spürte die Ablehnung seines Vaters und entwickelte sich zu einem schwierigen, unzufriedenen und widerspenstigen Knaben, der sich ständig den Teufel auf den Hals lud. Es war klar, dass er früher oder später in sein Verderben rennen würde. Um ihn davor zu schützen, übergaben die Eltern den Sohn dem Gericht, das ihn nach einer kurzen Untersuchung hinrichtete (paraphrasiert nach Midrasch Tanchuma Ki Teze 1).
Diese Geschichte lesen wir in der dieswöchigen Sidra Ki Teze (Dewarim [5BM] 21, 10-21), wenn auch nicht als grausames „Es-war-einmal-Märchen“, sondern als Verhaltensregeln für Situationen, die in der Geschichte vorkommen: Eine Frau, die man als Kriegsgefangene mitgenommen hat, darf man erst nach 30 Tagen heiraten. Das Erstgeborenenrecht darf einem Sohn nicht wegnommen werden, nur weil man den Sohn einer anderen, mehr geliebten Frau, bevorzugt. Einen ungehorsamen und widerspenstigen Sohn soll man hinrichten.
Obwohl die ersten zwei Situationen nicht mehr aktuell sind und wir sie deswegen als Kuriosität ablegen, rührt der dritte Punkt, die Hinrichtung eines ungehorsamen und widerspenstigen Sohnes, Emotionen von Abscheu auf. Wie ist es in Gottes Namen möglich, dass Eltern ihren Sohn wegen Ungehorsam hinrichten?  Umso mehr, wenn der ungehorsame Sohn ‚nur‘ als „ein liederlicher Schlemmer und Trunkenbold“ beschrieben wird. Nicht nur der moderne, in einer relativ kinderfreundlichen Welt (abgesehen von Exzessen) lebende Leser wird durch eine derartig rigorose Pädagogik betroffen, auch die talmudischen Rabbinen fanden diese Passage unerträglich.
Als Freudianer avant la lettre, suchten einige Rabbinen die Ursache für das Benehmen des Sohnes in seiner Vergangenheit und der seiner Eltern. Sie verstanden, dass ein Sohn nicht grundlos, es sei denn, er ist geistig krank, widerspenstig wird. Disharmonie zu Hause, oder Ablehnung von Eltern, so die Rabbinen, können ein normales Verhalten eines Kindes beeinträchtigen (Midrasch Tanchuma, Ki Teze 1). Andere Rabbinen suchten mit Hilfe ihrer Spezialdisziplin, die Kasuistik, nach einem Ausweg. A: Es steht geschrieben „Sohn“, die Massnahme gilt also nicht für Töchter. B: Es geht um einen noch nicht dreizehnjährigen (unter Bar Mizwa Alter) Sohn, der im Zusammenhang mit seinem Alter nicht beschuldigt werden kann. C: Wäre er älter, müsste der Sohn ja nicht mehr auf seine Eltern hören und so kann dementsprechend nicht die Rede sein von Ungehorsam. D: Beide Eltern müssen einverstanden sein und den Sohn zusammen zum Gericht bringen. E: Beide Eltern müssen respektierte Personen sein. F: Der Alkoholkonsum des „Trunkenboldes“ muss exorbitant sein. Diese und mehr Bedingungen legten die Rabbinen fest, um die Hinrichtung eines lästigen Sohnes zu verhüten. Sie taten dies mit den Worten: „Der widerspenstiger Sohn? Den hat es nie gegeben und wird es auch nie geben“ (Babylonische Talmud Sanhedrin 71a).
Es ist ein, in meinen Augen, starkes Beispiel für die Botschaft der talmudischen Rabbinen: Die Gesetze der Tora bleiben unberührt, durchschlaggebend für das Nachleben der Mizwot jedoch, ist die herrschende Moral der ‚gelebten‘ Zeit. Wir haben eine schöne Tradition.

Schabat Schalom!
Rabbiner Reuven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: ki.teze.1.j.pdf; ki.teze.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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