Gericht: Rabbiner sind keine Ärzte


Portrait of rabbi Mordechai EliyahuEin israelisches Ehepaar, das den Rat eines Rabbiners dem eines Arztes vorzog, muss nun alle Aufwendungen für die Pflege seines gelähmten Kind aus eigener Tasche bezahlen. Das hat der Hohe Gerichtshof am Mittwoch offiziell entschieden, meldet das israelische Nachrichtenportal Arutz Sheva. Die Eltern hatten sich nach Rücksprache mit dem Rabbiner dafür entschieden, das behinderte Kind nicht abtreiben zu lassen. Das kommt sie nun teuer zu stehen. Das Gericht entschied zu Gunsten des Meuhedet-Gesundheitsfonds, einer israelischen Krankenversicherung. Meuhedet hatte sich geweigert, die Kosten für die Betreuung des Kindes zu übernehmen, nachdem bekannt geworden war, dass ein Arzt das Ehepaar im Rahmen der Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung darüber informiert hatte, dass das Kind gelähmt geboren werde. Die werdenden Eltern hatten damals jedoch auf Anraten des mittlerweile verstorbenen Rabbiners Mordechai Eliyahu (Foto) keinen Abbruch der Schwangerschaft herbeigeführt.

Nach Angaben der Versicherung wurde der Mutter des Kindes von einem Gynäkologen, der sie bei ihrem ersten Besuch in seiner Praxis untersucht hatte, bereits erklärt, dass das Kind mit grossen gesundheitlichen Problemen geboren werden würde. Er empfahl ihr, die Schwangerschaft frühzeitig zu beenden. Nachdem das Paar Rabbi Eliyahu hinzugezogen hatte, beschloss es, das Kind zu behalten – und so wurde es gelähmt geboren, wie der Arzt vorausgesagt hatte.

Die Krankenversicherung weigerte sich, die Pflegekosten des Kindes zu übernehmen. Sie beruft sich dabei auf den Rat des Arztes, den die Eltern nicht annahmen. Die hatten die Versicherung verklagt. Nach ihrer Aussage habe der Arzt ihnen nicht hinreichend erklärt, welche Gefahren für das Kind bestünden. Er hätte sie lediglich über die Schäden aufgeklärt, die während der Schwangerschaft für die Mutter auftreten könnten, so das Ehepaar.

Ein anderes Gericht hatte zuvor zu Gunsten der Eltern entschieden. Deshalb hatte sich der Meuhedet-Gesundheitsfonds an eine höhere Instanz gewandt, die nun zu seinen Gunsten urteilte.

Nach Ansicht des Gerichts ist es unwahrscheinlich, dass der Arzt die Eltern im Vorfeld nicht ausreichend über die Gefahren für das Kind informiert habe. Die Eltern sollten durch den Urteilsspruch verstehen, dass „ein Rabbiner, egal wie gut er die Tora kennt, kein Arzt ist und auch kein Ingenieur. Wer in diesen Bereichen den Rat eines Rabbiners sucht, muss sich darüber klar sein, dass er keine professionelle Aussage über solche Themen treffen kann“, so das Gericht. Den Rabbi, der bereits 2010 verstarb, treffe jedoch keine Schuld, „allerdings die Eltern schon, denn sie haben seine unprofessionelle Meinung höher eingeschätzt als den Rat eines Arztes“. (ih)



Kategorien:Gesellschaft

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