Thorazitat des Tages – Parascha


ThoraKönig David schrieb einst in seinen Psalmen: „Er ist der Ewige, unser Gott, über die ganze Erde reicht Sein gerechtes walten!“

Thora-Parascha

Schabbat „Wa’Jischlach“
Lesung: 1. Mose 34,1 – 35,15
Sidra: J’hoshua 9,1- 20

Wajischlach-Psalm 140
Gebet um Schutz

Wer den Wochenabschnitt Wajischlach und Psalm 140 aufmerksam liest, dem dürfte es nicht schwer fallen, den gesuchten Berührungspunkt zu finden. Sowohl in der Tora als auch im Psalm betet ein Mensch, der sich bedroht fühlt und Angst hat, der Ewige möge ihn beschützen.

Auf die Begegnung mit seinem Zwillingsbruder Esaw hat sich unser Stammvater Jakob sorgfältig vorbereitet (siehe Raschi zu Bereschit 32,9). Jakob sprach das folgende Gebet: „Rette mich doch aus der Hand Esaws, denn ich fürchte ihn, dass er nicht komme und mich, die Mutter samt der Kinder erschlage, und du hast doch gesagt: Gutes will ich dir erzeigen, sodass ich deine Nachkommen wie Sand des Meeres werde werden lasse, der vor Menge nicht gezählt werden kann“ (Bereschit 32,12 und 13). Rabbiner S. R. Hirsch erläutert Jakobs Gebet: „Rette mich um meiner Kinder willen, auf die du doch den Bau einer so grossen Zukunft verheissen.“

Im Psalm lautet die Bitte um Gottes Schutz: „Befreie mich, Ewiger, von bösen Menschen, vor dem Manne der Gewalt behüte mich. Die Bosheit sinnen im Herzen, den ganzen Tag Streit erregen. Sie schärfen ihre Zunge wie eine Schlange, Skorpionengift ist unter ihren Lippen. Sela. Bewahre mich, Ewiger, vor Frevlers Händen, vor dem Manne der Gewalt behüte mich, die sinnen meine Tritte zu stürzen. Gelegt haben mir Hoffärtige Schlingen und Seile, ein Netz gebreitet neben dem Pfade, haben mir Fallen gestellt.

Sela“ (Verse 2 bis 6). Vers 9 lautet: „Gewähre nicht, Ewiger, die Wünsche des Frevlers, sein Sinnen führe nicht aus, dass sie sich nicht überheben. Sela.“ Bemerkenswert ist, dass der Midrasch (Bereschit Rabba, Parascha 75,9) den Frevler im zitierten Vers als Esaw identifiziert.

Zum Schluss sei erwähnt, dass auch wir Gott jeden Tag (am Anfang des Morgengebets) um Schutz vor frechen und bösen  Menschen bitten. (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Wajischlach

Wer ist der Held, wer der Verbrecher?
Tschüss! Dina winkt ihren Eltern Ja’akow und Lea zu und verschwindet in der Abenddämmerung auf der Suche nach Freundinnen. Schechem entdeckt sie, macht ihr den Hof, nimmt sie in seine Stadt mit, schläft mit ihr und vergewaltigt sie. Schechem verliebt sich in Dina und bittet seinen Vater Chamor, mit Ja’akow eine Hochzeit zu arrangieren. Als Schimon und Levi, Dinas Brüder, von der Entführung, der Vergewaltigung und dem Heiratsantrag hören, schmieden sie einen Plan. Sie stimmen der Heirat unter der Voraussetzung zu, dass Schechem, sein Vater und alle Männer ihrer Stadt sich beschneiden lassen.  Schimon und Levi versprechen ihnen, dass die Ja’akow Sippe und die Einwohner ihrer Stadt zu einem Volk werden. Der Stadtrat willigt ein und die Männer lassen sich beschneiden. Am dritten Tag nach der kollektiven Beschneidung – sie sind dann noch etwas kränklich – ermorden Schimon und Levi alle Männer, plündern die Stadt und nehmen Frauen und Kinder als Kriegsbeute mit nach Hause (Bereschit 34,1-31).
Dieser Dreiakter löst heutzutage Emotionen von Abscheu aus. Aber nicht nur heutzutage. Ja’akow ist verzweifelt: „Ihr habt mich ins Unglück gestürzt“. Er verurteilt seine Söhne. Kein Wort jedoch über Dina und ihr Leiden. Ja’akow denkt nur an sich selber. Es sind nicht die unschuldigen Toten, die er beweint, sondern er jammert, dass diese grauenhafte Tat seiner Söhne ihn in Verruf bringen wird. Für Schimon und Levi dahingegen zählt nur eines, sie müssen die geschändete Ehre Dinas rächen.
Manche Kommentare beugen sich über die Schuldfrage. Lea habe versagt, sie sei Dina kein gutes Vorbild gewesen oder, Dina habe die Schandtat selber dadurch ausgelöst, sich ohne Begleitung auf der Strasse herumzutreiben. (Tanchuma Wajischlach 5). Dina wird jedoch – zum Glück – nicht von allen talmudischen Kommentatoren als die Schuldige angesehen. In Bereschit Raba 80,2 wird Dina als Opfer einer sexuellen Missetat dargestellt, die dieses Trauma, so die Rabbinen, ihr ganzes Leben mit sich tragen wird.
Über den dritten Akt, das hinterlistig und feige ausgeführte Blutbad, sind die Meinungen auch geteilt. Auf der einen Seite werden Schimon und Levi verteidigt. Die Stadt wäre rechtlos gewesen, gegen Schechem und seine Schandtat sei nichts unternommen worden, die Einwohner der Stadt seien mitschuldig (Rabbiner Moshe Weissman, USA 20. JH) und deswegen ‚mussten‘ Schimon und Levi Selbstjustiz üben. Auf der anderen Seite gibt es auch Verurteilungen über die Mordpartei. Schimon und Levi seien viel zu weit gegangen, sie seien selber zu Verbrechern geworden. (Rabbiner S. R. Hirsch in seinem Kommentar zur Stelle).
Am Ende dieser Geschichte stehen zwei unverzeihliche Verbrechen einander gegenüber. Gewalt löst Gewalt aus und im Nu stecken Personen, Gruppen und Staaten bis über die Ohren in einer schier unlöslichen Gewaltspiral. Die Missetaten und Verbrechen stapeln sich als gegenseitige Reaktionen auf. Die ‚good guys‘ und ‚bad guys‘ sind längst nicht mehr als solche zu identifizieren. Ob nun IS und Syrien, Russland und Ukraine, Israel und Hamas, Obama und Putin: It takes two to tango.
Der Weise Ben-Soma (Mischna Awot 4,1) sagt es so: „Wer ist ein Held? Der seinen Trieb bezwingt“.

Schabat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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