Drama in der orthodoxen Schass-Partei


.Seit dem Tod ihres religiösen Oberhauptes Rabbiner Ovadia Yosef im Oktober des vergangenen Jahres, tobt ein Machtkampf in den obersten Reihen der orthodox-sephardischen Schass Partei. Genauer zwischen dem Vorsitzenden Ariye Deri und seinem Vorgänger, Ex-Innenminister Eli Ishai.

Gestern Abend wurde im Fernsehkanal Zwei eine Filmaufnahme von 2008 ausgestrahlt, in dem Rabbi Ovadja Yosef vor seinen Söhnen Ariye Deri als „Bösen, Lügner und zu selbständigen Politiker“ beschimpft. Dieser Film bestätigt in bestimmter Weise, dass Deri den geistlichen Parteiführer manipuliert hat, um ihm wieder die Parteiführung zu übergeben. Dafür musste Rabbi Yosef zuerst Ishai absetzen. Im Jahr 2013 wurde der Wechsel vollzogen, wahrscheinlich unter Druck von Ariye Deri, und seitdem streiten sich Deri und Ishai. Dies ist jedenfalls so aus dem Film zu hören. Denn Rabbi Ovadia Yosef betonte mehrmals im Film, dass er Eli Ishai nicht verraten kann und weiterhin als Parteichef von Schass sehen will. Anders als Deri, hört Ishai auf ihn. Deri dagegen sei zu selbständig, hiess es. Dass dieser Film drei Monate vor den Wahlen veröffentlicht wurde, macht den abgesetzten Parteichef Eli Ishai verdächtig.

Eli Ishai trat in der letzten Woche aus der Schass Partei aus und kündigte eine neue Partei an. Beide, Ariye Deri und Eli Ishai, behaupten jeweils die rechtmässigen Parteivertreter des berühmten Rabbis Yosef zu sein, der 1984 die Schass Partei gegründet hat. Deri, der bisher immer betonte, dass er den Segen von Rabbi Yosef für die Parteiführung erhielt, hat sich mit dem Film einen „tödlichen Schlag“ unter der Gürtellinie eingefangen. Aus diesem Grund hat er noch gestern Abend den Thoragelehrten einen Brief mit seinem offiziellen Rücktritt als Parteichef vorgelegt. Die Thoragelehrten lehnten Deris Rücktritt jedoch ab und riefen ihn auf, die Schass Partei weiterhin zu führen. Andere sind der Meinung, dass dies noch ein politischer Trick von Deri ist, sich nun als Opfer darzustellen, um damit mehr Wählerstimmen zu erhalten.

Der Streit innerhalb der orthodox-sephardischen Bevölkerung schwächt Schass und die neugegründete Partei von Ishai. Beide erhalten gemäss diversen Umfragen um die vier Mandate oder weniger. Nun versuchen die Rabbiner und Thoragelehrten zwischen Deri und Ishai eine Versöhnung zu schaffen, ansonsten wird auch in der nächsten Regierungskoalition die orthodox-sephardische Bevölkerung keine Vertreter in der Koalition haben. (ih)



Kategorien:Politik

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