Leben im babylonischen Exil


Babylon

Ausstellung beleuchtet das Leben im babylonischen Exil

Eine neue Ausstellung im Jerusalemer Bible-Lands-Museum zeigt antike Tontafeln, die im heutigen Irak entdeckt wurden. Sie geben erstmals Einblicke in das Alltagsleben der Hebräer, die vor etwa 2500 Jahren nach Babylon ins Exil verschleppt wurden. Die 100 Keilschrifttafeln sind jeweils nicht grösser als die Handfläche eines Erwachsenen. Sie berichten detailliert über Verträge und den Handel zwischen den Judäern und König Nebukadnezar.

Archäologen hatten vor zwei Jahren zum ersten Mal die Möglichkeit, die Tafeln zu begutachten. Das Museum hat sie von einem reichen, in London wohnenden israelischen Sammler erworben. Sie waren überwältigt. „Es war wie den Jackpot zu knacken“, erzählt Filip Vukosavovic, ein Experte für das alte Babylon, die Assyrer und Sumerer. Er ist Kurator der Ausstellung.

„Wir haben die Tafeln gelesen und waren sofort begeistert. Sie füllen die Lücke, die bisher vorhanden war, wenn man das Leben der Judäer in Babylon verstehen will.“ Nebukadnezar, bekannt als mächtiger Herrscher der Hängenden Gärten von Babylon, kam mehrmals persönlich nach Jerusalem, um sein Reich zu vergrössern. Bei jedem seiner Besuche zwang er Tausende von Juden, mit ihm zu kommen. Ein Besuch fiel mit der Zerstörung des ersten Tempels (565 vor der Zeitenwende) zusammen.

Einmal waren es 1500 Juden, die sich auf die abenteuerliche Reise über den heutigen Libanon und Syrien bis in den südlichen Irak aufmachten. Dort trieben sie Handel und halfen Neukadnezar bei der Verwaltung seines riesigen Reiches. „Sie waren keine Sklaven“, erläutert Kurator Vukasovic, „in dieser Hinsicht war Nebukadnezar kein brutaler Herrscher. Er wusste, dass er die Juden brauchte, um die krisengeschüttelte Wirtschaft in Babylon zu stützen.“

Die Ausstellung trägt den Titel „An den Flüssen von Babylon“. Das erinnert an Psalm 137: „An den Wassern zu Babel sassen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn die uns gefangen hielten, hiessen uns dort singen und in unserm Heulen fröhlich sein: „Singet uns ein Lied von Zion!“ Wie könnten wir des Herrn Lied singen in fremdem Lande? Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte.“

Doch viele Juden blieben freiwillig in Babylon. Erst in den 1950er-Jahren kehrten ihre Nachfahren aus dem Irak, dem Iran, dem Yemen und Nordafrika zurück nach Jerusalem.

Die Anfang Februar eröffnete Ausstellung wird voraussichtlich mehrere Monate lang im Bible-Lands-Museum zu sehen sein. (ih)



Kategorien:Kultur

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