Israels Polizeichefs belästigen untergebene Frauen


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Sexual harassment victim [Illustrative]. (photo credit:INIMAGE)

Die höchste Ebene der israelischen Polizei wird von Sex-Skandalen erschüttert. Fast die halbe Führungsspitze muss gehen. Frauenrechtlerinnen vermuten: Das ist nur die „Spitze des Eisbergs“.

Langsam wird es für den Generalinspekteur der israelischen Polizei Jochanan Danino zur Routine, sich für seine Untergebenen zu entschuldigen. Es handele sich um „sehr beschämende und schwierige Zwischenfälle“, gab Danino Ende vergangener Woche mal wieder zu. Anlass für seine neueste Busse: Gegen einen Generalmajor der israelischen Polizei wird ermittelt, weil er weibliche Untergebene sexuell belästigt haben soll. Es ist bereits der siebte Fall dieser Art, bei dem einer der – nach Danino – ranghöchsten Offiziere der israelischen Polizei beschuldigt wird.

Gleich mehrere weiblich Polizeibeamte sagten inzwischen gegen den Kommandanten des Küstenstreifens Hagai Dotan aus. Er habe sie nicht nur mit zweideutigen Anspielungen belästigt, sondern sie auch körperlich bedrängt. Damit stehen nun sieben von Israels 18 Generalmajoren unter dem Verdacht, sich an weiblichen Beamten vergangen zu haben.

Zu ihnen gehört der Kommandant der Polizei in den besetzten Gebieten Kobi Cohen, der eine Beamtin gegen Sex befördert haben soll; Mosche Ivgi, ein Stadtkommandant in Beerscheba, der einer schwangeren Polizistin mitteilte, wie sehr er sich Geschlechtsverkehr mit ihr wünsche; und Daninos Stellvertreter Nissim Mor, der seinen Rang nutzte, um Untergebene zu belästigen. Israels Medien sprechen von einem „Erdbeben“. Frauenrechtler sind überzeugt: Das ist erst der Anfang.

Noch vor zwanzig Jahren gehörte sexuelle Belästigung zum Dienstalltag israelischer Frauen. „Die besten Männer sind fürs Cockpit, die besten Frauen für Kampfpiloten bestimmt“, lautete damals eine Devise, die, nur halb als Witz gemeint, den chauvinistischen Zeitgeist reflektierte. Doch zumindest in der Armee hat sich seither viel verändert. Empörte Eltern zwangen den Generalstab, die Belästigungen ihrer Töchter zu ahnden, während die Knesset die Gesetzgebung gegen sexuelle Belästigung 1998 erheblich verschärfte.

In spektakulären Gerichtsverfahren wurde mehreren Spitzenpolitikern auf dieser gesetzlichen Grundlage der Prozess gemacht, allen voran dem ehemaligen Präsidenten Mosche Katzav, der eine sieben Jahre lange Haftstrafe absitzt. Doch ausgerechnet die Polizei, die diese neuen Gesetze umsetzen soll, hatte sich dem generellen Trend in der israelischen Gesellschaft entzogen – bis jetzt.

„Diese Affären sind mehr als beschämend“, sagte Liat Klein, Rechtsberaterin der Vereinigung der Zentren der Vergewaltigungsopfer in Israel ARCCI, der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“. „Für die Bevölkerung ist es beängstigend, zu erfahren, was in der Polizei vorgeht – eben jener Organisation, die eigentlich das Gesetz aufrechterhalten und schützen soll.“ Klein ist überzeugt, dass es sich nur um „die Spitze des Eisbergs“ handelt.

Im Jahr 2013 hätten sich 40.000 Frauen wegen sexueller Straftaten an ARCCI gewandt, doch nur 15 Prozent der Opfer hätten sich dazu entschlossen, bei der Polizei Klage einzureichen. Innerhalb der Polizei hielten wahrscheinlich noch mehr Opfer still – wegen der immer noch chauvinistischen Unternehmenskultur und aus Angst um ihre berufliche Zukunft.

Unter den 18 Generalmajoren befindet sich keine einzige Frau, dabei sind rund 30 Prozent der insgesamt 30.000 Beamten Frauen, die in allen Einheiten dienen. Und obschon die Polizei bereits vor Jahren eine Hotline für sexuelle Belästigungen einrichtete, wurden die neusten Skandale nicht dank Anzeigen vonseiten der Opfer bekannt, sondern aufgrund von Berichten besorgter Kollegen.

All das soll sich nun ändern. Generalinspekteur Danino, dessen Amtszeit in wenigen Wochen endet, hat angeblich vor, die entlassenen Generalmajore vornehmlich durch Frauen zu ersetzen. Im Justizministerium, das die Disziplin innerhalb der Polizei überwachen soll und dafür verantwortlich ist, gegen übergriffige Beamte zu ermitteln, spricht man von einer „grossen Stallsäuberung“.

„Wenn der Damm erst einmal bricht – und er wird bald brechen – dann wird die Arbeitsumgebung in der Polizei für junge Frauen sicher, hochwertig und frei von jeder Form der Belästigung sein“, versprach der Verantwortliche im Ministerium Uri Carmel. Für die Polizei seien die jetzigen Ereignisse zwar „schmerzhaft, langfristig handelt es sich aber um einen positiven Prozess.“

Manchen genügen die langsamen Mühlen der Justiz indes nicht. Der Minister für Innere Sicherheit, Jizchak Aharonovitch, forderte, fortan alle Generalmajore vor ihrer Ernennung einem Lügendetektortest zu unterziehen – der Rechtsberater der Regierung lehnt das jedoch vorerst ab.

(Gil Yaron, Tel Aviv / Die Welt)



Kategorien:Gesellschaft

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