Swissleaks sorgt auch in Israel für Wirbel


hsbc-genf-101~_v-teaserMDie Enthüllungen zu den Geschäften der Schweizer Filiale der HSBC-Bank haben auch Israels Steuerfahnder aufgeschreckt. 20.000 Israelis sollen Konten bei der Genfer Niederlassung der Bank haben. Doch Vergehen nachzuweisen ist selten möglich.

Die Schweiz ist ein interessantes Land – auch für Israels Millionäre und Treuhänder. Die Steuerbehörden in Israel fürchten – ähnlich wie ihre Kollegen in Europa -, dass dem Staat jährlich Millionen an Einnahmen entgehen. Der Direktor der israelischen Steuerbehörde, Moshe Asher, klingt hilflos: „Wir vermuten, dass es etwas 20.000 Konten in der Schweiz gibt. In der Schweiz alleine, nicht auf der ganzen Welt. Der monetäre Umfang, der dort verwaltet wird, beläuft sich unseren Einschätzungen nach auf zig Milliarden Dollar. Das ist enorm und wir bemühen uns um einen Zugriff darauf.“ Seit Beginn der Woche sind die Zahlen zumindest im Fall der britischen Grossbank HSBC für die Steuerfahnder etwas genauer. Im Zuge der weltweiten Enthüllung über geheime Konten bei der Genfer Filiale der Bank ist herausgekommen, dass etwa zehn Milliarden US-Dollar von israelischen Kunden auf geheimen Konten liegen sollen.

Der israelische Journalist Uri Blau war an der Recherche beteiligt. Eines seiner prominenten Beispiele: Für die Zeit von 1998 bis 2007 wird dem Erben und Investor Beny Steinmetz zusammen mit einem Bruder ein Konto mit mehr als 100 Millionen US-Dollar zugeschrieben. Die Tageszeitung „Haaretz“ schreibt, Steinmetz verhandle ohnehin mit den israelischen Behörden über Steuererklärungen. Ein Sprecher der Familie aber erklärte, Steinmetz halte sich an Recht und Gesetz.

Diese Antwort hat der Journalist Blau auch in vielen weiteren Fällen erhalten: Wir haben keine Möglichkeit zu erfahren, welche der Konten der Steuerbehörde gemeldet wurden. Aber bei der Recherche sei er auf witzige Sache gestossen: „Alle möglichen High-Society-Ladies, die wir aus den Wirtschaftsseiten der israelischen Zeitungen kennen, tauchen dort plötzlich als Hausfrauen auf. Oder die Söhne dieser Familien sind als Studenten eingetragen“, so Blau. In Wirklichkeit lese sich die Liste wie ein „Who’s Who“ der israelischen Wirtschaft.

Im Fall des Erben Doron Ofer sei sogar alles versucht worden, um die direkte Verbindung zu einem Konto bei der HSBC zu vermeiden, schreibt Blau. „Nicht kontaktieren“ stehe in den Unterlagen und der Kunde sei nur noch mit dem Kürzel „DO“ benannt worden. Bei Ofer geht es offenbar um 65 Millionen US-Dollar und einen Erbstreit.

Dabei betreffe jeder zehnte Fall in Israel Geschäftsleute aus der Branche des Diamantenhandels, berichtet der Fernsehkanal 2. Der Vizepräsident der Diamantenbörse in Tel Aviv, Yaako Katan, versucht zu erklären: „Es gab einen Vorteil in der Vergangenheit. Kunden, die kein privates Konto in Israel haben, konnten über ein Auslandskonto zahlen. Und für uns war es leicht, die Konten zu bekommen. Sonst hätten wir diese Kunden verloren. Sie wären nach Dubai oder Hongkong gegangen.“ Als Erklärung wird das den Steuerbehörden kaum ausreichen.

(JNS und Agenturen)



Kategorien:Wirtschaft

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