Antisemitische Welle in Europa


Friedens-Lichterkette-der-Religionen_142402186892224

Bild: (c) APA/Andreas Gebert

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle hat sich in Frankreich, Grossbritannien und auch in Österreich binnen Jahresfrist verdoppelt. Die Zahl der Todesopfer steigt. Appelle von Politikern verhallen. Netanjahu ruft Europas Juden zur Heimkehr nach Israel auf.

Der jüdische Freiwillige, der sich als Wachmann vor der Kopenhagener Synagoge zur Verfügung gestellt hat, um den Zugang zu einer Bar-Mizwa zu kontrollieren, ist das jüngste Opfer einer antisemitischen Welle in Europa, die seit dem Gaza-Krieg im Sommer grassiert. Dabei ist es erst drei Wochen her, dass Staats- und Regierungschefs wie ein Mantra vor einem anschwellenden Antisemitismus in Europa gewarnt haben.

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz fielen Barack Obama, Angela Merkel, Joachim Gauck, François Hollande und Wladimir Putin Ende Jänner in seltener Einmütigkeit in den Chor jener ein, die wie Hollywood-Regisseur Steven Spielberg den „Dämon der Intoleranz“ an die Wand malten. Ob im Internet oder mittels physischer Gewalt, Juden würden in Europa wieder am Pranger stehen, sagte Spielberg in Krakau. Und es war wieder viel von „Schande“ und „Nie wieder“ und der „immerwährenden Verantwortung“ die Rede in ihren Appellen.

Netanjahu ruft Europas Juden zur Heimkehr nach Israel auf

Nach den Anschlägen in Kopenhagen hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Juden in Europa zur Auswanderung nach Israel aufgefordert. Während der wöchentlichen Kabinettssitzung sagte er:

“Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren. Diese Angriffswelle wird weitergehen, wie auch die mörderischen antisemitischen Attacken. Natürlich verdienen Juden Schutz in jedem Land. Aber wir sagen den Juden, unseren Brüdern und Schwestern: Israel ist eure Heimat. Wir bereiten uns auf eine Masseneinwanderung aus Europa vor.”

„Holocaust begann nicht mit Auschwitz“

„Der Holocaust hat nicht mit Auschwitz begonnen, sondern mit genau den Dingen, über die jetzt berichtet wird, mit Angriffen auf Rabbis und Hakenkreuz-Schmierereien“, rief Yuli-Yoel Edelstein, Israels Parlamentspräsident, in Erinnerung. Premier Benjamin Netanjahu fordert darum Europas Juden zur Emigration nach Israel auf, sehr zum Ärger der Spitzenpolitiker etwa in Frankreich, wo vor Jahren schon eine kleine Auswanderungswelle begonnen hat. Vier französische Juden haben es mit ihrem Leben gebüsst, dass sie sich am 9. Jänner, am Vorabend des Sabbats, mit Lebensmitteln im koscheren Supermarkt Hyper Cacher eindecken wollten.

Österreich, Frankreich und Grossbritannien registrierten zuletzt eine Verdoppelung der antisemitischen Vorfälle. Bis zum Attentat in Paris markierte ein Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel mit vier Toten im Mai den schwersten Zwischenfall. Der Täter, ein französischer Muslim mit Verbindungen zur islamistischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wurde schliesslich von der Polizei getötet. Doch das Beispiel soll andere animieren, es ihm gleichzutun. Es ist das deklarierte Ziel der Jihadisten, Europa mittels Heimkehrern mit Terror zu überziehen – dabei rücken v. a. jüdische Institutionen wie Schulen und Synagogen, die ohnehin unter besonderem Polizeischutz stehen, ins Visier.

Im Sommer gaben antisemitische Ausschreitungen im Zuge der Proteste gegen den Gaza-Krieg, unter anderem bei einem Match von Maccabi Haifa in Bischofshofen, einen Vorgeschmack. Antisemitische Parolen und Pöbeleien gehörten bei Demonstrationen in Westeuropa zum schlechten Ton. „Gerade in Europa nimmt der Hass gegen Juden zu“, konstatierte selbst der sonst überaus diplomatische UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Und Bernard-Henri Lévy, französischer Starphilosoph, blieb es vorbehalten, die Wurzel des Übels zu benennen: Oft sei das „Gift des radikalen Islam“ die Quelle von Hass.

Politische Polemik

Genährt wird der Antisemitismus nicht zuletzt von politischer Polemik. Türkische Politiker von Präsident Erdoğan abwärts nennen Israels Premier, Netanjahu, gern im selben Atemzug mit Adolf Hitler; und Aussenminister Davutoğlu blieb neulich der Münchner Sicherheitskonferenz nur deshalb fern, weil auch sein durchaus umstrittener israelischer Amtskollege, Avigdor Lieberman, der Patron der Siedlerbewegung, daran teilnahm. (THOMAS VIEREGGE, „Die Presse“ / Euronews / JNS)



Kategorien:News

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: