„Was, Sodom sind wir geworden und Gomorra sind wir gleich?“


Habtom_-500x357Die tagtäglichen Messerattacken in Israel haben ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung im Land. Überall ist Angst zu spüren. Man befürchtet, entweder von hinten mit einem Messer überfallen oder an der Bushaltestelle überfahren zu werden. In Jerusalem wird jeder junge Araber oder Araberin als potentieller Angreifer verdächtigt. Daher stimmt es, wenn man sagt, die Nerven liegen bei Israels Bürgern blank. Als der junge Mann aus Eritrea in Beerscheva (Bild) versehentlich für einen Terroristen gehalten und gelyncht wurde, war die Bevölkerung Israels am nächsten Tag über sich selbst erschrocken. „Das ist strikt verboten“, hat der Rabbiner Razon Arussi in einem öffentlichen Brief geschrieben. „Das ist nicht der Weg der Thora. Auch wenn sich unser Feind schlimmer als Tiere verhält und selbst schon tot ist, so müssen wir seinen Leichnam ehren, denn auch er wurde im Bilde Gottes geschaffen.“

In den israelischen Medien ist nach dem Lynch in Beerscheva eine impulsive Diskussion im Volk ausgebrochen. „Nur wegen seiner Hautfarbe“, hiess die Überschrift der Zeitung Jediot Achronot am folgenden Tag des Terroranschlages in Beerscheva. Israelische Politiker aller Parteien haben das Verhalten israelischer Bürger heftig kritisiert, das auf Videoaufnahmen zeigt, wie sie ihre Wut am verletzten Migranten austobten. Andere Bürger versuchten dagegen, den bis dahin noch für einen Terroristen Gehaltenen zu schützen. „Das ist einfach schlimm was passiert ist“, sagte Oppositionsführer Itzchak Herzog. „Wir müssen vorsichtig sein, dass die Angst, Wut und Frustration die diese Terroranschläge im Volk verbreiten, uns und unsere Seele nicht kaputt machen.“ Ofer Schelach aus der Jesch Atid Partei sagte, dass er sich für das Verhalten tief schämt. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gab bekannt, dass dies nicht wiederholt werden darf und er die Polizei beauftragt hat, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.

In einem anderen Fall in Tel Aviv hat Richter Schamai Becker der israelischen Polizei aufgetragen, denjenigen zu suchen, der in einer Videoaufnahme zu sehen ist, wie er einer am bodenliegenden Palästinenserin in den Kopf tritt, obwohl diese von einem anderen Israeli fest im Griff gehalten wird, bis die Polizei kommt. „Was, Sodom sind wir geworden und Gomorra sind wir gleich“, sagte der Richter. „Auch wenn sie wirklich eine Terroristin wäre, so sehe ich das als Unding, dass Israelis jemand aus Wut in den Kopf treten, wenn dieser keine Gefahr mehr bedeutet. Ich bestehe darauf, dass die Polizei diesen Israel-Held findet und mir vor Gericht bringt.“ Es handelte sich um eine junge Palästinenserin, die psychisch krank ist, jemanden angriff und daher als Terroristin verdächtigt wurde.

Via WhatsApp wurden in den letzten zwei Wochen oft Filme verbreitet, auf denen Israelis ihre Wut nicht halten können und neutralisierte Terroristen auf dem Boden entweder verfluchten oder zusätzlich geschlagen haben. Aber andererseits sind auf denselben Videos ebenso Israelis zu sehen, die alles versuchen, um die wütende Menschenmenge vom neutralisierten Terroristen fernzuhalten. Die Panik im Volk und die folgende Wut macht sich bei solchen Umständen sichtbar und das darf gemäss der Mehrheit der israelischen Bevölkerung nicht passieren. Darüber debattieren in den letzten Tagen die israelischen Zeitungen. (Aviel Schneider, ih)



Kategorien:Gesellschaft

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