Thorazitat des Tages – Parascha


Thora„Wenn du siehst, dass du weit entfernt von Gott bist, dann nur aus dem Grund, weil du keinen freien Kopf hast und deshalb nicht richtig zu denken vermagst.“

Thora-Parascha

Sidra: „Wajera“
Lesungen: 1. Mose 19,30 – 21,21
Haftara: Jirmija 19,1 – 13, 20,7 – 13

Wajera-Psalm 11
Prüfung des Gerechten

Der Midrasch (Bereschit Rabba 54,3) deckt einen Zusammenhang zwischen dem Wochenabschnitt Wajera und Psalm 11 auf. In der Tora steht: „Und es war nach diesen Begebenheiten, und es prüfte Gott den Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er sprach: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, den Yizhak, und gehe hin in das Land Morija und bringe ihn dort zum Opfer auf einem der Berge, den ich dir ansagen werde“ (Bereschit  22,1 – 2). In Psalm 11 heisst es: „Gott prüft den Gerechten, den Gesetzlosen aber und den Freund der Gewalt hasst sein Wesen“ (Vers 5). Nach dem Midrasch spricht der Psalmist hier von der Prüfung Abrahams.

Die Geschichte der Bindung Yizhaks wirft etliche Fragen auf, von denen hier nur zwei angeführt werden sollen. Gott wusste natürlich, dass Abraham seinen Test bestehen würde – warum hat er ihm dann die Prüfung auferlegt? Eine Antwort gibt uns die folgende Mischna: „In zehn Prüfungen wurde Abraham erprobt, und er bestand sie alle; um bekannt zu machen, wie gross unseres Vaters Abraham Liebe zu Gott war“ (Awot 5,4). „Denn nun weiss ich, dass du gottesfürchtig bist,  denn du hast mir nicht verweigert deinen Sohn, deinen einzigen“ (Bereschit 22,12). Warum ist in diesem Vers von   Gottesfurcht die Rede und nicht von der Liebe zu Gott? Abravanel erklärt, dass die Ehrfurcht im Gedanken an die Erhabenheit Gottes auf dieselbe Sache hinausläuft wie die Gottesliebe (siehe auch Rabbiner J. Z. Mecklenburgs Kommentar zu diesen Vers).

Es gibt einen weiteren Berührungspunkt zwischen Wajera und Psalm 11: Hier wie dort ist von einer Bestrafung der Frevler durch Gott die Rede. In der Tora lesen wir: „Und der Ewige liess regnen auf Sodom und Amora Schwefel und Feuer vom Ewigen vom Himmel. Und zerstörte die Städte und den ganzen Umkreis und alle Einwohner der Städte und das Gewächs des Erdbodens“ (Bereschit 19, 24 – 25). Im Psalm heisst es: „Er regnet auf die Frevler Schlingen, Feuer und Schwefel, und Glutwind ist ihres Bechers Teil“ (Vers 6). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Wajera

Blutberg

„Nimm Jizchak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde“ (Bereschit 22, 2). Mit diesen, in der dieswöchigen Sidra Wajera von Gott gesprochenen Worten, beginnt das wohl bekannteste Drama aus der Tora.

Wo befindet sich dieser Berg im Land Morija? Die talmudischen Rabbinen und klassischen Kommentatoren sind sich einig. Sie weisen auf den heute in der jüdischen Welt als ‚Tempelberg‘ bekannten Hügel in der Altstadt von Jerusalem, auf dem in 681 der Felsendom und in 715 die Al-Aqsa Moschee gebaut wurden. Der Hügel auf dem sich auch ein Teil der westlichen Stützmauer des Tempels, die Kotel, befindet. Einige Erklärer (zum Beispiel Rabbiner S. R. Hirsch) verbinden den Ort mit wichtigen ‚historischen‘ Ereignissen, die in der Tora beschrieben sind. Kajin und Hewel (Abel) sollen genau an diesem Ort ihre Opfer gebracht haben und auch Noach soll nach der Flut genau dort sein Dankesopfer dargebracht haben. Rabbiner Ja’akow ben Ascher (Spanien, 1269-1343) deutet den Ort mit Hilfe der Zahlensymbolik der hebräischen Buchstaben. Die im oben zitierten Vers geschriebenen Worte el erez hamoria, in das Land Morija, haben den gleichen Zahlenwert wie biruschalajim, in Jerusalem. Laut Raschbam (Rabbi Schmuel ben Me’ir jedoch Frankreich, 1085-1174), ist mit dem Land Morija das Land der Emmoriter gemeint. Er distanziert sich von der generellen Meinung, dass mit Morija der heutige Tempelberg gemeint ist. Raschbam lässt die Akeda, die Bindung von Jizchak, auf einem unbekannten Berg stattfinden. Vielleicht wollte er damit jegliche Verbindung zwischen der ‚Beinahe-Opferung‘ Jizchaks und dem späteren, an diesem Ort gebräuchlichen Opferkult verhüten.

Auf dem Tempelberg floss das Blut der von Gott geforderten Tieropfer reichlich. Seit der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70 unserer Zeitrechnung wird auf diesem Berg zwar kein Tieropferblut, desto mehr jedoch Menschenblut vergossen. Das im eigenen Besitz haben des Tempelberges war und ist seit 2000 Jahren ein Ziel der Christen, der Muslime, der Juden, des Staates Israel und der Palästinenser. Es hat viele Menschenleben gekostet. Es scheint, als ob die eigene Identität vom Besitz genau dieses Berges abhängt, als ob Israel weniger jüdisch, der zukünftige palästinensische Staat weniger muslimisch ist, ohne auf diesem Berg das Sagen zu haben. Reichen abertausende Tote und Verletzte der jüngsten Kriege und Intifadas denn noch nicht? Es handelt sich dabei bestimmt nicht um von Gott geforderte oder von Gott gewünschten Opfern!

Awraham hatte seinen Sohn Jizchak auf den Altar gebunden. Genau in dem Moment, als er seine Hand mit dem Messer hob um seinen Sohn zu opfern, hörte er eine Stimme: „Awraham! Awraham!“ Er antwortete:“Hineni, hier bin ich“. Die Stimme: „Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts, denn nun weiss ich, dass du Gott fürchtest. Du hast deinen einzigen Sohn nicht verschont um meinetwillen.“ (Bereschit 22, 11-12). Gemäss der Tora war Awraham bereit Jizchak zu opfern. Gemäss der gleichen Tora ist aber sonnenklar, dass Gott dieses Opfer nicht will.

Möge dieses Verständnis bald, noch in unseren Tagen, die Vernunft und die Herzen der Idealisten – oder soll ich Fanatiker sagen? – besänftigen und ihnen den Weg in den Frieden weisen.

Schabbat schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim,  JLG Zürich

Paraschat Haschawua: wajera.3.j.pdf, wajera.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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