Wie Adolf Eichmann um Gnade bat


Israel hat das Gnadengesuch des 1962 hingerichteten NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann veröffentlicht.

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Apr. 04, 1961 – Picture by Wire. Opening of the Adolf Eichmann trial – in Jerusalem. Adolf Eichmann / Bild: (c) imago/ZUMA/Keystone (imago stock&people) PUBLICATIONxINxGERxONLY – ZUMAk09

Israels Präsident Reuven Rivlin hat am Mittwoch, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, das Gnadengesuch des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann veröffentlicht. Juristische Experten seien im Zuge einer Digitalisierung von Archivmaterial überraschend auf das wichtige Zeitdokument gestossen, sagte ein Sprecher des Staatspräsidenten. Es sei zwar bekannt gewesen, dass Eichmann schriftlich um seine Begnadigung gebeten habe: „Es wusste nur lange niemand, wo der Brief aufbewahrt wurde.“

Der einstige SS-Obersturmbannführer Eichmann hatte die Deportation der Juden in die Vernichtungslager organisiert. Er wurde 1960 von israelischen Agenten in Argentinien aufgespürt und nach Israel entführt. Dort wurde er zum Tode verurteilt.

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In seinem Gnadengesuch an den seinerzeitigen Staatschef Jizchak Ben-Zvi schrieb Eichmann, er sei kein „verantwortlicher Führer“ gewesen und fühle sich daher nicht schuldig. „Ich erkläre nochmals wie bereits vor Gericht geschehen: ich verabscheue die an den Juden begangenen Gräuel als grösste Verbrechen und halte es für gerecht, dass die Urheber solcher Gräuel jetzt und in Zukunft zur Verantwortung gezogen werden. Es ist dabei aber die Grenze zu ziehen zwischen den verantwortlichen Führern und den Personen, die, wie ich, lediglich Instrument der Führung sein mussten“, so Eichmann.

Er bat Ben-Zvi in dem Schreiben vom 29. Mai 1962, „anzuordnen, dass das Todesurteil nicht vollstreckt wird“. Israels damaliger Präsident Izchak Ben Zvi lehnte das Gnadengesuch ab. Zwei Tage später wurde Eichmann mit dem Strang hingerichtet. Es war das erste und letzte Mal, dass Israel die Todesstrafe vollstreckte.

Bereits in seinem Prozess hatte Eichmann erklärt, er habe nur Befehle befolgt und sei ein „winziges Schräubchen“ gewesen. Die Autorin Hannah Arendt prägte nach dem Verfahren den Begriff der „Banalität des Bösen“. Neuere Quellen, vor allem Eichmanns Memoiren, würden dieses Bild widerlegen, sagte der Historiker Tom Segev vor wenigen Jahren: „An Eichmann war nichts banal, der war sehr ideologisch und wollte die Juden ausrotten“.

(Red./APA/AFP/dpa)

 

 



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