Orthodoxes Patriarchat wegen Landverkäufen unter Druck


Laut israelischen Medien wurden in Cäsarea 70 Hektar Land einschließlich eines Amphitheaters und Hippodroms aus römischer Zeit an für unbestimmte Summen an den Investor Saint Ventures Limited mit Sitz in der Karibik verkauft . Pink Floyd gab hier am 5. Juni 2008 eines ihrer legendären Konzerte.

Das römische Amphitheater in Caesarea. (Moshe Shai/Flash90)

Im Streit um heimliche Landverkäufe des griechisch-orthodoxen Patriarchats in Jerusalem sind neue Details veröffentlicht geworden. Das Patriarchat soll neben rund 50 Hektar Land in Jerusalem auch antike Stätten im nordisraelischen Cäsarea an einen ausländischen Investor verkauft haben, berichten israelische Medien (Montag) unter Berufung auf den Sender „Channel 2“. Die griechisch-orthodoxe Kirche ist nach der israelischen Landbehörde der grösste Grundbesitzer in Jerusalem.

Demnach gingen knapp 70 Hektar Land einschliesslich eines Amphitheaters und Hippodroms aus römischer Zeit an einen Investor mit Sitz in der Karibik. Der antike Hafen Cäsareas, Caesarea Maritima, wurde vor rund 2000 Jahren unter König Herodes erbaut. Es war nicht nur ein wirtschaftliches Zentrum sondern auch eine der wichtigsten Wirtschaftsmetropole des antiken Judäa. Nach frühen christlichen Quellen wurde die Stadt von diesen sich angeeignet und als ein bedeutender Bischofssitz jener Zeit genannt.

Pink Floyd Konzert am 5. Juni 2008

Israelische Behörden, wie Israel Nature and Parks Authority und der Jewish National Fund zeigten sich laut dem Bericht schockiert über den Verkauf des grösstenteils als Nationalpark designierten Landes. Das Justizministerium berief demnach eine Dringlichkeitssitzung ein, um mögliche Interventionen gegen den Kauf zu diskutieren.

Palästinensische Christen forderten vergangene Woche bei Demonstrationen in Bethlehem und Jerusalem die Absetzung des griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. Er und seine Mitarbeiter müssten zur Rechenschaft gezogen und das Kircheneigentum geschützt werden, hiess es in einer gemeinsamen Erklärung des orthodoxen Zentralkomitees in Palästina und der orthodoxen Jugendbewegung.

Gleichzeitig forderten die einheimischen Christen erneut ein Ende der griechischen Dominanz in ihrer Kirche. Die Ausländer im Patriarchat repräsentierten nicht die palästinensischen Christen, sondern kontrollierten „unsere Religion und Identität“. Auch die palästinensische Regierung und Jordanien protestierten gegen den Landverkauf.

Israelischen Medien zufolge begründeten Kirchenvertreter den Verkauf damit, dass man mit dem Erlös Kircheneigentum zurückkaufen wolle, das der frühere Patriarch Irinaios illegal veräussert hatte. Darunter seien Grundstücke nahe dem Jaffa-Tor zur Jerusalemer Altstadt. Der Vorgänger des amtierenden Patriarchen war 2005 nach nur vierjähriger Amtszeit über einen Skandal um undurchsichtige Landverkäufe an israelische Investoren gestürzt. Seither wird er im Jerusalemer Patriarchat in Klosterhaft gehalten.

(JNS und Agenturen)



Kategorien:Nahost

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