Thorazitat des Tages – Parascha


Unsere Weisen lehrten uns: Das Wort eines Menschen gleicht einer Biene. Zum einen gibt sie Honig; und zum anderen besitzt sie einen Stachel, mit dem sie einer Person unangenehmen Schmerz zufügen kann.

Thora-Parascha

Sidra: „TOLDOT“
Lesungen: 1. Mose 25,19  -28,9
Haftara: Melachim I (Könige I) 1:32 – 53

Toldot-Psalm 36
Weg der Frevler

Über die Zwillinge Esaw und Jakob lesen wir im Wochenabschnitt Toldot: „Und die Knaben wuchsen, und es ward Esaw ein jagdkundiger Mann, ein Mann des Feldes, aber Jakob ein sich ganz hingebender Mann, der in Zelten wohnt“ (Bereschit 25,27). Jakob gilt als ein frommer Mann, und unsere Weisen haben Esaw oft als einen Frevler (hebr.: Rascha) bezeichnet (siehe z. B. Raschi zu Bereschit 30,22; 32,7). Da Psalm 36 die Welt des Rascha beschreibt, liegt der Grund für die Zuordnung dieses Psalms zu Toldot auf der Hand.

In einer Erklärung zum Vers: „Und Esaw kam vom Felde und war matt“ (Bereschit 25,29) zählt Rabbi Jochanan (in Baba Batra 16 b) ein langes Sündenregister auf; Raschi begnügt sich mit der Feststellung: „Er war abgemattet vom Morden.“ Sogar an die Tötung seines Bruders Jakob hatte Esaw gedacht (Bereschit 27,41).

Nach Meinung des Psalmisten hängen die Taten des Frevlers mit einem Fehlen von Gottesfurcht zusammen. M. Mendelssohn übersetzt Vers 2: „Das Laster predigt selbst dem Frevler, (so denk ich mir im Herzen:) Furcht Gottes sei vor deinem Auge nie!“ Schon unser Stammvater Abraham bemerkte einmal: „Gar keine Furcht Gottes ist an diesem Orte, und man wird mich wegen meiner Frau töten“ (Bereschit 20,11. Siehe  dazu  meine Ausführungen in:  „Tora-Gedanken“, S. 12 f).

Psalm 36 kennzeichnet das Verhalten eines Frevlers wie folgt: „Die Worte seines Mundes sind Unheil und Trug, er unterlässt, verständig zu sein, Gutes zu tun. Unheil sinnt er auf seinem Lager, stellt sich auf einen Weg, der nicht gut, verwirft das Böse nicht“ (Verse 4 und 5). Der Psalmist ist überzeugt, dass der  sichtbare Erfolg der Frevler nicht von Dauer sein wird: „ Dort fallen die Übeltäter, werden gestürzt und können nicht wieder aufstehen“ (Vers 13). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Toldot

Auserwählt sein
Eine der schwierigsten Themen im interreligiösen Dialog ist das Konzept des auserwählten Volkes.  Wir bestätigen diese Position jedes Mal wenn wir die Beracha vor dem Lesen der Tora aussprechen: ‚ascher bachar banu mikol ha’amim – der uns aus allen Völkern erwählt hat‘. Das Auserwähltsein sorgt seit Jahrhunderten für eine gewisse Überheblichkeit unsererseits und Unverständnis ‚ihrerseits‘, obschon die jüdische Apologetik betont, dass die ‚Israeliten‘ keine besseren Menschen, im Gegenteil, sie ein „hartnäckiges Volk“ sind und sie sich gemäss den aufgetragenen Aufträgen, Gebote und Rechtsatzungen (mizwot, chukim we’mischpatim) zu verhalten haben. Man kann zurecht sagen, dass die besondere Position eher eine Last als eine Lust ist.

Das Auserwähltsein ist, seit Gott mit Awraham den Bund geschlossen hat, quasi ein Automatismus: „Ich schliesse meinen Bund zwischen mir und dir und werde dich über alle Massen mehren.“ (Bereschit 17, 2).  Alle Nachkommen Awrahams sind, nimmt man den Text wortwörtlich, bis zum heutigen Tag automatisch auserwählt trotz der Tatsache, dass Gott vorhersagt auch mit Jizchak einen Bund zu schliessen. Die vermeintliche Vererbung des Auserwähltseins prallt jedoch auf die Weltanschauung, nachdem der Mensch mit einem freien Willen ausgerüstet ist.

In der dieswöchigen Sidra Toldot lesen wir die Erneuerung des Awraham-Bundes mit Jizchak: „Und der Ewige erschien ihm in jener Nacht und sprach: Ich bin der Gott deines Vaters Awraham. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Ich will dich segnen und deine Nachkommen mehren um meines Dieners Awraham willen.“ (Bereschit 26, 23). Gott bietet Jizchak, wie schon seinem Vater, Schutz und Vermehrung an. Was auffällt, ist was die Toraschreiber über Jizchaks Reaktion berichten: „Er baute dort einen Altar und rief den Namen des Ewigen an.“ (Bereschit 26, 25). Jizchak akzeptiert also das Angebot Gottes.

Nach Jizchak wird auch Ja’akow den Bund akzeptieren und die Kinder Israel als Ganzes sogar zweimal: Am Sinai, als sie durch Mosche die 10 Worte Gottes bekommen und in Moab, als der Einzug in das Land Kena’an bevorsteht. Das Auserwähltsein ist aber nur eine Seite der Medaille.

Nach biblischer Zeit wählt jede jüdische Person selbständig, in den Bund zu treten – zum Beispiel bei der Bar- oder Bat Mizwa – oder nicht. Wir haben jeden Tag die Freiheit, unseren Willen auszuführen, d.h. in den Bund einzusteigen, im Bund zu bleiben oder auszusteigen. Wir sind nicht auserwählt, um uns gemütlich und passiv in dieser Position zu sonnen. Wir wählen die Beziehung mit dem Ewigen – oder so Sie wollen, den Bund – eigenständig. Was uns im Leben erhaben oder verkannt macht sind ausschliesslich unsere eigenen Taten und Wahlentscheide.

Schabbat schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: toldot.2.j.pdf; toldot.haftara.5778.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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