Thorazitat – Parascha


Rabbi Nachman sagte: Die Herkunft aller auf einen Menschen fallenden Krankheiten ist die mangelnde Freude.“

Thora-Parascha

ZAW Schabbat Hagadol
Sidra: 3. Mose 6:1 – 8:36
Propheten-Lesung: Malachi 3:4 – 3:24

Zaw-Psalm 107
Bekenntnis einer Dankesschuld

Raschis Kommentar zu Wajikra  7, 12 macht deutlich, warum gerade Psalm 107 unserem Wochenabschnitt zugeordnet worden ist. Die Tora spricht von einem Dank-Opfer (hebr.: Toda). Raschi erklärt, die Rede sei von einem Opfer, das jemand zum Dank bringe für Wunder, die ihm widerfahren sind; er nennt vier Beispiele: Seefahrer, Reisende durch eine Wüste, Gefängnisinsassen und Kranke. Sie seien verpflichtet, Gott zu danken, wie es im Psalm heißt: „Danken mögen sie dem Ewigen seine Huld und seine Wunder für die Menschenkinder. Sie opfern Dankesopfer und erzählen seine Taten mit Jubel“ (Psalm 107, 21 und 22).

Die Quelle von Raschi ist uns bekannt; er hat eine Passage aus dem Talmud (Berachot 54 b) zusammengefasst; dort sagt Raw Jehuda im Namen von Raw unter Hinweis auf Psalm 107, dass vier Leute zu Dank verpflichtet sind. Es ist schon vor Jahrhunderten bemerkt worden, dass im Talmud die Erretteten in einer anderen Reihenfolge stehen als im Psalm (siehe Tossafot zur Stelle). Raschi hat die Reihenfolge des Talmuds variiert (siehe auch das Merkwort im Kodex Schulchan Aruch, Orach Chaim, 219,1).

Der Psalmist beschreibt in vier parallel angelegten Abschnitten (Verse 4 – 9;  10 – 16;  17 – 22;  23 – 33) die Stadien, die die vier genannten Gruppen durchlaufen. Zuerst wird ihre lebensgefährliche Notlage dargestellt. Danach wird berichtet, dass die Leute zu Gott beteten, Er möge sie aus ihren Drangsalen erretten. Nach ihrer wunderbaren Errettung: „Dann preisen sie des Ewigen Güte; den Menschenkindern seine Wunder“ (Verse 8, 15, 21 und 31).

Seit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem können wir keine Dankopfer mehr bringen. Die in Psalm 107 erwähnten Menschen, die eine Dankesschuld zu bekennen haben, sagen heute den Segensspruch „Birkat haGomel“ (siehe: „Dankgebet in der Volksversammlung“ in meinem Buch „Gelebtes Judentum“, S. 56 ff.).(Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Zaw – Schabbat Hagadol

Elijahu hanawi, Elijahu hatischbi

Elijahu der Prophet hat eine lange Laufbahn, von der biblischen bis in die heutige Zeit. Er arbeitete / prophezeite im Nordreich Israel (10.- 8. Jh. vor der üblichen Zeitrechnung). Berühmt ist sein Konflikt mit dem israelitischen König Achaw, dessen zidonitische Frau Isewel die im Lande Israel arbeitenden, dem Baal und der Aschera ergebenen Propheten beschützte. Diese Propheten überzeugten grosse Teile des Volkes, neben dem EWIGEN auch Baal und Aschera zu dienen. Der Eklat kam auf dem Berg Carmel, wo Elijahu die Propheten zu einem Duell forderte mit der ‘Spielregel’, dass der Gott, der mit Feuer antworte, der wahre Gott sei. Nachdem die Baal- und Aschera-Propheten mit keiner Antwort ein Feuer ihrer Götter hervorrufen konnten, trat Elijahu nach vorne und betete. Da entbrannte ein Feuer aus dem Himmel. Die Anwesenden fielen auf ihr Angesicht und riefen: „Der EWIGE ist Gott, der EWIGE ist Gott!“ (1. Könige 18, 21- 39). Nach dieser Offenbarung des EWIGEN tötete das Volk unter der Leitung von Elijahu 850 Baal und Aschera Propheten. Er war ein fanatischer Verteidiger Gottes: „Ich habe wahrlich geeifert für den EWIGEN, den Gott der Heerscharen! Denn die Israeliten haben Deinen Bund verlassen, Deine Altäre haben sie niedergerissen und Deine Propheten haben sie mit dem Schwert umgebracht“ (1. Könige 19, 10).

Im Tanach lesen wir, wie Elijahu in einem durch Feuer-Pferde gezogenen Feuer-Wagen gen Himmel fährt (2. Könige 2, 11). In der nachfolgenden Tradition heisst es, Elijahu sei nicht gestorben. Die jüdische Folklore zeigt ihn als einen herumziehenden alten Mann, der den Armen und Bedürftigen hilft und kranke Menschen
heilt. Elijahu ist im ersten Monat der Schutzengel der Neugeborenen. Weil Elijahu das Volk beschuldigt hatte, den Bund mit dem EWIGEN verlassen zu haben, muss er bei jeder Brit Mila – der Bestätigung des Bundes – anwesend sein. Dies wird bei der Zeremonie mit dem ‚Stuhl von Elijahu‘ zum Ausdruck gebracht.

Elijahu hat eine weitere beeindruckende Aufgabe. Im Talmud steht geschrieben, dass Elijahu in der messianischen Zeit über die ungelösten halachischen Diskussionen entscheiden werde. Dies nun bringt uns zu der aussergewöhnlichen Haftara aus dem Prophetenbuch Malachi für Schabbat Hagadol, den
Schabbat vor Pessach. Der Prophet Malachi kündigt das Kommen des Elijahu vor dem furchtbaren Tag des EWIGEN an. Er wird die Generationen wieder zueinander und Frieden für das Volk Israel bringen (Malachi 3, 23-24). Des Weiteren bringt Elijahu uns zu Pessach. Am Sederabend wird ein leerer Stuhl für ihn an
den Tisch gestellt. Auch hier ist es seine Aufgabe, über eine ungelöste rabbinische Sache zu entscheiden.
Die talmudischen Rabbinen konnten sich nicht einig werden darüber, ob am Seder vier oder fünf Becher Wein getrunken werden sollten. Gegen das Ende des Seders wird nun ein Becher Wein für Elijahu eingeschenkt. Elijahu wird zu seiner Zeit entscheiden, ob dieser fünfte Becher zum Seder gehört oder nicht. Mit dem Einschenken des Bechers für Elijahu öffnen wir auch die Türe als Zeichen dafür, dass wir uns Elijahu, d.h. die messianische Zeit sehnlichst herbeiwünschen. Elijahus Rollen sind noch nicht ausgespielt. Schabbat wird als eine symbolische messianische Zeit gesehen, weshalb wir uns zusammen mit (einem Lied über) Elijahu von Schabbat verabschieden, wobei er gleichwohl auch den Übergang zu den Werktagen darstellt, denn Elijahu ist der Ernährer Israels.

Im Moment beten wir, dass auch wenn die messianische Zeit noch nicht kommt, es uns genügt, vom COVID-19 Virus erlöst zu werden, Dajenu.

Schabbat Schalom, und Chag sameach,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim; JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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