Netanyahu holt sich einen Kettenhund aus den USA


Benjamin Netanyahu hat mit Aaron Klein einen amerikanischen Verschwörungstheoretiker und Demokraten-Hasser als Berater engagiert. Viele Israeli befürchten, dass dies für ihr Land negative Folgen haben wird.

Im Hintergrund war er schon länger präsent, doch nun ist es offiziell: Aaron Klein wird neuer Strategieberater des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu. Der 41-jährige Autor, Journalist und Radiomoderator ist eine bekannte Figur am rechten Rand der amerikanischen Medienlandschaft. Er arbeitete für tendenziöse Nachrichtenportale wie Breitbart und ist ein Meister der Verschwörungstheorie.

Sein bevorzugtes Opfer war Barack Obama. Er warf dem ersten schwarzen Präsidenten der USA vor, «mit Kommunisten, Sozialisten und anderen antiamerikanischen Extremisten» verbandelt zu sein, und forderte ein Impeachment. Er behauptete, Obama sei in Kenya geboren und deshalb ein illegitimer Präsident. Er warf ihm sogar vor, heimlich Muslim zu sein, mit al-Kaida zu sympathisieren und in Amerika ein islamisches Kalifat errichten zu wollen.

Ähnlich abstruse Vorwürfe erhob er gegen andere Demokraten. Der in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Philadelphia aufgewachsene Klein behauptete zudem, dass die angeblich antiisraelische Haltung der Demokraten zu einem Exodus von Juden aus der Partei geführt habe. Er ignoriert dabei geflissentlich, dass über 70 Prozent der amerikanischen Juden heute demokratisch wählen.

Klein war auch länger als Korrespondent in Jerusalem tätig, wo er das antisemitische Image der amerikanischen Alt-Right-Strömung aufbessern sollte. Dass er nun Berater von Netanyahu wird, befremdet viele Israeli und hat hohe Wellen geschlagen. Man befürchtet, dass mit ihm der politische Diskurs erst recht niveaulos wird. Vor allem aber wird die Frage gestellt, wieso der Regierungschef gerade jetzt einen Kettenhund engagiert, der auch mit Joe Biden auf Kriegsfuss steht.

Netanyahu ist ein bekennender Fan von Donald Trump, doch dieser könnte im November abgewählt werden. Dann käme Israel nicht darum herum, sich mit einem demokratischen Nachfolger zu arrangieren. Netanyahu gilt als ruchloser, aber geschickter Stratege. Dass er einen potenziellen Präsidenten der USA unnötig provoziert, spricht aber nicht für politische Weitsicht.

(Andrea Spalinger, NZZ)



Kategorien:Politik

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