Thorazitat – Parascha


Solidarität mit der Ukraine

Mit Bestürzung verfolgen wir die Kriegsereignisse in der Ukraine.

Aus Solidarität widmen wir den kommenden Schacharit le Schabbat, 26. März 2022, 10 Uhr, den Menschen in der Ukraine.

Unsere Gedanken und Gebete sind mit der leidtragenden Bevölkerung.

Rabbiner Ruven Bar Ephraim und David Feder, Präsident

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Unsere Weisen lehrten uns: Das Wort eines Menschen gleicht einer Biene. Zum einen gibt sie Honig; und zum anderen besitzt sie einen Stachel, mit dem sie einer Person unangenehmen Schmerz zufügen kann.

Thora-Parascha

Schabbat „WaJakhel“
Sidra:
 Schabbat Schekalim, Sefer Schemot 37:10-38:20, 2. Sefer Schemot 30:11-16
Haftara: Melachim II (Könige II) 12:1 – 17

Wajakhel-Psalm 61
Freiwillige Leistungen

Zur Errichtung des Heiligtums in der Wüste haben viele Frauen und Männer beigetragen. Die Tora zählt auf, welche Leute welche Leistungen erbrachten, und zwar auf freiwilliger Basis (siehe Schemot 35, 21-29). Die Künstler, die das heilige Werk in Angriff nahmen, sprachen zu Mosche: „Das Volk bringt mehr als zur Genüge für den Dienst des Werkes, das der Ewige geboten hat zu machen“ (Schemot 36, 5). Die Freigiebigkeit des Volkes musste am Ende begrenzt werden (Schemot 36, 6 und 7).

In Psalm 61, der dem Wochenabschnitt Wajakhel zugeordnet wurde, ist ebenfalls von freiwilligen Leistungen die Rede, die allerdings nichts mit dem Bau der Stiftshütte zu tun haben.  An zwei Stellen spricht der Psalmist von Gelübden (hebr.: Nedarim). Was sind Nedarim? Es handelt sich um Verpflichtungen, die ein Mensch freiwillig auf sich nimmt. In der Tora heisst es: „Wenn du unterlassest das Geloben, so wird an dir nicht Sünde sein. Was aber Deine Lippen geäussert, sollst Du achten und durch Tat erfüllen, wie du gelobt dem Ewigen, deinem Gott, die freiwillige Gabe, die du mit deinem Munde ausgesprochen“ (Dewarim 23,  23 u. 24).

In Vers 6 unseres Psalmes lesen wir: „Denn Du, Gott, hast meinen Gelübden Gehör zugewandt.“ A. Chacham erklärt, dass der Psalmist Gott anfleht, die Nedarim zu erhören, die er für den Fall gelobt hat, dass Gott seine Bitten erfüllen wird. Wir erfahren hier jedoch nicht, welche konkreten Verpflichtungen der Psalmist auf sich genommen hat. Aus Vers 9 können wir jedoch entnehmen, dass er versprochen hat, den Ewigen täglich zu rühmen: „So will ich lobpreisen deinen Namen  ewiglich, zu bezahlen meine Gelübde Tag für Tag.“

In der Regel sind Nedarim zu vermeiden (siehe meine Ausführungen in: Tora-Gedanken, S. 18 f). Daher drängt sich die Frage auf, warum der Psalmist ein Gelübde gemacht hat. Die Antwort lautet: Der Psalmist bittet um Errettung aus der Not (Verse 2 bis 5), und in einer solchen Situation darf man ausnahmsweise Nedarim machen (Schulchan Aruch, Jore Dea, 203,5). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Live Streaming: https://www.youtube.com/channel/UC6m5EJQu3x04EvbapqMpG3vg

LIKRAT SCHABBAT

Steuermahnung

Warum wird dieser Schabbat ‘Schabbat Schekalim‘ genannt? Es ist der erste Schabbat von vier Schabbatot (pl. von Schabbat), die vorabgehend an Pessach eine besondere Bedeutung haben. Nach Schabbat Schekalim, dem ersten in der Reihe, folgen noch drei: An Schabbat Sachor, der Schabbat vor Purim, werden wir in einem Paradox aufgefordert, niemals zu vergessen unseren Erzfeind Amalek (Symbol für alle Feinde des Volkes Israel) aus unserem Gedächtnis zu löschen. An Schabbat Para, dem dritten Schabbat nach Schabbat Schekalim, werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass an Pessach –  zur Zeit als noch ein Lamm geopfert wurde – eine rituelle Reinheit gilt (das Reinheitsritual wurde mit der Asche einer roten Kuh, para, ausgeführt.) Der vierte und letzte der aussergewöhnlichen Schabbatot, Schabbat HaChodesch, ungefähr zwei Wochen vor Pessach, an oder vor Rosch Chodesch Nissan, läutet den Anfang des Monats Nissan ein. Obschon wir erst im Monat Tischre Rosch Haschana, Neujahr, feiern, ist Nissan im Frühling der erste Monat. Nissan markiert das auf die Finanzen ausgerichtete neue Jahr und der Anfang der Zählung der Regierungsjahre der Könige. Rosch Haschana ist das auf die Landwirtschaft bezogene neue Jahr. An diesen vier Schabbatot wird der wegen der Bedeutung des besonderen Schabbat ausgelesene Maftir (letzter Abschnitt der Tora Lesung) aus einem zweiten Sefer (Tora Rolle) gelesen und bezieht sich auch die Haftara (aus den Prophetenbüchern) namentlich auf die Bedeutung des besonderen Schabbat.

Um den Schabbat Schekalim zu verstehen, müssen wir uns den Text des auserlesenen Maftir anschauen. Wir lesen: «Und der EWIGE redete zu Mosche und sprach: Wenn du aufnimmst die Zahl der Gemusterten der Kinder Jisrael, so gebe jeder ein Sühnegeld seiner Seele dem, wenn man sie mustert, dass sie keine Seuche treffe, indem man sie mustert [….] einen halben Schekel nach dem Schekel des Heiligtums […] einen halben Schekel als Hebe dem EWIGEN (Schemot 30, 11-13). Durch die Abgabe war die Anzahl der wehrpflichtigen Männer bekannt. Die Steuern dienten der Organisation des Tempeldienstes und der Erhaltung und Ausbesserung des Tempelgebäudes. Die Abgabe war einmal pro Jahr fällig und musste spätestens am ersten Nissan abgetragen sein. Wie wir heute vom Steueramt ein Couvert bekommen, das uns mahnt, die Steuerrechnung bis am 1. April eingereicht zu haben, wurden die Israeliten an Schabbat Schekalim gemahnt, die Steuern vor dem Anfang des ersten Monats des Jahres, Nissan, beglichen zu haben. Wie wir in der Haftara am Schabbat Schekalim lesen können, wurde das für den Unterhalt des Tempelgebäudes zweckgebundene Budget nicht immer adäquat eingesetzt. König Jeho’asch entdeckt, dass die Priester die Mittel für die Ausbesserung des Tempels eingestrichen hatten.  

Warum betrug die Abgabe einen halben Schekel? Wir können uns pur soziale oder mehr spirituelle Gründe einfallen lassen. Vielleicht war gemeint, dass die Abgabe für alle, ob reich oder arm, erschwinglich sein müsse. Vielleicht weist der halbe Schekel darauf hin, dass wir nie perfekt sind und uns deshalb bemühen müssen, uns zu vervollständigen. Vielleicht hält der halbe Schekel uns vor, dass wir den Menschen niemals als Ganzes erfassen können, dass wir den Andern nie bis auf den Grund verstehen können. Eine andere Auslegung wäre vielleicht, dass wir, um einen ganzen Schekel zu formen, den Andern benötigen. Dies bringt uns zu einer der meist abgedroschenen, gleichwohl einer der meist wichtigen Einsichten, die wir eben, weil sie abgedroschen ist, nur allzu oft vergessen, nämlich, dass wir voneinander abhängig sind. Sicher, wenn es dazu kommt, eine Gemeinde, eine Kehilla zu formen, zu entwickeln und für die Zukunft sicher zu stellen. Die dieswöchige Sidra heisst ja ‘wajakhel’ (Gott fordert Mosche auf: «Wajakhel! Bringe sie zusammen!»), in dem bekannterweise das Wort  ‘Kehila’, Gemeinschaft, Gemeinde steckt.
 

Schabbat schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

PARASCHAT HASCHAWUA

wajakhel.schekalim.pdf

schabbat.schekalim.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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