AM ISRAEL CHAI


israel%2065Von: Rabbi David Kraus

Muss ein Jude sein eigenes Land – das Land Israel – lieben?! Können wir als Juden sagen: „OK, ich bin zwar ein Jude, aber dieses kleine Land interessiert mich ganz und gar nicht.“ Ist das erlaubt?!

In der israelischen Nationalhymne wird über den jüdischen Traum gesprochen, ein freies Volk zu sein „in unserem Land, im Lande Zion und in Jerusalem“(hebr.: Lijot amChofschi BeArzeinu Erez, Zion, weJeruschalaim)! Man kann daraus ersehen, dass diese drei Worte eine sehr starke Bedeutung für das jüdische Volk darstellen.

Das hebr. Wort „Erez“ beschreibt in der Hatikva unser Land, also Erez Isarel.

Doch was genau heisst „Zion“? Unsere heilige Stadt, Jerusalem (Jeruschalaim), sie hat viele Namen, zwei davon allerdings von zentraler Bedeutung – Zion und Jeruschalaim (Jerusalem). Der erste Oberrabbiner in der Geschichte des Staates Israels, Rabbiner Awraham Jizchak Kook erklärt, dass der Stadtname „Zion“ den materiellen, nationalen Aspekt ausdrückt, das Streben nach staatlicher Souveränität – wie wir heute sagen, den Zionismus.

Demgegenüber drückt der Stadtname „Jeruschalaim“ den spirituell-göttlichen Aspekt der Stadt aus, die uns aufgeprägte Idee von Heiligkeit, das dazupassende Symbol in Form der Klagemauer (Westwall oder Kotel), die Stadt der Thora, Energie und Motivation …

Daher noch mal zurück zur Frage, muss ein Jude das Land Israel als „seine“ Heimat ansehen, hat er so zu denken und zu fühlen? Die Antwort ist: è JA! Selbst für jene Juden, die nicht die hebräische Sprache beherrschen oder die in einem anderen Land leben! Leider ist es heute vielen im Ausland lebenden Juden völlig egal, was mit oder in Israel geschieht, viele denken: „Israel?!? Ich?!? Nein, das kommt nicht in Frage … Was brauch ich das? Nur Kopfschmerzen, Kriege, Terror, immer Unruhe dort – was brauch ich das?!“ 

Jemand der so denkt, der kennt seine eigene jüdische Tradition und Geschichte nicht, mit anderen Worten, solch ein Jude hat noch niemals in seinem Leben Israel in seinem Herzen kennengelernt – Gott behüte!
 
Die Thora erzählt uns über Moshe Rabejnu, also Moses. Er ist wie ein „Sohn des Pharaos“ in Ägypten herangewachsen und musste, nachdem er sich seiner jüdischen Identität klar wurde und dann auch noch frei ausleben wollte, indem er eben u.a. sich für die Freiheit der in der Knechtschaft befindlichen Juden eingesetzt hatte, aus Ägypten fliehen. Moses flüchtete in die Stadt „Midjan“ – als ihn dort dann einige Anwohner antrafen und natürlich fragten woher er denn komme, was er sei, also welche Nationalität er hätte, … sagte Moses: „Ich bin ein Ägypter!“ Diese Aussage erzürnte Gott zutiefst, Er wollte als Antwort Hebräer bzw. Sohn Israels hören, oder wie wir heute sagen,Israeli.

Eigentlich sehr verwunderlich, dass Gott dies von Moses erwartet hatte, schliesslich war ja Moses in Wahrheit tatsächlich auch ein Ägypter, ein Mann der dort geboren wurde, dort aufwuchs und eben dort den grössten Teil seines Lebens verbrachte. ABER das entscheidende hier ist seine jüdische Identität! Wegen der Tatsache dass er Jude war, musste er dann fliehen, denn das Land Ägypten, von ihm als seine Heimat angesehen, hatte ihn verbannt, weil er Jude sein wollte. Und wohin soll er nun bitte fliehen, um seinen Traum als freier Jude leben zu können – natürlich in das Land Israel! Daraus lernen wir, dass ein Jude automatisch auch ein Israeli ist, was heisst ein Jude muss auf sein Land stolz sein! Deshalb hätte Moses auf die Frage nach seiner Nationalität auch Israeli sagen müssen. Da Moses sich allerdings als Ägypter ausgegeben hatte, hat Gott ihn u.a. deshalb damit bestraft, nicht in das Heilige Land Israel einreisen zu dürfen! Moses, der Anführer des jüdischen Volkes, der das Volk Israel in das Land Israel 40 Jahre durch die Wüste führte, durfte am Ende, weil er nicht stolz auf sein Land war, nicht in das Land einreisen!

Parallel dazu berichtet die Thora über Jossef HaZaddik, der in Israel von seinen Brüdern an feindselige Muslime verkauft wurde. Diese machten sich dann mit ihm auf den Weg nach Ägypten. Als ihn dann die feindseligen Muslime fragten woher er denn komme, also was er sei, welche Nationalität er habe, sagte er ohne Furcht: „Ich bin ein Hebräer! Ein Sohn Israels! Ich bin ein Israeli“! Er schämte sich seiner nicht und stand im Gegensatz zu Moses zu dem was er ist. Jossef HaZaddik starb in Ägypten und seine Leiche wurde in den Nil geworfen, doch Gott hat seine Israelloyalität nicht vergessen. So trug er dem Anführer für den Auszug aus Ägypten – Moses – auf, solange Ägypten nicht zu verlassen, bis man den Leichnam von Jossef HaZaddik findet, damit er seine letzte Ruhe und ehrenvolle Bestattung in Israel findet.
 
Als Jude hat dich das kleine Land Israel im Nahen Osten zu interessieren – Punkt! Es ist die Pflicht eines jeden Juden, das ergeht ganz klar aus der sehr harten Strafe, die Moses bitterlich erfahren hat.

Jerusalem hat viele Namen, die zwei von zentraler Bedeutung haben wir auch schon erwähnt: „Zion“ und „Jeruschalaim“. In der Thora heisst es: Denn von Zion wird die Thora ausgehen und das Wort Gottes von Jeruschalaim [Jerusalem].“ (Jesaja, Kapitel 2, Satz 3). Das ist sehr verwunderlich, da ja „Zion“ den materiellen, nationalen Aspekt ausdrückt, die staatliche Souveränität – wie wir heute sagen, den Zionismus -, wie kann es also sein, das die Thora als Zeichen der Spiritualität von „Zion“ ausgehen wird!? Eigentlich hätte es so heissen müssen: „Von Jeruschalaim wird die Thora ausgehen“, schliesslich steht ja „Jeruschalaim“für den spirituell-göttlichen Aspekt der Stadt, also die uns aufgeprägte Idee von Heiligkeit, das dazu passende Symbol in Form der Klagemauer, die Stadt der Thora, Energie und Motivation!

Vielmehr lernen wir daraus das Geheimnis des Ablaufs unserer Erlösung, der Geula. Ausgerechnet die „zionistische“ Variante, die natürliche, nationale und materielle Auffassung, sieht nach aussen hin so anders aus. Und manchmal scheint sie dem spirituell-göttlichen Aspekt „Jeruschalaims“, also dem heiligen Ablauf, zu widersprechen, ja ihn sogar zu stören und zu behindern. Doch gerade davon erwächst – und offenbart sich – die Erlösung Israels, da die zionistische Variante ein erstes Fundament schafft, durch das dann später die göttliche Idee erscheint, die Erlösung in ihrer Vollkommenheit, in Heiligkeit und in Weltlichkeit, im Materiellen und im Spirituellen.

Sogar die Feinde Israels kennen dieses Geheimnis – zumindest in ihrem Unterbewusstsein. Als wir noch in der Verbannung waren, von Leiden geplagt und ohne unseren nationalen und praktischen Rahmen, ohne unseren Staat, kamen unsere Feinde und wollten uns auch unseren „spirituellen, heiligen göttlichen Aspekt Jerusalems“ rauben, so wie es heisst: „An den Strömen Babylons, dort sassen wir und weinten, da wir Zions gedachten“ (Psalme Davids, Psalm137). Wir konzentrierten uns also nur auf die praktische, nationale und politische Seite der Stadt die ja damals in Trümmern lag und genau jetzt baten uns unsere Feinde: „Singet uns ein Lied von Zion“. Sie haben uns, auf für uns fremden Boden, Salz in die Wunden gestreut, um uns damit die Hoffnung zu rauben, das Jerusalem jemals wieder in jüdischer Hand sein wird. Doch wir wussten und erinnerten uns, dass wir nicht nur „Zionisten“ sind, sondern auch „Jeruschalaimisten“. Wir handeln also auch danach, wir verstehen die Erscheinung Gottes, das Erscheinen der spirituellen Werte innerhalb des materiellen Aufbaus, und darum antworteten wir ihnen: „Wie sollen wir das Lied Gottes auf fremdem Boden singen?“. Und voller Stolz und Würde sagten wir weiter: „Sollte ich dich vergessen Jeruschalaim, so nimm mir all meine Rechte (was heisst, meine Kraft, meine Macht, also der praktische, „zionistische“ Aspekt),klebe meine Zunge an meinen Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich Jeruschalaim nicht an die Spitze meiner Freude erhebe.“

Es gibt Situationen und Perioden, in denen es scheint, als hätten wir den Jeruschalaim-Aspekt Zions vergessen, weil wir uns nur immerzu mit den materiellen Dingen beschäftigen – mit der Sicherheit, der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Lösung von Problemen, die gerade auf der Tagesordnung stehen, ohne auf unser wirkliches Wesen zu achten, das wir eigentlich in der materiellen Umgebung entwickeln sollten. Darum müssen wir wissen, dass die Thora von „Zion“ ausgeht. Gerade aus der komplizierten praktischen und nationalen Entwicklung heraus „geht die Thora heraus“, wird die höhere, spirituelle Stufe gebaut. Dafür tragen wir die Verantwortung, und wir verfügen auch über die Fähigkeit dazu.
 
Mit Gottes Hilfe wird uns die volle Verwirklichung des Verses vergönnt sein, nicht nur „von Zion wird die Thora ausgehen“, sondern auch „und das Wort Gottes von Jeruschalaim“ – in unserer vollständigen und vollkommenen Erlösung AMEN !
 
Ein wahrer Jude muss stolz auf sein eigenes Land sein! Auf das Land und den Staat Israel!

AM ISRAEL CHAI



Kategorien:Gesellschaft

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1 Antwort

  1. Leider gibt es bei den Ultraorthodoxen viele Antizionisten, die den Staat Israel als unverträglich mit der jüdischen Religion sehen. Aber es geht ja beim Staat Israel nicht um Religion, sondern einen Staat, wo eine Volksgruppe seine Identität findet und sich sicher fühlt. Warum leben eigentlich Streng Orthodoxe in Israel, wenn sie gegen diesen Staat sind und weshalb finanziert der jüdische Staat diese Schm. . tzer noch, die diesen Staat weghaben möchten? Eigentlich sollte Ihnen die Staatsbürgerschaft abgenommen werden und sie sollten ausgeschafft werden. Für dad Verbrennen von israelischen Flaggen sollten hohe Strafen angesetzt werden. Sekten wie Neturei Karta, sollte man gar nicht erst ins Land einreisen lassen. Sollen sie doch ins Schtetl nach Polen oder in die Ukraine zurück.

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