Deutsches Stiftungsgeld für antiisraelische Propaganda?


Von Kevin Zdiara

Antisemitischer Artikel auf der Seite von Miftah

Antisemitischer Artikel auf der Seite von Miftah

Ein Artikel über Juden, die das Blut von Christen trinken; antiisraelische Propaganda über einen kulturellen Völkermord an den Palästinensern; Unterstützung einer internationalen Boykott-Aktion: Die Aktivitäten der palästinensischen Organisation Miftah werfen einige Fragen auf – doch das Geld von deutschen Stiftungen fliesst weiter.

Ende März ist bekannt geworden, dass die palästinensische Organisation Miftah einen Artikel auf ihrer Internetseite veröffentlicht hatte, in dem behauptet wurde, Juden würden das Blut von Christen für das Pessach-Fest verwenden. Die Anti-Defamation League und das Simon Wiesenthal Center sprachen von „unverhohlenem Antisemitismus“. Auf die Kritik reagierte Miftah zunächst trotzig und nannte sie eine Hetzkampagne. Danach verschwand der Artikel von der Seite. Erst fünf Tage später entschuldigte man sich halbherzig für die „verursachten Beleidigungen“, auf den antisemitischen Charakter ging Miftah nicht ein.

Der Vorfall wirft auch auf deutsche Stiftungen kein gutes Licht. Denn Miftah erhielt seit 2008 mehr als 200.000 Euro von der Konrad-Adenauer-Stiftung und ungefähr 190.000 Euro von der Heinrich-Böll-Stiftung. Dort hätte man möglicherweise schon früher aufmerksam werden können. Seit langem gilt Miftah als aktiver Unterstützer der BDS-Kampagne, durch die Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isoliert werden soll.

Angesprochen auf die Kritik, antwortete René Wildangel, Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah, dass man projektbezogen fördere und die Partner der Stiftung deren Werte kennen und teilen würden. Dies sichere man durch sorgfältige Auswahl, Monitoring und Evaluierung der geförderten Organisationen und konkreter Projekte ab. Ähnlich äusserte sich Hans Heÿn, der das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah leitet, räumte aber ein, dass man mit Miftah über die Vorwürfe gesprochen habe: „In diesen Gesprächen hat sich Miftah erneut für den Vorfall entschuldigt und sich wiederholt von den Aussagen und jeglicher Unterstützung von Gewalt distanziert,“ so Heÿn. Eine weitere Zusammenarbeit schloss er nicht aus, wies aber daraufhin, dass Kooperationsverträge auf jährlicher Basis geschlossen würden.

“Kultureller Völkermord”

Das Weisse Haus, Juden und das Blut von Christen – Artikel auf der Seite von Miftah.

Das Weisse Haus, Juden und das Blut von Christen – Artikel auf der Seite von Miftah.

Gerald Steinberg, von der Organisation NGO Monitor, beobachtet die Aktivitäten von Miftah seit einigen Jahren. Für ihn war der Artikel kein Versehen: „Solche Äusserungen haben Methode. Israel wird auf der Internetseite von Miftah regelmässig der ‚Massaker‘, des ‚kulturellen Völkermords‘, der ‚Kriegsverbrechen‘ und der ‚Apartheid‘ gegenüber den Palästinensern bezichtigt.“

Für Steinberg stehen westliche Geldgeber in der Verantwortung. Gelder für Gruppen, die Israel delegitimieren und der Apartheid beschuldigen, sollten umgehend eingefroren werden. Als Vorbild nannte Steinberg das amerikanische National Endowment for Democracy, das 2012 aufgrund der Aktivitäten von Miftah die Finanzierung eingestellt habe.

Zum Autor: Kevin Zdiara

Er hat Europa-Studien und Philosophie in Chemnitz, Düsseldorf, Erfurt studiert und war als Fulbright-Stipendiat in New York. Sein Fokus in der Philosophie liegt auf dem amerikanischen Pragmatismus und der politischen Philosophie. Er lebt in Darmstadt und schreibt als freier Autor für verschiedene Print- und Onlinemedien, u.a Die Achse des Guten, „Jerusalem Post“, „Arutz Sheva“ und „Jüdische Allgemeine“. Dabei konzentriert er sich auf Themen rund um Israel, den Nahen Osten und das amerikanische Judentum.

 



Kategorien:Nahost

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