Joe Biden und seine Jubelrede


Joe-Biden

Joe Biden (keystone)

Der US-Vizepräsident irritiert mit einer Jubelarie auf die Verdienste amerikanischer Juden. Etliche Beobachter befürchten, dass Joe Biden damit Antisemiten Munition liefert.

Am Dienstagabend hat Joe Biden in Washington aus Anlass des «Jewish American Heritage Month» eine Rede gehalten. Dabei rühmte der Vizepräsident von Barack Obama die Verdienste jüdischer Denker, Unternehmer und Juristen von Louis Brandeis bis Elena Kagan über den grünen Klee. 

Der für seine langjährigen, exzellenten Beziehungen zu der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft bekannte Biden führte Statistiken an, um die deutlich überproportionale Rolle der etwa sechs Millionen amerikanischer Juden in der Nation herauszustreichen. So stellten sie (bei einem Bevölkerungsanteil von zwei Prozent) elf Prozent der Kongressabgeordneten und ein Drittel der Nobelpreisträger.

Ohne jüdische Exponenten wie Albert Einstein, Carl Sagan und die Gebrüder Gershwin hätte es bedeutende Fortschritte in Wissenschaft und Kunst nicht gegeben, so der 71-Jährige mit der für ihn typischen Emphase. Und die Fortschritte der Frauen- und Bürgerrechtsbewegungen wären nie ohne jüdische Aktivisten und Aktivistinnen wie Betty Friedan und Jack Greenberg zustande gekommen.

Biden ging zudem über historische Betrachtungen hinaus und dankte jüdischen Exponenten auch für soziale Fortschritte in jüngster Zeit. So seien jüdische Führungspersönlichkeiten in Hollywood und der Social Media-Industrie zu «85 Prozent verantwortlich» für die zunehmende breite Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Ehe unter der amerikanischen Bevölkerung.

Die Jubelrede lies zumal bei jüdischen Beobachtern die Alarmglocken schrillen. So schrieb Jonathan Chait im «New York Magazine», Bidens Rede sei so überaus philosemitisch, dass er zu den gleichen Vorurteilen wie Antisemiten gegriffen habe. Diese würden den angeblich übergrossen Einfluss der Juden jedoch für die Übel der Welt verantwortlich machen. Tatsächlich wurde Bidens Rede umgehend von Nazi-Seiten wie «stormfront» aufgegriffen und als Beleg für die sinistre Macht jüdischer Kreise hochgehalten 

Was Biden zu der Rede trieb ist etwas unklar. Womöglich war er einfach nur er selbst und hat seine Mission «übererfüllt», für gut Wetter bei einer für die Obama-Regierung wichtigen Klientel zu sorgen. Aber Biden könnte auch an seine eigene Zukunft als möglicher Nachfolger Obamas gedacht und allfällige Unterstützer umgarnt haben. Aber manchmal ist zuviel des Guten eben doch einfach zuviel.



Kategorien:Politik

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