Mitten im Leben


25053Von: Rabbi David Kraus

Vom fussballerischen Erfolg des FC Bayern München können Juden viel lernen

Historisch, unglaublich, wie im Rausch 

Die neue Saison hat zwar begonnen aber was die letzte Saison für den FC Bayern „geschichtlich bedeutet, können wir vielleicht erst in zehn Jahren erfassen“, sagte Mittelfeldmann Thomas Müller. Und recht hat er, schliesslich sind jetzt drei Pötte in München!  

Als ich Rabbiner wurde und meine Begeisterung für den Fussball und den FC Bayern immer wieder betonte, bekam ich sehr viele Einwände zu hören, nach dem Motto: „Ein Rabbi sollte wirklich nicht über Fussball reden“, und noch viele solcher Gegenstimmen.

Einmal erhob ein Mann sogar richtigen Protest, weil ich im Verlauf eines Vortrages sagte: „Ich drücke dem FC Bayern gegen den FC Barcelona die Daumen. Daumen drücken bedeutet zu beten – das der wahre FCB, also der FC Bayern die Spanier weinen lässt.“

Wie gesagt entfielen meine Worte diesen Mann so sehr, das er wutentbrannt in meine Richtung schrie: „Das gehört sich nicht! Ausserdem müssen sie, was Sport angeht, wie ein Schiedsrichter unparteiisch sein“.

Mein Schwager, der all das mit beobachtet hatte, ergriff ohne das ich etwas erwidern konnte für mich das Wort: „Wissen sie, wer Basketball liebt und Rabbiner wird, da kann es durchaus schnell passieren das die Liebe zum Basketball verschwindet. Denn die Liebe zum Basketball ist wie eine Krankheit, sie kommt und geht. Aber bei der Liebe zum Fussball ist es ganz anders. Wer sich in den Fussball verliebt, der hat Fussball im Blut und deshalb wird er nie davon wegkommen können.“

Ich fügte dann noch hinzu: „Einige Leute denken, Fussball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich versichere Ihnen, dass es viel, viel wichtiger als das ist.“

Diese Worte stammen von Bill Shankly. Die schottische Trainerlegende, die den FC Liverpool in den 60er und 70er Jahren zu einer der besten Mannschaft der Welt geformt hatte, pflegte eine ganz eigene Philosophie, wenn es um den Sport mit dem runden Leder ging. Eine kulturelle Angelegenheit sei der Fussball, nicht nur ein Sport. Die Einstellung des 1981 im Alter von 68 Jahren verstorbenen Publikumslieblings ist zweifelsohne diskussionswürdig. Grund genug für mich, hier eine Diskussionsrunde zu eröffnen mit der Frage:

„Was bedeutet Fussball für dich?“ Ist er für dich die schönste Nebensache der Welt? Die schönste Sportart? Deine Leidenschaft? Vielleicht sogar dein Job? Oder ist der Fussball für dich nur ein Spiel?

Mitten im Leben = Minjan und Mizwot
 
Wie ich bereits sagte, können Juden viel vom fussballerischen Erfolg, also dem Triple des FC Bayern München lernen. Nun gibt es vielleicht einige Leser die meiner These widersprechen und meinen, dass gerade ein Rabbiner wirklich nicht mit allen Narrischkeiten dieser Welt gemein machen sollte. Richtig – aber ich gebe zu bedenken, dass Judentum eine Religion ist, die mitten im Leben steht! Und ein wichtiger jüdischer Grundsatz lautet, dass wir von allem etwas lernen können, auch vom Fussball – zum Beispiel Teamgeist. 

Wie bei diesem Sport ist ebenfalls im Judentum jeder Einzelne wichtig, aber erst die Mannschaft (Minjan) kann gemeinsam richtig wirken. Wie auf dem Spielfeld müssen wir Regeln (Halacha) beachten, unsere Ziele (Mizwot) verfolgen, den Spielführer (Vorbeter) hören und uns vom Trainer (Rabbiner) anleiten lassen. Und die Fans machen uns vor, dass wir nicht verzagen brauchen, wenn es mal nicht so läuft. Wir sollten immer unserem Team treu bleiben und das Ziel nie aus den Augen verlieren. Der FC Bayern München hat es letzte Saison vorgemacht und wird es wohl auch in dieser Saison allen anderen vormachen. Und neben Bayern München wird sicher auch der BVB, also die Borussia aus Dortmund ebenso erneut eine tolle Saison hinlegen –  tut mir leid, liebe Schalker!

Quelle: Breslev



Kategorien:Gesellschaft

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