Der Oberrabbiner und sein Luxus-Leben


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Jona Metzger (M.) soll grosse Geldscheine in Büchern versteckt haben
Foto: picture alliance / dpa

Von Michael Borgstede, Tel Aviv

In Israel ist der ehemalige aschkenasische Oberrabbiner Jona Metzger festgenommen worden. Er soll bestechlich gewesen sein. In seinem Büro flatterten den Ermittlern aus Büchern die Scheine entgegen.

Vielleicht setzt sich irgendwann doch noch einmal die Einsicht durch, dass geistliche Führer – egal welcher Religion – eben auch nur Menschen sind. Und dass sie ein wenig Bequemlichkeit und finanzielle Sicherheit ebenso zu schätzen wissen wie alle anderen Menschen. Gerade wurde dem iranischen Ayatollah Ali Chamenei ein milliardenschweres Wirtschaftsimperium nachgewiesen. Der Skandal um eine etwas zu grosszügig geplante Bischofsresidenz in Deutschland wirkt dagegen wie ein schlechter Witz.

Und nun versucht auch der ehemalige israelische Oberrabbiner Jona Metzger klar zu stellen, dass Gottesfurcht nicht vor Bestechlichkeit und Machtmissbrauch schützt. Inzwischen wurde er in Tel Aviv von der Polizei festgenommen. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Ermittler zwischen den heiligen Büchern in seinem Arbeitszimmer mehrere hunderttausend Schekel, eine ebenso grosse Summe hatte er bei einer befreundeten Familie deponiert, in seinem Privatsafe lagen weitere 200.000 Schekel (etwa 42.000 Euro).

Dem Richter reichte die Beweislage jedenfalls, um die Untersuchungshaft um zehn Tage zu verlängern. Es gebe „einen glaubwürdigen Verdacht, dass der Beschuldigte die ihm zugeschriebenen Vergehen auch wirklich begangenen hat“, heisst es in der Begründung. Die Details der laufenden Ermittlungen fallen noch unter eine Nachrichtensperre, doch einer der Beamten, Assaf Valfisch, berichtete von einem sich abzeichnenden „deprimierenden Bild“.

Die Anti-Korruptionseinheit 433 der Polizei hatte gemeinsam mit der Steuerbehörde monatelang ermittelt. Bereits im Juni war der damals noch amtierende aschkenasische Oberrabbiner mehrere Stunden lang von der Polizei vernommen worden. Nachdem Metzgers Hausarrest damals nach fünf Tagen aufgehoben wurde, durfte er da Land nicht verlassen. Er trat daraufhin von seinen Ämtern zurück, beteuerte aber auch weiterhin seine Unschuld.

Damals war es nur um den Vorwurf gegangen, der Rabbiner habe sein Amt zum Spendensammeln für ihm nahestehende Wohltätigkeitsorganisation genutzt. Doch durch eine Überwachung des Rabbiners kam heraus: Metzger hat wohl auch erhebliche Summen in die eigene Tasche verschwinden lassen, seine Entscheidungen waren zumindest teilweise käuflich. Das ist in Israel besonders schwerwiegend, weil das Rabbinatsgericht in vielen Angelegenheiten über weitreichende Befugnisse verfügt, zum Beispiel bei Scheidungen.

Jetzt wird er sich wegen Bestechlichkeit, Betrugs, Geldwäsche, Veruntreuung und Behinderung der Ermittlungen vor Gericht zu verantworten haben.

Metzger will davon nichts wissen. Bei einer ersten Anhörung vor Gericht beschwerte er sich darüber, dass die Polizisten um sieben Uhr morgens an seiner Tür klingelten, ihn abführten und sein Haus durchsuchten. Er habe alle ihm gestellten Fragen bereits bei seiner ersten Vernehmung im Sommer beantwortet.

Den vollständingen Artikel kann man auf „Die Welt“ lesen.



Kategorien:Gesellschaft

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