Palästinenser aus Gaza fliehen nach Italien


So wie hier vor der Insel Lampedusa nimmt die italienische Küstenwache auch viele palästinensische Flüchtlinge in Empfang und rettet sie aus Seenot. Foto: Guardia Costiera / flickr | CC-BY-NC 2.0

So wie hier vor der Insel Lampedusa nimmt die italienische Küstenwache auch viele palästinensische Flüchtlinge in Empfang und rettet sie aus Seenot.
Foto: Guardia Costiera / flickr | CC-BY-NC 2.0

Tausende Palästinenser sind während des Gaza-Konfliktes mit Hilfe von Schmugglern nach Europa geflohen. Sie wollten den Kämpfen entkommen und hoffen auf ein besseres Leben. Die Flüchtlinge stranden vor allem in Italien.

Vor der Küste der Insel Malta und vor Ägypten waren vergangene Woche zwei Schiffe gesunken. An Bord waren unter anderen palästinensische Flüchtlinge. Die palästinensische Botschaft in Griechenland bestätigte nach Angaben der Tageszeitung „Ha‘aretz“, dass es sich vor allem bei den Passagieren in dem Boot vor Malta um Palästinenser aus dem Gazastreifen handelte. Etwa 450 Flüchtlinge seien an Bord gewesen. „Spiegel Online“ berichtet, dass Menschenschmuggler das Schiff versenkt haben, weil die Flüchtlinge sich weigerten, in ein anderes Schiff umzusteigen. Die palästinensische Menschenrechtsgruppe „Adamir“ spricht von etwa 400 Vermissten. „Niemand weiss, wo sie sind. Der ganze Gazastreifen spricht darüber. Es ist so eine schmerzhafte Geschichte, als wenn es nicht genug gewesen ist, was im vergangenen Krieg passiert ist“, sagte der Direktor der Organisation, Halil Abu Schamal, gegenüber „Ha‘aretz“. Bei dem Untergang des anderen Schiffes vor der ägyptischen Küste in der Nähe der Stadt Alexandria seien mindestens 15 Palästinenser ums Leben gekommen.

Den Gazastreifen verlassen die Flüchtlinge laut dem Bericht über Schmuggeltunnel nahe der Grenzstadt Rafah. Auf der ägyptischen Seite wartet dann ein Kleinbus auf sie, der sie zum Hafen von Port Said bringe. Die Boote, auf welche die Palästinenser dann umsteigen, seien sehr klein. Die Reise in Richtung italienische Küste dauere etwa eine Woche, erfuhr „Ha‘aretz“ von einem in den Schmuggel Involvierten, dessen Name nicht genannt wird. Vor der Küste Italiens gabele zumeist die italienische Marine oder das Rote Kreuz die Menschen auf. In Italien würden die Flüchtlinge in speziellen Einrichtungen untergebracht. Kontaktpersonen der Schmuggler vor Ort gelänge es, Papiere zu unterzeichnen, die für eine Entlassung aus den Flüchtlingsstationen nötig seien. Einige der Palästinenser reisten dann weiter in andere Länder zu Verwandten.

Die Motivation der Flüchtlinge für die beschwerliche Reise sei die Hoffnung auf ein besseres Leben. Im Gazastreifen erfahren die Menschen von der Möglichkeit zur Flucht durch Mund-zu-Mund-Propaganda, berichtete ein Einwohner. „Einige Menschen haben über das gute Leben und die normalen Bedingungen berichtet. Und natürlich ist es überall in Europa besser als hier. Ob man die ganze Reise sicher übersteht, hängt davon ab, wieviel Glück man hat“, erklärte er.

Die Fatah vermutet, dass die Hamas ein Netzwerk für den Menschenschmuggel aufrecht erhält. Eine Transaktion koste pro Person umgerechnet etwa 1.500 bis 2.700 Euro. Die Hamas hingegen behauptet nach Angaben des Nachrichtendienstes „Arutz Scheva“, selbst mehrere Mitglieder des Menschenschmuggel-Netzwerkes festgenommen zu haben.

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) warnte die Menschen vor den Schmugglern. Die Regierung könne jedoch nichts gegen die steigende Zahl der Flüchtlinge unternehmen, da sie keine Kontrolle über die Schmuggelrouten habe. Diese seien in der Hand einflussreicher Kontaktpersonen, die der Hamas -Regierung im Gazastreifen nahe ständen. (inn)



Kategorien:Nahost

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