Hisbollah übernimmt Verantwortung für Attentat


img481479Die Hisbollah hat sich zu einem Sprengstoffanschlag auf israelische Soldaten bekannt. Zwei Armeeangehörige wurden dabei am Dienstagnachmittag verwundet. Die libanesische Miliz betrachtet den Angriff als Teil des legitimen Widerstandes.

„Wir wollten den Israelis mitteilen, dass wir bereit sind und dass sie uns auf keine Weise angreifen können, während wir daneben stehen und zuschauen.“ Mit diesen Worten begründete der zweithöchste Hisbollah -Führer, Scheich Naim Kassem (Bild), gegenüber dem libanesischen Sender OTV den Anschlag vom Montag. „Die Scheba-Farmen sind besetzt, und es ist das Recht des Widerstandes, Operationen durchzuführen, um das Land zu befreien“, sagte er mit Bezug auf das umstrittene Gebiet der Scheba-Farmen, das sich in der Grenzregion zwischen Israel, dem Libanon und Syrien befindet.

Zwei israelische Soldaten erlitten durch die Explosion der Bombe leichte Verletzungen. Das Militär reagierte nach eigenen Angaben mit Artilleriefeuer auf zwei Stützpunkte der Hisbollah nahe der Grenze. Dem widersprach allerdings der Fernsehsender der Miliz, „Al-Manar“: Es gebe dort keine derartigen Posten, beteuerte er laut der libanesischen Tageszeitung „The Daily Star“. Angaben der libanesischen Armee zufolge kam bei dem israelischen Beschuss niemand zu Schaden. Erst zwei Tage vor dem Zwischenfall hatte Israel in dem Gebiet einen libanesischen Soldaten verwundet, der nach israelischer Darstellung in verdächtiger Weise auf die Grenze zukam (Israelnetz berichtete).

„Hisbollah hat auch Einfluss in besetzten Gebieten“

Die Hisbollah veröffentlichte infolge des Sprengstoffanschlages eine Erklärung: „Dienstag um 14.22 Uhr hat die Brigade des zum Märtyrer gewordenen Ali Hassan Haidar vom Islamischen Widerstand einen Sprengsatz unter einer israelischen Patrouille in den Scheba-Höhen gezündet. Das hat zu mehreren Verlusten in den Rängen der besetzenden Soldaten geführt“, zitiert „The Daily Star“ aus der Mitteilung der radikal-islamischen Organisation.

Haidar war ein Sprengstoffexperte der Hisbollah , der im vergangenen Monat ums Leben kam, als er vier Sprengsätze entschärfen wollte. Diese habe das israelische Militär beim Telekommunikationsnetzwerk der Miliz im südlibanesischen Adlun gelegt, schreibt das libanesische Blatt. Haidar war 25 Jahre alt. Hisbollah -Führer Kassem sagte, ein Motiv des aktuellen Anschlags sei mit dem Namen der Brigade verbunden. Doch der Widerstand beschränke sich nicht auf Retour-Angriffe. „Es ist unser Recht, Operationen gegen Israel auszuführen, wann und wo wir es als passend ansehen“, stellte er klar.

Auf die Frage, warum die Hisbollah so schnell die Verantwortung für das Attentat übernommen habe, entgegnete Kassem: Dies solle die Bereitschaft ausdrücken, jeglichen Verstoss durch die israelische Armee zu erwidern. Der Widerstand sei in der Lage, Bomben in Gebieten zu legen, die von israelischen Truppen kontrolliert würden. „Das heisst, dass der Widerstand von libanesischen Gebieten zu besetzten Gebieten übergegangen ist“ – trotz der israelischen Überwachung.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu äusserte sich in der Kabinettssitzung am Dienstag zu dem Vorfall: „Wir haben bewiesen, dass wir energisch auf jeden Versuch antworten, uns zu schaden, sei es im Norden, im Süden oder irgendeinem anderen Bereich“, sagte er gemäss einer Mitteilung seines Büros. Armeesprecher Peter Lerner machte per Twitter deutlich: „Die libanesische Regierung und die Hisbollah sind direkt verantwortlich für diese eklatante Verletzung der israelischen Souveränität.“

UNIFIL: „Verstoss gegen Resolution des Sicherheitsrates“

Die internationale Schutztruppe UNIFIL hat „beide Parteien“ kontaktiert. Nach eigenen Angaben forderte sie Israelis und Libanesen auf, „maximale Zurückhaltung zu üben und mit der UNIFIL zusammenzuarbeiten, um die Spannungen zu verringern und eine Eskalation zu verhindern“. Sie wertete den Zwischenfall als Verletzung der UN-Resolution 1701, durch die im August 2006 der Zweite Libanonkrieg beendet worden war. „Solche Handlungen stehen im Widerspruch zu unseren Zielen und Bemühungen, die Spannungen zu verringern und eine stabile und sichere Umwelt im Südlibanon zu schaffen“, hiess es in der UNIFIL-Mitteilung. Die Schutztruppe habe eine Untersuchung eingeleitet. (inn)



Kategorien:Nahost

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