Tausende Gebete an der Kotel


img71250Tausende von Juden machten sich am Mittwoch unbeeindruckt von der frühen Stunde vor Sonnenaufgang und der Kälte auf den Weg durch die Altstadt von Jerusalem zur Kotel (Klagemauer), für die Vatikin Gebete in der Morgendämmerung am siebten und letzten Tag von Sukkot, Hoschana Rabba.

Hoschana Rabba der siebte Tag von Sukkot ist gleichzeitig der letzte Tag der hohen Feiertage. Entsprechend der jüdischen Tradition ist es ein Tag, an dem „Zettel in den Himmel“ geschickt werden, um das Urteil des Ewigen für das kommende Jahr noch positiv zu beeinflussen.

 

Warum Hoschana Rabba steht am Ende dieses ernsten Tages?

Dieser Tag war ein persönliches Geschenk von G’tt an den Patriarchen Abraham, damit er ihn seinen Nachkommen weiter überliefere: „Und G’tt sagte zu Abraham: Ich bin einzig und du bist einzig. Ich werde deinen Kindern einen Tag geben, wo sie ihre Sünden bedenken können. Wenn sie an Rosch Haschana gesühnt haben, dann ist es gut. Wenn nicht, dann muss dies an Jom Kippur nachgeholt werden. Und wenn sie es auch an diesem Tag nicht geschafft haben, dann schenk ich euch Hoschana Rabba als letzte Möglichkeit.“

Was ist nun aber die tiefere Verbindung zwischen Abraham und diesem Tag?

Abraham stand in der 21. Generation seit der Erschaffung der Welt – zehn Generationen waren es von Adam bis Noach, zehn weitere von Noach bis Abraham. Erst Abraham in der 21. Generation erkannte seinen wahren G’tt, zerstörte die Götzenbilder und verbreitete den Glauben an einen einzigen G’tt – der Monotheismus war entstanden.

Und weil Abraham Kind der 21. Generation war, gab G’tt seinen Kindern den 21. Tag des neuen Jahres als Datum von Hoschana Rabba, als letzte Möglichkeit, ein neues Kapitel im Leben, im neuen Jahr zu beginnen. Es ist gleichzeitig der 21. Tag des jüdischen Monats Tischrei, der in der Tora als siebter Monat gezählt wird.

An Hoschana Rabba verlassen die Juden sich nicht auf ihre Rechtschaffenheit und auf die Verdienste, die sie während des Jahres erworben haben. Sie beten zu G’tt:

Herr des Universums, wir treten arm und mit leeren Händen vor dich. Uns fehlen Torastudium, Mizwot, gute Taten und die Verdienste unserer Väter. Wir haben nur unseren Mund, mit dem wir zu dir beten. Antworte uns diesem Gebet zuliebe, das wir mit gebrochenem und reumütigem Herzen sprechen.

Alles, was wir an Hoschana Rabba tun, hängt mit Gebeten zusammen: die vielen hakafot (das Umkreisen der Bima), das Nehmen des Arawa, die erhabenen Gäste des Tages und der siebte und letzte der Uschpisin, David ha-Melech.

An jedem Tag des Festes gehen wir ein Mal um die Bima, nur an Hoschana Rabba gehen wir sieben Mal. Und wenn die sieben hakafot beendet sind, sprechen wir weitere pijutim (liturgische Gedichte und Bitten), alle begleitet vom Hoschana-Refrain, weil wir keinen Anspruch auf Erfüllung unserer Bitten haben.

Der Arawa, den wir an Hoschana Rabba nehmen, nachdem wir den Etrog und den Lulaw weggelegt haben, erinnert ebenfalls ans Gebet. Er symbolisiert ja die Lippen und den Mund und sühnt für Sünden mit Worten. Da er weder Geschmack noch Duft hat, steht er für jene Juden, denen es an der Tora, an den Mizwot und an guten Tagen fehlt. Israel legt die vier Arten beiseite, die gemeinsam die vier Arten von Juden symbolisieren, und erklärt: „Wir besitzen weder den Geschmack der Tora noch den Duft der Mizwot, weder Etrog noch Lulaw, noch Hadas. Alles was wir sind, gleicht diesem Arawa, denn wir besitzen nur einen Mund, mit dem wir beten können.“

Und David ha-Melech, der erhabene Gast am siebten Tag des Festes, der liebliche Sänger Israels, ist die verkörperte Macht des Gebetes! Die Psalmen, die er geschrieben hat, waren und sind für alle Generationen der ganzen Welt Quellen des Gebetes.

Am Ende der Hoschanot – an Hoschana Rabba und an den anderen Tagen – sprechen der Chasan und die Gemeinde abwechselnd den folgenden Refrain: Ani waho hoschia na. Damit erinnern wir an den G’ttesdienst im Beit Hamikdasch, wo nach dem Umkreisen des Altars mit dem Arawa eine Tekia, eine Terua und noch eine Tekia auf dem Sofar geblasen wurden und dieser Refrain gesprochen wurde.

In der Mischna besteht keine Einigkeit darüber, wie dieser Refrain im Tempel gesprochen wurde. Die einen sagen, dass man Ana Haschem hoschia na (Bitte, G’tt, bringe uns die Erlösung) zu sagen pflegte, andere meinen, man habe Ani waho hoschia na (Ich und Er teilen den Kummer Israels, darum bringe uns die Erlösung) gesagt.

 



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