Thorazitat des Tages – Parascha


Thora„Es leiht dem Ewigen, wer gegenüber den Armen mildtätig ist…“ (Sprüche Salomons, Kapitel 19, Satz 17)

Thora-Parascha

Sidra: „Wa’Jeze“
Lesungen: 1. Mose 30,1 – 43
Haftara:  Melachim I (Könige I) 3:3 – 15

Wajeze-Psalm 3
Mit Gottes Hilfe

Auf der Suche nach einem Verbindungspunkt zwischen dem Wochenabschnitt Wajeze und Psalm 3 sind uns in beiden Texten Verse aufgefallen, aus denen hervorgeht, dass Gott einem Menschen hilft, der bedrängt und bedroht wird.

In Wajeze erfahren wir von einem Traum Jakobs und später von einem Traum seines Onkels und Schwiegervaters Laban. Jakob hat der Ewige mitgeteilt: „Und siehe, ich bin mit dir und werde dich behüten, wo du auch immer gehest, und dich zurück führen in dieses Land; denn ich werde dich nicht verlassen, bis dass ich getan, was ich geredet habe zu dir“ (Bereschit 28,15). Rabbiner Hertz kommentiert: „Deshalb brauchte Jakob keine Furcht vor den Drohungen Esaws zu haben.“ Geholfen hat Gott Jakob, als er vor Laban floh: „Da kam Gott zu Laban dem Aramiten, im Traum der Nacht und sprach zu ihm: Hüte dich, dass du nicht redest mit Jakob, weder Gutes noch Böses“ (Bereschit 31,24). Laban erzählte Jakob von Gottes Anweisung, an die er sich gehalten hat (Bereschit 31, 29).

Psalm drei schildert die Lage eines Menschen, der verfolgt wird: „Ewiger, wie viel sind meine Feinde, viele, die gegen mich aufstehen. Viele sprechen von meiner Seele: Keine Hilfe ist für ihn bei Gott!“ (Verse 2 und 3) Der Psalmist ist zuversichtlich: „ Du aber Ewiger bist ein Schild für mich; setzest mich zu Ehren; hebst mein Haupt empor“ (Vers 4). Vers 6 lautet: „Ich habe mich niedergelegt, bin gleich eingeschlafen, bin erwacht, weil Gott mich stützen will!“ Rabbiner Hirsch kommentiert: „In der einfachen Tatsache, dass er sich niedergelegt, geschlafen und wieder erwacht sei, findet er die Bürgschaft, dass Gott ihn noch nicht verloren gebe und jubelt damit allen in Schuld und Leid Versunkenen den nimmer zu raubenden Trost und Lebensmut ins Herz: Wen Gott zu einem neuen Tag erwachen lässt, dem sichert Gott damit Seinen Beistand zu immer noch wiederzugewinnende Lebensreinheit und Lebensheiterkeit.“

Im Achtzehngebet nennen wir den Ewigen: „König, Helfer, Retter und Schild“ (Ende des ersten Segensspruchs). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra WAJEZE

Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. (David Ben Gurion)

Die häusliche Situation der Ja’akow Familie könnte von einem Hollywood Skriptschreiber verfasst sein. Wir lesen über Ja’akows Liebe für Rachel, die Eifersucht zwischen ihr und Lea, über die Freude von 12 Geburten, den Verdruss bei ausbleibender Schwangerschaft und über Verhandlungen der Frauen darüber, wann Ja’akow mit welcher von ihnen schläft. Die Jahre vergehen und Ja’akow hat vor, mit seiner ganzen Sippschaft nach Kena’an zurückzukehren. Dazu muss er jedoch zum einen Selbständigkeit (er ist ja in Lohndienst bei Lawan) und zum andern, ein Anfangskapital erwerben. Verhandlungen mit Lawan resultieren darin, dass Ja‘akow die selteneren gesprenkelten erwachsenen Schafe, Ziegen und schwarzen Lämmer als Wertschätzung für 20 Jahre treue Arbeit bekommt. Damit fällt ihm jedoch lediglich ein Bruchteil der Herde zum Teil. Ja’akow der Schlaumeier überlistet Lawan. Er nimmt Holzstäbe, schält die Baumrinde streifenweise ab und stellt sie bei den Wassertrögen auf. Die Ziegen und Schafe wurden von den Streifen brünstig und paarten mit dem Blick auf die gestreiften Holzstäbe. Und siehe da: Die uniweissen Ziegen und Schafe gebaren nur noch gefleckte Lämmer.
Obwohl die häuslichen Spannungen im Hause Jizchakson (Ja‘akow ist der Sohn Jizchaks) und Ja’akows wunderliche genetische Manipulation in diesem Schreiben wie in einem Federstrich in einer Seifenoper untergebracht sind, lösen sie völlig unterschiedliche Reaktionen aus.
Gehen wir zum ersten Teil, das Leben im Hause Jizchakson. Zugegeben, ‚polygame‘ Familienverhältnisse  sind heute in unserem Erdteil eher selten. Mit der Eifersucht, den Ängsten, Freuden, Schmerzen und Rivalitäten können wir uns jedoch gut identifizieren. Ob die Familiengeschichte wie in der Tora dargestellt, sich tatsächlich genau so abgespielt hat, wissen wir nicht. Es ist meiner Meinung nach auch gar nicht so interessant. Die Botschaft umso mehr. Unsere Vorfahren waren keine Heiligen. Sie benehmen sich wie normale Menschen, mit Stärken und Schwächen, mit Emotionen und Strategien und  mit nachvollziehbarem und weniger nachvollziehbarem Verhalten. Wir können uns mit den Figuren identifizieren, uns über sie ärgern, Mitleid mit ihnen haben, sie nicht verstehen und sie sogar ablehnen, genau wie wir das mit Personen aus unserem Umfeld machen.
Wie anders ist es mit dem zweiten Teil, dem Betrug im Familienbetrieb. Wer glaubt schon, dass die Farbe der Lämmer durch das, was die kopulierenden Ziegen und Schafe vor sich sehen, bestimmt wird?  ‚Bubemeisses, (Grossmuttermärchen) heisst es so schön in Jiddisch. Mit unserem allgemeinen Wissen über Naturkunde können wir Ja’akows Zauberkünste nur mit einem Lächeln empfangen. Mit unserem Erfahrungswissen über zwischenmenschliche Verhältnisse jedoch, scheint uns die Jizchakson Familensaga gar nicht so absurd, im Gegenteil, wir leben, je nach Vorzug, mit den Familienmitgliedern mit.
Die Verfasser der Tora hatten mit beiden Teilen der Geschichte nur eine Absicht: Uns zu zeigen, dass es Gott alleine ist, der den Lauf der Sachen bestimmt und, dass Gottes Plan bezüglich der Zukunft Ja‘akows Nachkommen, den gezielten Ablauf erreichen wird. Seit die Tora in unseren Händen ist, sehe ich uns Menschen als Verursacher von Wundern und als verantwortlich für zwischenmenschliche Beziehungen. Wohlverstanden mit göttlichem Funken in uns als moralischer Kompass.

Schabat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: wajetze.2.j.pdf; wajetze.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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