Tora vs. NT


26927Aus Alt mach Neu, geht das!?

Heute mal etwas aus der Sammlung: Erfunden, erstunken und erlogen!

Sehr oft höre ich den Einwand, dass die in der Tora beschriebenen Gebote Gottes abgeschafft worden sind und wir uns deshalb daran nicht mehr zu halten brauchen. Ich habe auch schon gelesen, dass Juden nicht mehr den Schabbat ehren müssten, stattdessen aber den Sonntag heiligen sollten.

All das sind natürlich extreme Lügen! Aus den 13 Grundlehren von Maimonides, der ja bekanntlich als bedeutender Gelehrter des Mittelalters und als einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten aller Zeiten gilt, geht das hervor:

„Ich glaube mit voller Überzeugung, dass die Tora niemals ausgewechselt wird und dass keine andere Tora vom Schöpfer, gelobt sei Sein Name, ausgehen wird.“

  • Hier sprechen wir über die Unveränderlichkeit der Tora – die Einzigartigkeit der Tora; diese Weisung wird also nicht aufgehoben, und keine andere Tora außer ihr wird von Gott her kommen, und man darf ihr auch nichts hinzufügen und von ihr nichts weglassen, weder im Text, i.e. Schriftliche Tora, noch in der Ausführung, i.e. Mündliche Tora.

Niemand kann die Weisung Gottes mit dem Argument es sei „alt“ abschaffen und stattdessen etwas „neues“ präsentieren. Es gab und gibt somit nur eine von Gott gegebene Weisung für die Welt und das ist eben die Tora.

Selbst im sogenannten „Neuen Testament“ sagt Jesus sogar eindeutig, dass man sich nicht gegen die Weisung Gottes aus der Tora stellen darf,  so heist es in Matthäus (5, 17-19):

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. [»Gesetz« (hebr. torah; gr. nomos) = die 5 Bücher Moses, die »Propheten« sind hier eine Sammelbezeichnung für die übrigen Schriften der jüdischen Traditionsliteratur.] Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe [Hier ist die Rede vom hebr. Jod – w. Jota, der kleinste Buchstabe des hebr. Alphabetes.] noch ein einziges Strichlein [Mit dem »Strichlein« ist ein kleiner Strich auf dem Jod gemeint, also eine Art „Krone“.] vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen!“

Wie wir sehen können, ergeht sogar aus dem sogenannten „NT“ eindeutig, dass die Weisung aus der Tora für alle verbindlich ist! Ja, nicht mal ein »Strichlein« darf aus der Tora verändert werden. Umso verwunderlicher ist dann aber die Entwicklung, die das sogenannte „Neue Testament“ gemacht hat. Es wurden ja in den Aussagen der Tora nicht nur ein »Strichlein« verändert, sondern alles so verbogen, wie es den Verfassern gerade in den Kram passte. Das ist dem Schreiber von Römer dann wohl auch aufgefallen und deshalb heisst es dort (Römer, 3, 31):

„Heben wir nun das Gesetz [gemeint sind hier die 5 Bücher Moses und die übrigen Schriften der jüdischen Traditionsliteratur.] auf – durch den Glauben [den „Neuen Glauben“]? Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz.“

Was für ein fataler Widerspruch in einem Buch, dass darauf anspielt von Gott geschrieben zu sein. Denn jeder weiss, dass ein Gesetz nur dann bestätigt werden kann, wenn man sich exakt daran hält. Ich könnte hier noch etliche solcher fatalen Widersprüche aufführen, was ich mir und euch aber erspare…

Nun aber etwas Wahrheit. Die Tora beinhaltet auch eine sehr wichtige göttliche Weisung, die leider noch nicht bekannt genug ist: Die Weisung für die Nachkommen Noahs, also an die gesamte Menschheit. Diese ist nicht zu verwechseln mit der Weisung für das Volk Israel,auch geht es keinesfalls um den Versuch, Nichtjuden zu Juden zu machen. Sie ist vielmehr allgemeine Weisung für die gesamte Menschheit. Es kann also nichts abgeschafft werden und somit gelten für alle Menschen die sieben verbindlichen noachidischen Gebote des Herrn. Juden haben eine besondere Aufgabe, für sie sind deshalb 613 Gebote verbindlich (die Sieben Grundgebote sind da natürlich mit inbegriffen).

Die sieben Grundgebote für die Nachkommen Noahs, also für das gesamte Menschengeschlecht, hier im Überblick genannt:

  1. Das Verbot des Götzendienstes
  2. Das Verbot der Unzucht
  3. Das Verbot der Tötung von Menschenleben
  4. Das Verbot eines Gliedes vom lebenden Tier
  5. Das Verbot der Gotteslästerung
  6. Das Verbot des Diebstahls
  7. Das Gebot der Rechtspflege

Diesen Grundregeln wurden noch weitere Gebote hinzugefügt, die zum Teil unbedingt verbindlich sind, zum Teil von den Noachiten zusätzlich übernommen wurden.

Einzelheiten der noachitischen Gesetze

Rabbiner Joel Schwarz erklärt in seinem Buch: „Weisung für die Menschheit“ alle erforderlichen Einzelheiten ausführlich. Nun wollen wir kleine Ausschnitte aufführen.

Als Israel am Berg Sinai stand, sagte es: „Wir wollen tun und hören“ (2. Mose 24, 7), d.h. wir nehmen es auf uns, die Gebote zu erfüllen, und erst in zweiter Hinsicht suchen wir ihren Sinn zu erkennen und zu verstehen. Nach Auffassung der Weisen schätzte Gott diese Haltung sehr und sagte. „Wer offenbarte meinen Kindern dieses Geheimnis, von dem sonst nur noch meine Dienstengel wissen?“ Aus alledem entnehmen wir: Die tatsächliche Verwirklichung der Gebote ist von zentraler Bedeutung.

Die Ausrichtung des Menschen wichtig – „Gott will das Herz“, sagen die Weisen, Gott will den inneren Willen, der im Herzen wohnt. Wir wissen, dass sich Inneres und  Äusseres des Menschen gegenseitig beeinflussen. Sein Tun wirkt auch auf den inneren Gehalt seiner Persönlichkeit ein. Das „Buch der Erziehung“ schreibt über die Verwirklichung der Gebote: „Der Mensch wird gemacht gemäss dem, was er macht; sein Herz und alle seine Gedanken sind immer wie die Taten, deren er sich befleissigt, seien sie gut oder böse. So kommt der Ausführung der Gebote eine hohe Bedeutung für den Menschen zu.“

  1. Das Verbot des Götzendienstes

Dieses Gebot umfasst

a) das Verbot, an Götzen oder an andere Kräfte ausser Gott zu glauben. Vor allem darf die Existenz Gottes nicht geleugnet werden.

Zu betonen ist hier, dass eines der grundlegenden Gebote für den Menschen darin besteht, sich um die Erkenntnis des Schöpfers und seiner Vorsehung zu bemühen, die eigene Weltanschauung gemäss den Grundlagen des Glaubens einzurichten und zur Erkenntnis der Einzigkeit des Schöpfers zu gelangen.

Das Verbot des Götzendienstes untersagt,

b) Götzen zu verehren und an irgendeiner Art von Kult teilzunehmen, den Gläubige für einen Götzen durchführen, auch wenn man selbst nicht an ihn glaubt. Es ist verboten, Götzen anzubeten oder ihnen zu opfern, selbst wenn man dazu gezwungen wird. Allerdings ist nicht gefordert, dieses Glaubensgebotes wegen sein Leben hinzugeben – ausser in einer Öffentlichkeit von zehn Personen, die um Gottes willen den Götzendienst verweigern.

Es ist verboten, Götzenbilder herzustellen, auch wenn man sie nicht selbst verehrt. Es ist auch verboten, ihnen Häuser oder ähnliches zu errichten. Es ist verboten, sie zu küssen, sie zu reinigen und alles andere, was Ausdruck von Verehrung sein könnte.

Es ist verboten, im Namen von Götzen zu schwören. Man soll sich nicht für irgendetwas auch nur interessieren, was mit ihrer Verehrung zusammenhängt, denn schon dadurch kann der Mensch zum Bösen beeinflusst werden. Man bringe sich keinen Götzen ins Haus. Erlaubt ist es allerdings, einen solchen zu zerstören, zu zerschlagen und die zertrümmerten Teile zu benutzen.

Man zeichne keine Götzenbilder, auch wenn dies lediglich zu ästhetischen Zwecken geschieht und nicht zur Verehrung.

Manche Weisen fügen diesen Geboten noch einige hinzu, die von den Noachiten auf sich genommen wurden:

aa) Das Verbot der Zauberei, also der Zukunftsschau etwa durch Betrachtung des Kaffeesatzes, einer Kristallkugel oder ähnlichem;

bb) Das Verbot der Wahrsagerei, also der Arten von Aberglauben, die dem Menschen gemäss dem Horoskop sagen, wann man etwas beginnen solle und wann nicht, der „Glaube“ an die Zahl „13“ oder die Furcht vor der schwarzen Katze, die über die Strasse läuft, und ähnliches mehr;

cc) Das Verbot der Hexerei, das sich auf alle Arten von schwarzer Magie bezieht;

dd) Das Verbot der „Sympathie“, also der Verbindung verschiedener Personen durch Hyponose;

ee) Das Verbot der Beschwörung, also des Spiritismus, der Beschwörung und Befragung von Toten und weiteres.

  1. Das Verbot der Unzucht

Dem Gebot zu heiraten und Kinder zur Welt zu bringen entspricht das Verbot der Unzucht, also das Verbot des Ehebruches, des Inzestes, homosexueller Beziehungen und der Sodomie.

Zum Inzest gehören geschlechtliche Beziehungen zu Eltern, Geschwistern, Kindern und auch zu entfernteren Verwandtschaftsgraden. Man sollte hier auch keine missverständliche Zärtlichkeit üben.

Mit einer unverheirateten Frau darf ein Mann gegen ihren Willen keine Beziehung haben. Es ist ihm ebenso verboten, eine Minderjährige zu verführen. Die Noachiten haben allerdings das Verbot des Umgangs mit einer nicht verheirateten Frau überhaupt auf sich genommen und ebenso die Verpflichtung zur Zurückhaltung bei Zärtlichkeiten wie Küssen und Umarmen.

Hiob wird dafür gepriesen, dass er ein unverheiratetes Mädchen nicht einmal ansah, damit, im Falle einer Heirat mit einem anderen Mann, nicht irgendeine Art von Verbindung zwischen ihnen bestehen sollte: „Ich hatte einen Bund gemacht mit meinen Augen, dass ich nicht lüstern blickte auf eine Jungfrau.“ (Hiob 31, 1).

Eine Frau gilt als verheiratet von dem Moment an, in dem die Partnerschaft zwischen ihnen beschlossen wird und eheliche Beziehungen aufgenommen werden. Es sollte darüber hinaus eine Art Zeremonie stattfinden, so wie man früher etwa einen Kaufpreis entrichtete oder ein Geschenk übergab.

Haben sich die Ehepartner zu einer Scheidung entschlossen und haben sich auf anerkannte Weise getrennt, so sind nach Ansicht der meisten Gesetzeslehrer beide, Mann und Frau, frei, sich wieder zu verheiraten.

Die ehelichen Beziehungen zwischen den Partnern sollen natürlich sein; der Mann soll sich seiner Frau nicht auf eine Weise geschlechtlich nähern, die ihr zuwider ist.

Es gibt unter den Weisen die Meinung, den Noachiten sei das Verderben von männlichem Samen, also die Onanie, verboten.

Ebenso sind den Frauen gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten.

Der Mensch soll einen züchtigen Lebenswandel führen. Er soll seinen Körper nicht unkeusch entblössen. Im Talmud finden wir, dass auch eine verheiratete Frau ihr Haupt bedeckt hielt; im Falle einer Scheidung nahm sie dann die Kopfbedeckung ab zum Zeichen, dass sie geschieden sei.

Wird jemand zur Unzucht gezwungen, so soll er sich mit allen Kräften dagegen wehren; er ist allerdings nicht dazu verpflichtet, sich eher töten zu lassen als das Verbot zu übertreten, ausser er befindet sich in einer Öffentlichkeit von zehn Juden oder Noachiten.

In das Verbot der Unzucht inbegriffen ist auch die Kopulation von Tieren verschiedener Arten, und die Kreuzung artverschiedener Bäume. Verboten ist die Kastration von Menschen und Tieren.

Von manchen Weisen wird neben dem bisher Gesagten auch die Leviratsehe für verpflichtend gehalten, also die Pflicht der Wiederverheiratung der Witwe eines kinderlos Verstorbenen innerhalb seiner Familie.

  1. Das Verbot der Tötung von Menschenleben

Es ist verboten zu töten – ob Mann oder Frau, Greis oder Embryo im Mutterleib. Auch die Tötung eines todkranken Menschen ist verboten, selbst wenn er keinerlei Lebenschance mehr hat und selbst wenn er inständig darum bittet, seinem Leben ein Ende zu setzen. Daher sind auch Organtransplantationen, die eine Beeinträchtigung der Lebenserwartung des Organspenders erwarten lassen, verboten.

Auch hat der Mensch kein Recht, an sich selbst Hand anzulegen und sich das Leben zu nehmen oder es auch nur grundlos in Gefahr zu bringen. Der Mensch hat vielmehr sein Leben zu bewahren, für seine Existenz Sorge zu tragen und sich um seine Gesundheit zu bemühen.

Die Todesstrafe für Verbrecher und Gesetzesübertreter darf ausschliesslich nach gerichtlicher Anordnung vollzogen werden.

Wenn ein Mensch verfolgt wird und er sich schützen kann, ohne das Leben seines Verfolgers anzutasten, so ist ihm das Töten verboten. Kann sich aber der Verfolgte nicht durch Flucht oder irgendwie sonst vor der Bedrohung retten, so ist es ihm erlaubt, seinem Verfolger zuvorzukommen und sein eigenes Leben dadurch zu bewahren, dass er ihn tötet – „Steh auf, den zu töten, der kommt, um dich zu töten“.

Entsprechend rettet man auch eine schwangere Frau bei lebensgefährlichen Komplikationen durch die Tötung des Fötus.

Das Töten des Feindes in einem Krieg, der zur Selbstverteidigung geführt wird, ist im Sinne der Notwehr zulässig, wie oben erklärt wurde. Ein Angriffskrieg jedoch darf nicht geführt werden, ausser es geht um die Rettung des Lebens anderer Menschen, die in Gefahr sind.

Wird jemand unter Todesandrohung gezwungen, einen anderen zu töten, ist ein Mord dennoch nicht erlaubt, auch wenn es das eigene Leben kostet; für den Fall jedoch, dass durch die Auslieferung einer Geisel das Leben vieler gerettet werden kann, mag dies statthaft sein; dies ist allerdings eine Bestimmung, die nur unter Noachiten, nicht aber unter Israel gilt.

Es ist verboten, Menschen zu schlagen; im Rahmen der Erziehung durch Eltern und Lehrer mag es Grenzfälle geben, wo dies erlaubt ist. Das Verbot des Schlagens ist allerdings strenger ausgelegt in der auf Israel bezogenen Weisung als bezüglich der Noachiten.

  1. Das Verbot eines Gliedes vom lebenden Tier

Es ist verboten, Fleisch von einem Tier zu essen, das noch am Leben ist – ob Vieh oder Geflügel; ebenso unterliegt das Blut von einem noch lebenden Tier dem Verbot.

Einige der Weisen erlauben den Genuss eines Tieres, das von selbst verendet ist, während andere dies verbieten und eine besondere Schlachtung vorschreiben; dabei sollen dem Tier die Halsschlagadern durchschnitten werden, da auf diese Weise die Verbindung zwischen Gehirn und Herz zertrennt wird und das Tier keine unnötigen Schmerzen zu erleiden hat. Diese Methode ist dem Elektroschock vorzuziehen, da der Stromschlag die Schmerzempfindungen des Tieres oftmals nicht verhindert.

Wird ein Tier geschlachtet, indem sein Hals durchgetrennt wird, so dürfen seine Innereien nicht verzehrt werden; Leber, Lunge und alle Organe, die mit der Luft- oder Speiseröhre verbunden sind, gelten dabei als „Glieder vom lebenden Tier“ und fallen unter das Verbot. Hingegen ist bei einer Schlachtung, die den Hals des Tieres unversehrt lässt, der Genuss jener Organe erlaubt, auch wenn dabei die empfohlene Weise des Schlachtens nicht eingehalten wird.

Im Falle eines toten Tieres, das schon zu Lebzeiten geschwächte Gliedmassen hatte, sind sich die Weisen über ein Verbot des Genusses nicht einig. Gleiches gilt für den Fall, dass eine Speise zusammen mit Fleisch zubereitet worden ist, von dem nicht klar ist, ob es von einem lebenden oder einem geschlachteten Tier stammt.

Dass der Genuss von Menschenfleisch ausgeschlossen ist, wird von den Völkern akzeptiert.

Im Grundsatz geht es bei all diesen Geboten um die Barmherzigkeit gegenüber den Lebewesen. Es darf Tieren kein Schmerz zugefügt werden, es sei denn zum Nutzen für den Menschen, etwa zur Arbeit oder zu medizinischen Versuchen, insofern sie für das Wohl des Menschen unerlässlich sind.

  1. Das Verbot der Gotteslästerung

Es ist verboten, Gott zu verfluchen, und ebenso, geringschätzig über Gott zu reden.

Positiv beinhaltet dies, die Weisung Gottes zu ehren und die Schriften zu achten, in denen diese Weisung niedergelegt ist.

Es ist dem Menschen verboten, eine neue Religion einzuführen, zumal wenn er sich darauf beruft, sie von Gott empfangen zu haben; dies ist als falsche Prophetie zu betrachten und steht unter strengstem Verbot.

Jedem Menschen ist aufgetragen, die ihm geltenden Gebote zu studieren, also die sieben noachitischen Weisungen, alle damit zusammenhängenden Einzelheiten und die weiteren Pflichten, die allen Menschen obliegen. Demgegenüber gibt es ein Verbot, diejenigen Teile der Tora zu studieren, die ausschliesslich Israel gelten.

  1. Das Verbot des Diebstahls

Niemand darf seinem Mitmenschen irgendetwas stehlen, sei es auch nur von geringem Wert.

Es ist ein Gebot, dem Arbeiter seinen Lohn nicht vorzuenthalten. Umgekehrt ist es nicht erlaubt, ohne Zustimmung des Arbeitgebers von dem zu geniessen, womit man sich von Berufs wegen beschäftigt – ausser das Religionsgesetz oder der Arbeitsvertrag gestatten dies.

Es ist verboten, etwas zu stehlen, auch wenn es in der Absicht geschieht, es wieder zurückzugeben.

Man darf nicht Zoll oder Steuern hinterziehen. Der Besitz oder die körperliche Unversehrtheit anderer darf nicht geschädigt werden. Der Betrug bei Geschäften ist verboten; wer eine Sache veruntreut, muss für den Schaden aufkommen und muss, wenn die Landesgesetze dies vorsehen, das Verlorene, Gestohlene oder Geraubte ersetzen.

Kriegsbeute aus einem rechtmässig geführten Krieg gehört den Eroberern, wird nicht als Raub betrachtet und muss nicht zurückgegeben werden.

Es ist dem Menschen verboten, das Geld seines Nächsten zu begehren, also darüber nachzudenken, wie er auf irgendwelchen Wegen an das herankommen könnte, was dem andern gehört.

Das oben genannte Verbot des Studiums der Tora, die ausschliesslich Israel gehört, kann auch als Bestandteil des Diebstahlsverbotes verstanden werden.

  1. Das Gebot der Rechtspflege

Es sind Richter einzusetzen, die in zivilen Angelegenheiten Recht sprechen und die Öffentlichkeit zur Verwirklichung der sieben Grundgebote anhalten. Dem Menschen obliegt die Pflicht zur Rechtspflege, sie liegt in seinem Verantwortungsbereich.

Die Richter haben nach den Grundsätzen der Anständigkeit Recht zu sprechen, die an ihrem jeweiligen Ort gelten; es wird auch die Auffassung vertreten, die Rechtssprechung müsse nach den Bestimmungen der Tora Israels erfolgen.

Es ist den Richtern verboten, Bestechungsgeld zu nehmen oder das Recht zugunsten einer Seite zu beugen.

Grundsätzlich hat sich jeder an ein Gericht zu wenden und darf das Recht nicht in seine eigenen Hände nehmen.

  1. Das Verbot der Schabbatruhe und der Schabbat der Noachiten

Nach Meinung des Maimonides besteht dieses Verbot aufgrund dessen, dass durch die Schabbatruhe eines Nichtjuden eine Art neue Religion eingeführt würde. Aus der Sicht des Maimonides ist es einem Noachiten dann erlaubt, am Schabbat zu ruhen, wenn dies im Bewusstsein geschieht, dass die Ruhe zwar Israel auferlegt ist, er selbst es jedoch nicht aus religiöser Pflicht tut.

Schon Philo von Alexandrien erwähnt, dass der Schabbat unter den Völkern starkes Interesse gefunden und das Bedürfnis geweckt habe, ihn einzuhalten.

Raschi führt das Verbot auf die Bestimmung der Menschen zurück, die Welt durch ihre Arbeit zu entwickeln, und insofern sie dies unterliessen, entzögen sie sich ihres Auftrages. Nach Raschi wäre also dem Noachiten die Schabbatruhe auch dann verboten, wenn er sie nicht aus religiösen Gründen einhielte.

Trotzalledem ist es dem Menschen erlaubt zu ruhen, wenn er der Ruhe bedarf und einen Ruhetag einzuhalten – allerdings nicht als eine religiöse Einrichtung.

Davon abgesehen ziemt es dem Menschen durchaus, eine Art Schabbat zu fühlen und zu erleben; er kann diesen Tag gestalten als Tag des Studiums oder der Ruhe im Schoße der Natur, um die Kreatur zu betrachten und an den Schöpfer der Welt zu denken; dies alles kann er tun, nachdem er irgendeine Art von „Arbeit“ verrichtet hat, wie das Frühstück zu bereiten oder Licht anzuzünden – er muss einfach klar zum Ausdruck bringen, dass er sich nicht der Arbeiten enthält, die das Religionsgesetz Israels für den Schabbat untersagt.

Erich Fromm drang tief ein in das Verständnis des Schabbat. Für ihn symbolisiert der Schabbat einen vollkommenen, harmonischen Zustand zwischen Mensch und Natur und zwischen Mensch und Mensch. Die Nicht-Arbeit bedeute den Verzicht auf jeglichen Eingriff in den natürlichen und sozialen Verlauf der Dinge; wenn auch nur für einen Tag befreie sich der Mensch von den Verkettungen mit der Natur und von den Fesseln der Zeit.

Die volle Bedeutung dieses Gedankens wird verständlich im Zusammenhang mit der biblischen Auffassung von Mensch und Natur. Vor dem Fall lebte der erste Mensch in vollendeter Harmonie mit der Natur. Der erste Ungehorsam „öffnete ihm die Augen“, so dass er zwischen gut und böse zu unterscheiden wusste, sich seiner selbst und seines Mitmenschen bewusst wurde, dem er ähnlich ist und von dem er sich doch durch die jedem Menschen aufgeprägte Eigenart unterscheidet; ihm ist er verbunden durch die Bande der Liebe und bleibt doch allein; hier nahm die menschliche Geschichte ihren Anfang – unter dem Fluch Gottes wegen des Ungehorsams seiner Menschen. Und worin bestand der Fluch? Feindschaft und Kampf wurden ausgerufen zwischen Menschen und Tieren: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir (Schlange) und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen“ (1. Mose 3, 15), Feindschaft zwischen Mensch und Erde: „Verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln  soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweisse deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist“ (1. Mose 3, 17 – 19), Feindschaft zwischen Mann und Frau: „Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, er aber soll dein Herr sein“ (Vers 16 b), Feindschaft zwischen der Frau und ihren natürlichen Aufgaben: „Unter Mühen sollst du Kinder gebären“ (Vers 16 a). Die ursprüngliche Harmonie verwandelte sich durch diesen einseitigen Vertrauensbruch in Gegnerschaft und Kampf.

Was aber ist – in den Augen der Propheten – seitdem das Ziel des Menschen? Umzukehren und in Harmonie zu leben mit dem Nächsten, mit der belebten Welt, mit der Erde und mit der unbelebten Natur. Die neue Harmonie ist anders als die im Garten Eden, der Mensch muss sie erst gewinnen durch die Entwicklung seiner eigenen Persönlichkeit, dadurch dass er recht lebt, die Wahrheit erkennt und Gerechtigkeit übt. Er wird die Harmonie erlangen, wenn er die Kräfte seiner Vernunft auf den Punkt ausrichtet, der ihn befreit von der Knechtschaft durch andere Menschen und von der Unterjochung durch unvernünftige Begierden. Die Ausblicke der Propheten zeichnen immer wieder diesen Gedanken: Die Erde wird wieder voll ihrer Früchte sein ohne Ende, Schwerter werden zu Pflugschafen, Wolf und Lamm werden miteinander in Frieden wohnen, Krieg wird nicht mehr sein, die Frauen werden ohne Schmerzen Kinder gebären, die ganze Menschheit wird sich um Wahrheit und Liebe vereinen.

Diese erneuerte Harmonie ist die Vollkommenheit, die das Ziel der menschlichen Geschichte ausmacht und in der Gestalt des Messias ihr Symbol findet.

Von dieser Grundlage her können wir erst die volle Bedeutung des Schabbat und seiner Regeln verstehen. Erst so wird verständlich, warum jemand, der den Schabbat hält, das Verbot beachtet, nichts von irgendeiner Pflanze abzureißen oder auch nur ein Taschentuch von einem Grundstück zu einem anderen zu tragen, auch wenn dies von der Schwere der Arbeit her überhaupt nicht ins Gewicht fallen mag.

Es ist den Noachiten nicht auferlegt, den Schabbat so zu halten wie die Israeliten; dennoch ist es durchaus erlaubt und angemessen, die Idee des Schabbat in erzieherischer Hinsicht aufzunehmen, wie wir oben ausgeführt haben.

Der Schabbat ist ein Vorbote der messianischen Zeit; die Zeit des Messias wird als „Tag“ bezeichnet, der ganz und gar Schabbat ist.

Der Schabbat ist eine Besonderheit des Volkes Israel. Wie wir sehen, begannen die Christen mit dem Schabbat und gingen dann zum Sonntag über; ebenso begannen die Moslems mit dem Schabbat und gingen dann zum Freitag über – einzig Israel hielt am Schabbat fest. So formulierten die Weisen bereits vor 2300 Jahren im Morgengebet am Schabbat: „und nicht gabst du ihn (den Schabbat) den Weltvölkern, du unser Gott, und nicht hast du ihn den Götzendienern anvertraut, du unser König, sondern deinem Volk Israel hast du ihn aus Liebe geschenkt.“

Nichtsdestoweniger kann sich hier jeder Mensch anschließen, ja es gibt sogar die Meinung, dass jeder Noachit, der als befreundeter Beisasse (hebr.: ger toschav – der Noachit, der die sieben Gebote hält, gilt als ger toschav; der Proselyt gilt als ger zedek und wird als Jude im Vollsinn anerkannt) betrachtet wird, insoweit auf die Schabbatruhe verpflichtet sei, dass er keine unnötige Feldarbeit verrichte (Raschi zu Bab.Tal. Jevamoth 48). Es gibt auch Lehrauffassungen, die dem Noachiten jegliche Arbeit am Schabbat untersagen, ausgenommen diejenigen, die den Israeliten an Feiertagen erlaubt sind (Bab.Tal. Kerethoth 9 a), wie etwa zu kochen oder Licht anzuzünden.

Der Schabbat spielt eine zentrale Rolle in dem Glauben, dass Gott die Welt geschaffen und am siebten Tag geruht hat; zu diesem Glauben gehört das Halten des Schabbat. Und wie ein Noachite an Gott glauben soll, so sollte er auch den Schabbat bewahren, der eine Grundlage des Glaubens bildet.

In der Auslegung durch Rabbiner Samson Raphael Hirsch gibt die Schabbatruhe Zeugnis ab vom Werk des Schöpfers:

„So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer“ (1. Mose 2, 1). Sie wurden vollendet. Sie sind nicht nur entstanden in der Zeit, – das Kleinste und das Grösste, das Einzelne wie das Ganze ist der Ausdruck, die Verwirklichung eines Gedankens Dessen, der nicht geruht, bis er seinen Gedanken ausgeführt, bis er seinen Gedanken vollendet. Die Vollendung seines Gedankens steht vor dir, und Ihn, den Denkenden, der den Gedanken dieser Welt so voll von Gegensätzen und Harmonie, so voller Zwietracht und voller Frieden, voller Hass und voller Liebe, Ihn, der den Gedanken dieser so kämpfenden und doch so einheitlichen Welt gedacht und vollbracht, Ihn weist dir der Schabbat.“ (Samson Raphael Hirsch, Gesammelte Schriften, Bd. 1, Frankfurt 1902, S. 175)

  1. Gebet

Es gebührt jedem Menschen, zu Gott zu beten, wenn er in Not ist, wenn er Hilfe braucht oder zu jeder Zeit, da sein Leben eine Wende nimmt. Er spreche in einfachen Worten, wie ein Sohn seinen Vater bittet, oder er kann zu entsprechenden Psalmen greifen, die seine Situation ausdrücken.

Das Gebet richte sich ausschließlich an Gott und nur an ihn allein, nicht an einen Engel oder an irgendein anderes Wesen ausser Gott.

Man spreche jeden Morgen und jeden Abend den Vers: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer“ (5. Mose 6, 4) – schma jisrael adonaj elohenu adonai ächad – , um den Glauben an die Einzigkeit Gottes in seinem Herzen zu stärken.

Erfährt der Mensch im Leben Erfolg und Glück, ziemt es ihm, durch Lobpsalmen seinen Dank zum Ausdruck zu bringen.

  1. Barmherzigkeit und Almosen

Jeder Mensch sollte sich mit Dingen befassen, die anderen helfen können. Auch in unserer Zeit, in der von Staats wegen für die Bedürftigen gesorgt wird, gibt es für jeden noch genug Raum, dem Nächsten zu helfen. Dies kann ein gutes Wort sein, eine Freundlichkeit oder eine Ermunterung des anderen, ein Besuch bei einem einsamen Menschen, dies kann eine Hilfeleistung beim Ausleihen von irgendwelchen Gegenständen oder auch bei finanziellen Schwierigkeiten sein; es wäre gar daran zu denken, sich gewisse Dinge anzuschaffen mit dem Zweck, sie auszuleihen und es anderen damit leicht zu machen, sie in Anspruch zu nehmen.

Das Almosengeben soll den Freunden und Verwandten und darüber hinaus allen Bedürftigen zugute kommen. Manche machen die Regel des Zehnten für sich verbindlich und stellen 10 % ihres Nettoverdienstes wohltätigen Zwecken zur Verfügung.

  1. Das Verbot des Meineides

Es ist dem Menschen verboten, unter Eid falsche Aussagen zu machen. Was jemand unter Eid verspricht, ist auch zu halten. Der Mensch soll sich darum mühen, zu jeder Zeit die Wahrheit zu sagen.

Die Weisen sagten, das Siegel Gottes sei die Wahrheit und durch die Wahrheit nähere sich der Mensch seinem Schöpfer.

So wichtig die Wahrhaftigkeit ist, muss man doch sein Reden ändern, wenn der Nächste dadurch vor Verlust, Schaden oder Schande bewahrt werden kann; dies ist ein Fall, in dem man seine Sprache verstellen darf, um den anderen zu retten – freilich ohne dass damit einem Dritten Schaden zugefügt wird.

Auch vermeintlich kleine Unaufrichtigkeiten sind zu meiden. So sollte man nicht jemanden einladen in dem Wissen, dass der andere ohnehin nicht werde kommen können oder wollen.

Fassen wir zusammen:

Alles was in der Tora steht ist verbindlich, im Jetzt und bis in alle Ewigkeit!

( )



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