Thorazitat des Tages – Parascha


Thora„Gerecht ist der Ewige in all Seinen Wegen und liebevoll in all Seinen Werken!“ (Psalm 145, Satz 17)

Thora-Parascha

Schabbat „Schemot – Namen“
Lesung: 2. Mose 1,1 – 6,1
Haftara: Schmuel I 3:1 – 21

Schemot-Psalm 99
Botschafter des Ewigen

Wer nach einem Verbindungspunkt zwischen Psalm 99 und dem Wochenabschnitt Schemot sucht, dem springt ins Auge, dass der Psalmist von den Brüdern Mosche und Aharon spricht, die beide im Wochenabschnitt Schemot erstmals erwähnt werden.

Mosche bekam von Gott folgenden Auftrag: Und nun, komme, dass ich dich sende zu Pharao, und führe mein Volk, die Kinder Israels, aus Mizrajim“ (Schemot 3,10). Später wurde Aharon Assistent seines Bruders: „Und du sollst zu ihm reden und ihm die Worte in den Mund legen, und ich werde sein mit deinem Munde und mit seinem Munde und euch unterweisen, was ihr tun sollt. Und er wird reden zu dem Volke, und so soll er dir sein zu einem Mund, und du wirst ihm sein zu einem Gott“ (Schemot 4, 15 und 16). Rabbiner Hertz erklärt: „Mosche empfängt seine Eingebungen von Gott direkt und wird der Inspirator seines Bruders, der als Dolmetsch vor Pharao und gegenüber Israel auftreten soll.“

Im Psalm 99 lesen wir: „Mosche und Aharon waren unter seinen Priestern und Schmuel unter den Anrufern seines Namens. Sie riefen zum Ewigen, und er erhörte sie“ (Vers 6). Worauf beruht das Geheimnis ihrer Erhörung? Rabbiner Hirsch erklärt: „Sie standen Gott so nahe und konnten so sehr sich in die göttlichen Waltungswege hinein denken, dass sie mit dem, was sie von Gott erflehten, nur den göttlichen Absichten entgegen kamen.“

Der Psalmist unterstreicht die Tatsache, dass Gott seinen  Boten keine diplomatische Immunität gewährt: „Ewiger unser Gott, du erhörtest sie. Ein verzeihender Gott warst du ihnen und auch Rächer ihrer Untaten“ (Vers 8). Bezüglich Mosche und Aharon  spielt der Psalmist   auf den Vorfall in Kadesch an (siehe Bamidbar 20,12). Den Propheten Schmuel bestrafte Gott, weil er seine Söhne nicht richtig erzogen hatte (siehe Raschi und Rabbiner Hirsch zu Vers 8). (von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra schemot

jud-he-waw-he
Die wohl meist gestellte Frage, die ein heranwachsendes Kind bekommt ist: „Wie heisst du?“ Das Begegnungsritual erwachsener Leute, die einander nicht kennen, besteht fast ausnahmslos aus einer Begrüssungsformel, die den eigenen Namen enthält. Wir wollen gekannt sein und uns nennen lassen. Je nach Beziehung und Situation ist das mit dem Familien-, Vor- oder Kosenamen. Begegnen wir einem Namensbruder oder einer Namensschwester freut uns das sehr. Es schafft geradezu ein Band. Man teilt etwas Intimes. Unser Name, ob wir ihn schön finden oder nicht, drückt unsere Partikularität, unsere Identität aus. Wir sind unseren Namen oder, so Sie wollen, unser Name, das sind wir.
Diese Woche fangen wir mit dem Lesen des zweiten Buches Mose an: Schemot, ‚Namen‘. In der gleichnamigen ersten Sidra werden uns die Namen der nach Ägypten gezogenen Nachkommen Jakows aufgezählt. Drei Kapitel später entspinnt sich eine Auseinandersetzung zwischen Mosche und Gott. Als Gott Mosche beauftragt, das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei zu befreien, beharrt Mosche darauf, den Namen seines Auftraggebers zu bekommen. Er will unbedingt wissen, wer der Gott ist, der ihm eine solche, seiner Meinung nach schier unausführbare Aufgabe anordnet. Zuerst wird Mosche mit einer abstrakten Beschreibung abgewimmelt: Ehje ascher ehje, ‚Ich werde sein, der ich sein werde‘ (Schemot 3, 14). Die Diskussion darüber, dass Mosche Gottes Namen wissen will fährt fort, bis Gott ihn ihm dann endlich enthüllt: „Damit sie glauben, dass dir Adonai י- ה- ו- ה erschienen ist, der Gott ihrer Vorfahren, der Gott Awrahams, der Gott Jizchaks und der Gott Ja’akows.“ (Schemot 4, 5).

In biblischen Zeiten wurde der Name Gottes, im Gegensatz zur nachbiblischen Zeit, ausgesprochen. In der talmudischen Literatur (Tosefta Sota 11, 8) lesen wir, dass der Name Gottes seit dem Tod des Hohepriesters Schimon Hazadik (3./2. Jh. vor der christlichen Zeitrechnung) nicht mehr „nach seinem Buchstaben“ ausgesprochen wurde. Eine Ausnahme formte Jom Kipur. An diesem Tag sprach der Hohepriester, wenn er sich alleine im ‚Allerheiligsten‘ befand, Gottes Namen aus. Seit der Zerstörung des zweiten Tempels (70 nach der christlichen Zeitrechnung) sprechen wir י- ה- ו- ה  (jud-he-waw-he) als Adonai, ‚mein Herr‘ aus. Ab dem Mittelalter wird Gott in Sidurim und Machsorim (Gebetbücher) sogar nur noch als יי oder ייי wiedergegeben. (In modernen Sidurim und Machsorim kehrt י- ה- ו- ה  übrigens wieder zurück.) In der Torarolle oder dem Chumasch steht immer י- ה- ו- ה  . In profanen Büchern wird im Laufe der Zeit das ה‘ oder ד‘  (Zahl 4) als Ersatz für den Gottesnamen verwendet. Während dem Gebetdienst sprechen wir über und zu Gott als Adonai oder Elohim. In bestimmten jüdischen Kreisen wird ‚Haschem‘ (der Name), oder Elokim verwendet, da sogar die Ersatznamen Adonai und Elohim als ‚Gott-zu-nahe‘ empfunden werden. Für mich ist das sagen von Adonai ausserhalb dem Gebet unproblematisch. Adonai ist ja ‚nur‘ ein Kodewort. Sind die vier Buchstaben jud-he-waw-he oder das Wort Elohim so heilig, dass wir sie exklusiv für das Gebet, die Tora- und Haftaralesung anwenden sollen? Und wie steht es mit dem im Deutschen oft geschriebenen ‚G‘tt‘? Ich finde diese Schreibart fehl am Platz ‚Gott‘ ist ja  ‚nur‘ das deutsche Wort für Gottheit, und sicher kein Name Gottes. Dasselbe gilt für ‚Elohim‘. Bücher oder Blätter, in denen Gottes Name י- ה- ו- ה  steht sollen laut jüdischer Tradition, wenn sie unbenutzbar geworden sind, auf dem Friedhof beerdigt werden. Meine Vernunft findet dieses Vorgehen übertrieben. Gott oder das Göttliche kann nicht entheiligt werden. Mein Gefühl lässt mich aber ein Buch, in dem י- ה- ו- ה  steht, nicht einfach entsorgen.
Gottes Namen ausgesprochen zu hören, finde ich anstössig. Sicher, die Welt vergeht nicht, wenn es (oft in christlichen Kreisen) geschieht. Ich erlaube es mir aber nicht, den Namen Gottes – als ob er ein Bekannter von mir ist – auszusprechen.

Schabat Schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: schemot.2.j.pdf; schemot.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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