Juden auch in Deutschland nicht sicher


Michael%20Wolffsohn%20bei%20Inititative%20Hauptstadt%20e_V_%20IIDer Münchner Historikers Michael Wolffsohn gibt zu bedenken, dass sich Juden auch in Deutschland bedroht fühlen müssen. „Seit Jahrzehnten gibt es auch in Deutschland immer wieder Angriffe auf jüdische Einrichtungen. Nur wird dies in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weil die Anomalität im deutsch-jüdischen Verhältnis Normalität ist“, sagte Wolffsohn am Freitag in einem Interview des Bonner „General-Anzeigers„.

Er habe auch Verständnis für Juden, die nach den Anschlägen von Paris aus Frankreich auswandern, so der Historiker. Wie in der Vergangenheit werde es auch in der Zukunft immer wieder „Wellen antijüdischer Gewalt“ geben, betonte der in Israel geborene Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie: „Wir sollten aber auch die Gefahrenherde klar benennen. Das sind nicht nur die radikalen islamischen Gruppen, die nachweisbar Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Frankreich, Deutschland oder anderen Ländern ausgeübt haben. Auch linksextreme und rechtsextreme Gruppen stellen eine Gefahr dar.“

Mögliche Anschläge – auch von Trittbrettfahrern – könnten nur verhindert werden, so Wolffsohn, „indem jüdische und israelische Einrichtungen noch besser geschützt werden“. Doch wie Paris gezeigt habe, seien alle Einrichtungen gefährdet, die sich für Demokratie und gesellschaftliche Vielfalt einsetzen: „Die Toleranz in der Gesellschaft soll weggebombt werden, und zwar von diesen drei Gruppen, die auch die jüdisch-israelischen Einrichtungen bedrohen.“ Der Staat müsse für die Sicherheit seiner Bürger sorgen, „darum immerhin ist es in Deutschland besser bestellt als in Frankreich – aber längst nicht perfekt“.

Ermutigend nannte es der Historiker, „dass sich die muslimischen Organisationen ohne Wenn und Aber von Gewalt distanzieren“. In einer zunehmend religiös geprägten Minderheit wie der muslimischen sei es aber „vor allem eine Aufgabe der Geistlichkeit, gegen Radikalisierung vorzugehen. Hier ist in der islamischen Welt insgesamt viel aufzuarbeiten.“ Es sei, so Wolffsohn, „ein vernünftiger Schritt der Deeskalation, wenn die islamische Welt nun aus Selbstschutz erkennt, dass Selbstkritik und Wende notwendig sind“.



Kategorien:Gesellschaft

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