Toleranz aus jüdischer Sicht


 

Die Zitate aus dem Text von Rav A.J.Kuk wurden weitgehendst wörtlich übersetzt, da deren Interpretation jeweils daran anschliesst. Rabbiner Zuckermann lehrte zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels an der Jeschiwa „Merkas HaRav“, Jerusalem.

Am Ende des Aufsatzes findet sich die Liste der Namens- und Begriffserklärungen, Einträge sind im Text mit „*“ gekennzeichnet.

VORWORT  =========

DER NEUE BROCKHAUS 3.Aufl.  Toleranz [lat.] die, -,:  Duldsamkeit, das Geltenlassen fremder Anschauungen, bes. die staatliche Duldung mehrerer Religionen, Konfessionen oder religiöser Weltanschauungen in einem Staatswesen (->Glaubensfreiheit)

Wozu Toleranz? Nach den Auswüchsen totatiltärer Regime braucht diese Frage wohl kaum noch gestellt zu werden. Demokratie und Toleranz sind nicht voneinander zu trennende Begriffe. Doch was ist Toleranz eigentlich genau? Wo liegen ihre Grenzen, und wer kann sich anmassen, darüber zu entscheiden?

Wer, und aufgrund welcher Wertvorstellungen, darf jemand festlegen, eine bestimmte extreme Ansicht oder Gruppierung noch zu tolerieren oder nicht?  Es ist klar, dass man hier nicht willkürlich und opportunistisch vorgehen darf, um nicht seine eigene Glaubwürdigkeit zu verlieren, d. h., ungerecht zu sein. Andererseits kann das Festhalten an nicht ausreichend durchdachten Prinzipien einen mindestens ebenso negativen Effekt zeitigen.

Und wie verhält es sich mit der religiösen Toleranz – kann eine Religion wahrhaftig tolerant sein? Wie erklären sich christliche Mission und islamischer Dschihad im Lichte der Toleranz?

Die Frage jedoch, in der alle anderen Fragen zusammentreffen, lautet: wie stehen Toleranz und Wahrheit zueinander? Kann das Wahre das Unwahre tolerieren, das Gute das Böse, das Richtige das Falsche, der Richter den Übeltäter, ein Gott den anderen?

Der folgende Artikel präsentiert eine jüdische Definition der Toleranz, der Toleranz des Judentums, die diesen Begriff aus seinem individuellen und auch allgemeinen Umfeld heraus löst und ihm eine universale Dimension gibt.

  1. Toleranz und Radikalität

Der Ausgangspunkt für Rabbiner Kuk in seinem Artikel „Über den Krieg der Ideologien und Glaubensrichtungen“ ist, soweit es die Toleranz angeht, das Göttliche in jedem Ding zu sehen. Mit anderen Worten, wir müssen stets versuchen, Kluften dadurch zu überbrücken, indem wir das Gute in allen Ansichten zu erkennen suchen. In jedem Ding G~tt zu sehen heisst, in jedem Ding das Gute zu sehen. Wer sich so verhält, übt wahre Toleranz und trägt so zur Einheit der [jüdischen] Nation, ja der gesamten Menschheit bei. Demgegenüber gibt es die Toleranz der Schwäche, des sich Arrangierens, genannt Duldsamkeit.

Der wahre Tolerante ist ein absoluter Radikalist, gibt keine seiner Ansichten auf, besteht entschieden auf seiner Ansicht, und niemand kann ihn auch nur einen Millimeter von seinem wahrhaftigen Standpunkt abbringen. Wehe ihm, im Namen der Toleranz nachzugeben.

Dieser Widerspruch, der in der Verbindung von Toleranz und Radikalität zu liegen scheint, verlangt natürlich nach Erläuterung. Wir messen der Toleranz hohen Wert zu. Selbstverständlich muss man Toleranz üben, besonders in einer Zeit, in der wir in unserem eigenen Land unter Erneuerung regelrechter gesellschaftlicher Strukturen leben; wir müssen jedoch nach der wahren Toleranz streben, denn nur diese kann die Einheit der Nation begründen.

  1. Konfrontation und Definition

Zu Beginn seines Aufsatzes nimmt Rabbiner Kuk Stellung zu zwei Bestrebungen, die danach trachten, der Tora näher zu bringen, verneint sie aber mit folgenden Worten: „Bestürzung hervor rufen die Gedanken, Sturzbäche fremdartiger Ideologien, die uns überschwemmen, insbesondere Ideologien heidnischer Religionen. Ihre Brecher fluten ins Lager, reissen die Herzen Vieler mit sich, verkrümmen die Wege und bringen einen Grossteil unserer Jugend ab von den Wegen des Lebens zu den Wegen des Todes“1.

Aus Bestürzung und dem festen Willen zur Wiederherstellung „erheben die Verteidiger der Ideen des Judentums wehklagend ihre Stimme, weisen die verderbenden Ideologien von sich und legen deren Fälschungen und Lügen offen durch Erläuterung der Reichweite des Judentums. Es ist jedoch  äusserst zweifelhaft, ob es ihnen auf diese Weise gelingen wird, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und die Einbrüche ungeschehen zu machen (siehe Jes.Kap.28)“1.

Die hier geschilderte Methode besteht darin, die fremden Ideologien der genauen Definition jüdischer Ideen gegenüber zu stellen, und dann mit dem Unvereinbaren abzutun. Diese Einstellung beinhaltet, dass jegliche vom Judentum abweichende Ideologie zwangsläufig falsch sein muss. Solche Taktik lehnt Rabbiner Kuk ab. Lügen blosszustellen ist nicht der rechte Weg, selbst wenn zu diesem Zweck der Standpunkt des Judentums erläutert und jene Lüge damit konfrontiert wird; es bleibt sehr zu bezweifeln, ob so das gewünschte Ergebnis erzielt werden kann.

Es gibt noch eine zweite, gleichfalls unrichtige Methode. Anders als die erste, die die fremden Ideologien mit denen des Judentums konfrontiert, versucht sie, ohne Definition von Wertvorstellungen das innere Wesen der Seele des Judentums zu bestimmen. Auch diesen Weg verneint Rabbiner Kuk, weil es dem Ergreifen eines empfindlichen Gegenstandes mit groben Händen ähnele.  „..besonders irren Jene, die das Judentum mit bekannten Definitionen bestimmen wollen, von Seiten der Seele und des geistigen Inhaltes – obwohl es durchaus möglich ist, das Judentum seitens seines offenbaren Inhaltes und der bekannten historischen Tatsachen zu definieren. Es ist allumfassend in seiner Seele, und alle geistigen Richtungen, die offenbaren und die verborgenen, ruhen in ihm in Einbeziehung auf höchster Ebene, so wie alles in der absoluten G~ttheit einbezogen ist. Jede Definition in dieser Richtung jedoch gleicht einer Amputation des innersten Kernes und Errichtung eines Götzenbildes in Darstellung des göttlichen Charakters“1.

  1. Unmöglichkeit der Definition der Seele

Das Judentum zu definieren, das Volk Israel, die Seele Israels, bedeutet praktisch, das Judentum auf das Niveau des Betrachters herabzuziehen, das heisst auf ein menschliches Niveau. Daher muss jeder Definitionsversuch der Seele Israels in Lüge enden, denn „Es ist allumfassend in seiner Seele…“ (s.o.). Sie kann nicht vollständig definiert werden, da es unmöglich ist, ihr vollkommen auf den Grund zu gehen, und daher kann auch die Definition nur eines Teiles nicht gelingen.

Die Seele Israels ist Allerheiligstes, d. h. Göttlichkeit. G~tt schuf in seiner Welt ein Volk und eine Volksseele so erhaben und rein, dass er mit ihr eins ist, keine Trennwand zwischen der Gemeinschaft Israels („Knesset Israel“) und G~tt besteht, so dass man sagen kann: „der Ewige ist einzig und sein Name einzig“ (Secharja 14,9) – in der Seele Israels. Das Volk Israel in seiner Allgemeinheit, in seiner in der Seele verankerten nationalen Zusammengehörigkeit gehört einer Welt an, der man den Ausspruch „der Ewige ist einzig und sein Name einzig“ ansieht. Was man zu Israels Definition auch hervorbringen mag läuft immer auf genau jene Ketzerei hinaus, die G~tt zu definieren daher kommt, die G~tt in bestimmte Grenzen zwängen will – und welchen Unterschied macht es, ob man ihn als materielles Götzenbild oder als Ausgeburt des Verstandes und der Spiritualität definiert!  Dient doch Israel der Offenbarung G~ttes in der Welt. Der Unendliche vereinigt sich vollständig mit der Gemeinschaft Israel. Er schuf sie so lauter und rein, so sehr würdig, sich mit ihm zu vereinen, wie ein König mit seinen Würdenträgern, die ihn im Palast umgeben und ihm zu Diensten stehen.  Ebenso kann man im Prophetenbuch Maleachi (3,6) eine Art Vergleich zwischen Israel und G~tt finden: „Denn ich, der Ewige, bin nicht umgewandelt, und ihr, Kinder Jakovs, habt nicht aufgehört“. Die Ewiglichkeit Israels im Vergleich mit der Ewiglichkeit G~ttes! Um nicht falsch verstanden zu werden: hier wird nicht Israel direkt mit G~tt verglichen, sondern nur dessen Allumfassendheit, die Unvergänglichkeit. Das Volk Israel ist un-endlich. So wie in der Unendlichkeit das Göttliche liegt,  findet es sich auch in Israel. Dies hat der Schöpfer nur dem Volk Israel zukommen lassen. Ein jeder der Kinder Israel erscheint zwar nur als Einzelner, als Individuum, als Person, aber es liegt in seiner Macht, sich auf die Stufe der Allumfassendheit zu erheben und in ihr aufzugehen. Solange wir uns nicht von diesem Kollektiv, dem Sitz der die Universalität Israels mit Leben erfüllenden Seele trennen, sind wir dieser sich im Kollektiv offenbarenden Heiligkeit verbunden. Nur dort offenbart sich diese  Verbundenheit. Liebe zur jüdischen Gemeinschaft, Verlangen nach der Lehre, Erfüllen der Gebote und Begradigung des Charakters sind die praktisch-spezifischen Mittel dieser Heiligkeit. So ist es verständlich, dass jede Definition der Gemeinschaft Israels und ihrer Seele eine Beschneidung  ihres spirituellen Wesens darstellt, eine Schmälerung ihrer Unendlichkeit, und mit „der Errichtung eines Götzenbildes in Darstellung des göttlichen Charakters“ bezeichnet wird.

  1. Definition Israels – durch seinen Einfluss in der Weltgeschichte

Rabbiner Kuk fügt hinzu, dass jene Definitionen unnötig sind. Es ist nämlich möglich, Israel von Seiten seiner offensichtlichen Inhalte und der fühlbaren Einwirkung seiner Geschichte zu bestimmen. Über dieses Volk, dessen es nicht seinesgleichen gibt, kann man reden, über seine wundersame Beständigkeit trotz aller Verfolgungen und Vernichtungsversuche, ohne Land, ohne Sprache. Man kann das Volk Israel rühmen, auf das sich alle berufen, selbst die zwei Religionen, die zur Zeit die Menschheit beherrschen:  Christentum und Islam. Hier ist von dem Volk die Rede, dessen Lehre von den übrigen Religionen kopiert wurde. Die ganze Welt dreht sich in Sehnen und Begierde um jeweils „sein“ Jerusalem. „Jerusalem, Berge sind rings darum, so der Ewige rings um sein Volk..“ (Psalm 125,2). Das Volk Israel blieb Volk trotz seiner Auflösung und Zerstreuung in alle Welt; man kann fast sagen, seine Nationalität sei international. Der Staatssender „Stimme Israels“ strahlt in ungefähr fünfzehn verschiedenen Sprachen aus, was dem Volk, dessen obersten Richtern sämtliche Sprachen und Kulturen geläufig waren, nur angemessen ist.  Sein göttliches Buch ist die Allen heilige Schrift.

  1. Das auserwählte Volk

Daher ist es nicht nötig, und auch nicht richtig, das Volk Israel an sich, von Seiten seines Wesens, zu definieren. „Ähnelt doch der Wert Israels, der Träger des Judentums, im Vergleich mit den Völkern dem Wert des Menschen innerhalb der gesamten Schöpfung“1, dem Lebendigen, der Pflanzenwelt und der ruhenden Materie.

Kann man zum Beispiel zu jemandem sagen: „Ich schätze dich sehr, du bist mir lieber als ein Hund“? Dieser Satz wird den so Angesprochenen beleidigen, obwohl man ihn im Rang über einen Hund stellt. Der Vergleich selbst, zwischen zwei in ihrem Wesen vollkommen verschiedenen Arten ist es, der verletzt; daher sind solche Vergleiche tunlichst zu unterlassen. So ein Vergleich wertet ab – als gäbe es nur einen quantitativen Unterschied. Dies ist die Lage beim Verhältnis, das zwischen Israel und der übrigen Schöpfung herrscht. Man kann wohl grundsätzlich sagen, dass man verschiedene Arten  nicht vergleichen sollte.

Jede Art unterscheidet sich von der anderen, doch gibt es selbstverständlich auch Gemeinsamkeiten. Diese lassen sich jedoch nur mit Hilfe der Vorstellungskraft vergleichen, denn durch ihre Zugehörigkeit zum organischen Gefüge alles Lebenden gehen sie auf ihre individuellen Eigenart, auf ihre Andersartigkeit zurück. Zwischen Israel und der Welt – ausser, dass sie alle Schöpfung des Ewigen sind – gibt es einen qualitativen Unterschied, und zwar die Allumfassendheit der Gemeinschaft Israels, die selbst in der übrigen und in ihrem Wesen ebenfalls kollektivistischen Menschheit, die ebenfalls zu den „Sprechenden“ und dem Ebenbild G~ttes zählt (wie noch weiter unten erklärt wird), nicht ihresgleichen findet.

Zur Verdeutlichung: Wenn man schon Mensch und Tier vergleicht, so kann dies nur in einem speziellen, von ihren übrigen Lebensumständen losgelösten Punkt geschehen, wie zum Beispiel Ausdauer oder Geruchssinn. Im Rahmen eines intellektuellen Schaubildes, unabhängig von der Realität des Lebens, kann man sicher Vergleiche anstellen – man vergleicht ja nicht die gesamte  Existenz – und in diesem Sinne ist der Mensch dem Tier nicht immer überlegen und es kommt durchaus vor, dass bestimmte Fähigkeiten in Tieren höher entwickelt sind als im Menschen. G~tt hat viele Talente in der Welt verteilt, und alles dient seiner Offenbarung, denn es ist ja aus seiner Hand.

Wenn wir daher einen Juden und einen Nichtjuden in einem bestimmten Punkt vergleichen, kann es sein, dass der Nichtjude entsprechend des ihm zuteil gewordenen göttlichen Segens im Vorteil ist. Aber ihr Wesen zu vergleichen, den Umfang der Persönlichkeit des Juden mit dem eines Vertreters irgendeiner anderen Nation ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir schwingen uns nicht über die Nichtjuden auf, und wir lassen uns auch nicht zahlenmässig vergleichen, wir sind einfach verschieden! Wir sind anders. Und in gewisser Hinsicht kann man von jeder Nation sagen, dass sie von G~tt zur  verbindlichen Erfüllung einer besonderen Aufgabe erwählt wurde, was im Wesen ihres Charakters durch das Vorhandensein spezifischer, zweckdienlicher Eigenschaften zum Ausdruck kommt, was sie von allen anderen Nationen unterscheidet im Sinne einer besonderen Charakterisierung, die für jeden einzelnen ihrer Staatsbürger gilt.

Dies ist die Basis für das Verständnis der Beziehungen zwischen den Nationen, und erst recht bezüglich ihrer Überzeugungen. Im Allgemeinen besteht kein Sinn in Konvertierung (von vereinzelten Ausnahmefällen abgesehen2); die christliche Mission und der islamische Dschihad sind daher besonders brutal, kommen sie doch die Persönlichkeit der jeweiligen Nationalitäten zu rauben und hindern jedes Individuum an der Offenbarung des ihm innewohnenden Unendlichen, so wie es ihm der Schöpfer aller Welten aufgeprägt hat3.

„Viele Geschöpfe sind in speziellen Eigenschaften dem Menschen voraus“1, das Erinnerungsvermögen des Elefanten, die Keuschheit der Katze4, der Fleiss der Ameise5„aber die umfassende Kombination der speziellen Fähigkeiten und die daraus resultierende Aufwertung der Spiritualität, die verstandesmässige Vergegenwärtigung des Gebrauches der in ihm ruhenden  aktiven und potentiellen Kräfte – dies gibt dem Menschen die Führungsrolle in der Welt. So gibt es viele Völker, deren besondere Begabungen bei ihnen stärker vertreten sind als beim Volk Israel, aber Israel, in seiner Eigenschaft als Essenz der gesamten Menschheit, nimmt in sich die besonderen Eigenschaften aller Völker auf, die sich in ihm in idealer, heiliger Form vereinigen, in erhabener Einigkeit“1.

Der Jude ist nicht nur als gesellschaftliches Wesen geboren, der von Natur aus die Gesellschaft anderer Menschen sucht, um mit ihnen zu kommunizieren – vielmehr ist er in der Eigenschaft als einem bestimmten Volk zugehörig geboren. Es ist ihm nicht möglich, diese naturgegebene  Tatsache zu ändern, die in ihm alle Exile überdauerte – ohne Land, ohne gemeinsame Geschichte und ohne einheitliche Sprache und Kultur. Falls ein Israelit sein Volk durch Taufe o.ä. verlassen sollte – so ist dies auf persönlicher Ebene ein grosses Unglück, und seine Familie wird um ihn wie um einen Toten trauern. Demgegenüber wird zum Beispiel ein Franzose, der nach Amerika übersiedelt, wie gehabt nun in der neuen Umgebung leben und nach zwei, drei Generationen ein ganz normaler Amerikaner sein, und sogar für seine neue Heimat im Kampf gegen seine alte zu den Waffen greifen.

Israel ist als Volk geschaffen worden, es hat sich nicht ein Volk zu sein zusammen gefunden; „das erschaffene Volk wird G~tt preisen“ (Psalm 102,19), „das Volk, das ich mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen“ (Jes.43,21). Deswegen bestimmt die *Halacha, dass individuelles  Fehlverhalten – obwohl es nicht im Einklang mit seiner natürlichen Veranlagung steht – den Juden nicht aus der Gemeinschaft des Volkes Israel herauslöst. „Wenn er auch gesündigt hat, so ist er dennoch ein Israelit“6.

Nicht die Taten formen den Juden, sondern der Jude drückt sein  selbständiges Wesen durch die seiner Natur entsprechenden Taten-Gebote aus. Die Tat hängt von der Seele ab, jedoch existiert die Seele unabhängig davon, auch wenn sie sich nicht offenbart. Die Macht der freien Entscheidung bezüglich seiner Taten kann den Juden nicht von seiner Herkunft, seinen israelitischen Wurzeln abtrennen. Entsprechend – hier nicht auf nationaler Ebene – kann sich jeder Mensch wie ein Tier benehmen, und niemand würde auf den Gedanken kommen, ihn nun für ein Tier zu erklären  und dass er aufgehört habe, ein Mensch zu sein! Und darum wird er auch für sein nicht zu seiner wahren Natur passendes Verhalten zur Verantwortung gezogen werden.

Jeder Jude ist mit den natürlichen Charakteristika der israelitischen Nation geschaffen, das Wesen des Volkes in ihm. Dies ist nicht der Fall bei den weltlichen Völkern; wenn diese sich in dieser Sache Israel angleichen wollen, eine ihrem Wesen widernatürliche Nachahmung, ist das Resultat nichts  anderes als Verbrechen und zeugt die furchtbare Monstrosität, die unter dem Namen Faschismus oder Totalitarismus bekannt ist. Wir sind so geschaffen, es ist uns keine widernatürliche Ideologie – „das erschaffene Volk wird G~tt preisen“. Diese kollektive Natur, die jeden Juden – im Kern seines Wesens – gegenüber seinem ganzen Volk aufwiegt, diese Natur gibt ihm die Identität des „Israel, in seiner Eigenschaft als Essenz der gesamten Menschheit, nimmt in sich die besonderen Eigenschaften aller Völker auf, die sich in ihm in idealer, heiliger Form vereinigen, in erhabener Einigkeit“1, nicht nur  quantitativ, sondern in idealer Form. Es gilt anzumerken, dass die Methode der sozialistischen Kolchose nur in ihrer Verwirklichung im israelischen Kibbuz einen gewissen Erfolg verbuchen konnte. Der Kollektivismus ist der Nationalstolz des Volkes Israel. Doch ist er den weltlichen Völkern  vollkommen unbekömmlich. Nur die auf Individuen gebaute Universalität passt zu ihnen, niemals jedoch werden sie einen umfassenden Charakter wie den des universalen Nationalismus unseres Volkes annehmen können; so wie unser Lehrer *Rabbi Jehuda HaLevi das Volk Israel das Herz zwischen den anderen Körperteilen7 nannte; seine Aufgabe ist es, gerade als besondere Einheit den ganzen Körper mit Lebenskraft zu versorgen. Jedes Glied ist eine Welt für sich, und das Herz inniglich verbunden mit ihrer Lebendigkeit – der Segen ihrer Lebenskraft. Und dieser Kollektivismus, der im Bibelvers „Ebenbild G~ttes“ heisst8, begründet in Israel die Angleichung an die Göttlichkeit bezüglich Umfassendheit und Ewiglichkeit.

  1. Das Gute in jedem Ding – Ablehnung der Konfrontation

Es ergibt sich aus dem bisher Gesagten, dass das Denken des Juden immer den Weg des umfassenden gehen wird, immer suchend, über den strittigen Einzelheiten zu stehen und zum positiven Ausgangspunkt der Dinge vorzudringen in der Annahme, dass jede Bewegung oder Ideologie auf einen guten Kernpunkt gegründet ist, der sie am Leben erhält. Daher bestimmt  Rabbiner Kuk, dass es nicht der rechte Weg sei, sich fremden, negativen Ansichten entgegenzustellen. Jenes Verhalten birgt in sich die Schwäche des Herabsteigens auf das Niveau des Kontrahenten, und dadurch ist keinerlei Fortschritt zu erzielen – für keinen der Beteiligten. Es wurden nur wieder zwei Standpunkte festgelegt, und sonst gar nichts! Es ist an uns, zum Zeitpunkt der Begegnung mit den fremden Überzeugungen das Gemeinsame und das in unseren Augen Positive herauszufinden – gemäss der Grundregel, die bestimmt, dass wir mit allem verbunden sind. Jedes Ding hat seine guten Seiten, und dieses Gute ist es, was dieses spirituelle Gebäude zusammenhält,  mit den darin enthaltenen schlechten Seiten. Und wehe uns, das Gute von uns zu weisen aufgrund seiner schlechten Schale. Denn das Gute an sich ist der Wille des Schöpfers, der sich anhand seiner Lehre offenbart, und der Wille des Schöpfers bedeutet Realität, Existenz, und jedes Schlechte ist nichts anderes als Abwesenheit von Existenz. Daher heisst es bei den Oberbegriffen des Seins – den Abschnitten der Schöpfung und ihr jeweiliger Inhalt entsprechend den sechs Tagen – von Seiten des Schöpfers „… dass es gut war“. Nur einzelne Mitglieder einer Art verschwinden, aber die Art als solche fährt fort zu existieren – denn daran war der Schöpfer interessiert und bestimmte, dass sie gut sei9.

Die Denkweise des Propheten ist es, das Göttliche, und damit das Gute, in jedem Ding zu sehen. Wir sind ein Volk von Propheten10, und ein Volk, das Propheten hervorbringt, aus dessen Kehle das Wort G~ttes erklingt, es ist dies das Volk, das das Heilige jeder Schöpfung erkennt, in jedem Stoff und  in jeder Gesellschaft, das fähig ist, sich mit der treibenden Kraft hinter jedem Glauben auseinanderzusetzen – selbst dem monströsesten. Deshalb ist es Rabbiner Kuk zweifelhaft, ob es nütze, die genau umgrenzten Werte des Judentums anderen, ihm fremden gegenüberzustellen. Dieser Weg der Konfrontation ist nicht akzeptabel, da er dem Gegner etwas aufzudrängen  versucht, dem Anderen einen Grundwert vorträgt, der nicht dem seinen entspricht. Diese Methode fordert zwangsläufig, dass sich der Kontrahent die Gegenmeinung zu eigen macht und bezweckt, ihn zum Schweigen zu bringen. Aussprüche wie „das ist die Wahrheit“ oder „das ist die Ansicht des  Judentums“ bringen keinen Erfolg – besonders in einer Zeit der Massenkommunikationsmittel, wo alle alles hören und alle alles wissen, wo man niemanden zum Schweigen bringen kann und somit die Notwendigkeit der Auseinandersetzung besteht. Daher, so entscheidet Rabbiner Kuk, ist es an uns, die wir die Eigenschaft der Allumfassendheit besitzen, über den Dingen zu stehen und in allem das Gute zu finden.

  1. Israel – Herz der Nationen

Das Volk Israel ist das Herz der Nationen. „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, und ich bin G~tt“11. Seine Aufgabe ist, den Fluss des göttlichen Lebens, der die Welt erhält, zu offenbaren, in seiner Stofflichkeit und in seiner Geistigkeit. Daher ist es verständlich, dass das Judentum mit allen  Strömungen verbunden ist. Rabbi Jehuda HaLevi12 erläutert, dass das Herz – das Volk Israel – „unter den meisten Krankheiten leidet, aber geichzeitig über die stärkste Gesundheit verfügt“, denn ein empfindliches Organ wie das Herz wird selbst von der kleinsten Wunde beeinflusst, und dies ist auch seine Stärke, denn noch bevor sich der schlechte Einfluss sammeln kann, weiss es sich in Acht zu nehmen und ihn abzuweisen. Nicht so die anderen, weniger sensiblen Körperteile, die das eindringende Übel nicht registrieren und es nicht abstossen, sondern es erst bemerken, wenn es stark angewachsen und es für eine Heilung manchmal schon zu spät ist. Der Tod kommt dann überraschend – und so oder so ist sein Leben eines von Unreinheit und Krankheit. Das Herz, mit allen Ebenen des Lebens verbunden, ist fähig, sich dem Wandel des körperlichen Lebens anzupassen. Wenn es ihm nur gelingt, jedes Glied für sich funktionsfähig zu erhalten, wird ihm das schon als Mangel an Gesundheit angerechnet.

Damit wird wenigstens in geringem Masse verständlich, wie sich das Volk Israel ausserhalb seines Landes und unter dem Einfluss anderer Kulturen als Volk behaupten konnte: das Leben jedes Volkes entspricht in bestimmtem Masse auch dem seinen, und seine universal-nationale Eigenschaft konnte sich unter diesen erschwerten Bedingungen stark eingeschränkt erhalten, was ausreichte, den nationalen Charakter Israels zu bewahren.

Ebenso sahen die Nichtjuden im einzelnen Juden den Vertreter seines Volkes, und wählten sich ihn in seine Führung, sei es auf politischer, wissenschaftlicher, soziologischer oder religiöser Ebene. Und das, obwohl diese Einzelnen ihre Volkszugehörigkeit nicht verleugneten, und unter den Nichtjuden als Israeliten wirkten. Das Herz jedoch ist ein selbständiges Körperteil mit seiner ureigenen Kultur. Und wie bereits oben erwähnt, geht es hier nicht um Überlegenheit, sondern um Andersartigkeit.

Und ebenso ist unmissverständlich klar, dass nur von Zion die Lehre ausgehen wird (Jes.2,3; Micha 4,2), und nur in Jerusalem werden wir zu unserer Stärke, zu kultureller Gesundung und Selbständigkeit als national-universales Volk zurückkehren. Unsere Aufgabe ist es, Herz der Völker zu sein, damit die Völkerfamilie ihren Segen erhalten kann13.

In Jerusalem ist das Zentrum des ewigen Lebens, der Lebenskraft der ganzen Welt. Eine internationale Stadt, die vom internationalen Volk gelenkt wird. „Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker“ (Jeschajahu 56,7), ohne vorherige Konvertierungen. Ein in allen seinen unterschiedlichen Gliedern gesunder Körper. Und ebenso, wie der Körper ein Kontrollzentrum  zur Überwachung geordneter Funktion braucht, wurde das Volk Israel mit Eigenschaften „ihr seid meine Zeugen“ zu sein geschaffen, damit durch es das Leben des Unendlichen gelobt sei er in der Welt erscheinen könne.

  1. Krieg der Ideologien

Befassen wir uns nun mit der geistigen Auseinandersetzung mit fremden Kulturen, die sich zu unserem Leidwesen bei uns eingenistet haben, und versuchen zu verstehen, dass diese nicht zwangsläufig schlecht sind. Es gibt gute Ideologien, die nur den Nachteil haben, nicht zu unserer Natur zu passen. Es gibt Glaubensrichtungen, die uns aufs Schärfste wegen Götzendienstes verboten, den weltlichen Völkern jedoch erlaubt sind, wie zum Beispiel beim Namen eines anderen Gottes, den der Nichtjude unserem Vater im Himmel beigibt, zu schwören14, oder der Verzehr nicht entsprechend den jüdischen Gesetzen geschlachteter Tiere. Andererseits gibt es Dinge, die Jenen verboten, uns aber Pflicht sind, wie die Einhaltung der Schabbatgesetze15. Es gibt Weltanschauungen, die sowohl uns als auch den Nichtjuden verboten sind – jenen durch die *sieben noachidischen Gesetze, die für die gesamte Menschheit gelten, und uns in den 613 Geboten und Verboten, wo auch diese inbegriffen sind, allerdings in neuem Gewand16.

Bei der Begegnung mit jenen Ideologien dürfen wir daher nicht den ihnen innewohnenden guten Anteil schmälern, die göttliche Seite, die auch uns angemessen ist. Im Gegenteil, wir übernehmen das Gute unter Rücklassung des Schlechten. Denn dem liegt das Prinzip der Ewiglichkeit Israels zugrunde: das Gute zu übernehmen und so das Schlechte automatisch ohne Existenzgrundlage zurückzulassen, ohne den göttlichen Anteil, der die Verbindung am Leben hielt.

Es gilt, sich fremden Ideologien nicht entgegenzustellen, sondern sie zu überwinden. Nicht im Sinne von Beherrschung und Niederlage des Feindes, sondern im Wege des Erlernens seiner Taktiken und des Erkennens des in ihm verborgenen Guten, so dass am Ende auch er für G~tt verbleibt. Wenn  wir selbst fähig sein werden, das mit dem Schlechten verbundene Gute wahrzunehmen und aufzuzeigen, wie das Gute nicht das Schlechte bedingt, und im Gegenteil, dieses widerlegt – dann wird unser Kontrahent mit uns einstimmen und nur mit dem schon in ihm vorhandenen Guten fortfahren.  Nehmen wir die vom Sozialismus geforderte Gerechtigkeit zum Beispiel:  Sollten wir etwa anfangen, gegen Gerechtigkeit zu argumentieren?! Wir würden damit doch sofort die Wege des Guten und der Tora verlassen! Nein, die Gerechtigkeit ist ein Teil von uns, sie ist zu würdigen, ihre Erhabenheit und ihre Auswirkungen aufzuzeigen, die nicht unbedingt mit der praktischen Seite jener Ideologie deckungsgleich sein müssen. Das ist Toleranz: Ihr Wesen ist, jeder Sache den ihr zugehörigen Platz zuzuweisen, ohne jeden Kompromiss. (Mit einer Ausnahme: Götzendienst – dieser ist der Lächerlichkeit preiszugeben17. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm würde den falschen Eindruck erwecken, dass man seine Werte zumindest in Betracht ziehen könnte und sich auf die Ebene seiner Denkungsart begebe.  Alle grossen jüdischen Weisen, die mit Vertretern des Christentums Disputationen durchzuführen hatten, wurden dazu gezwungen, sie hatten sich dem auf sie ausgeübten Druck zu beugen. – Warum in diesem Fall diese extreme Einstellung? Weil hier die Toleranz nichts nützt. Denn jene nichtige  Überzeugung stösst das alles repräsentierende Göttliche von sich, und was kann nach so einer Festlegung noch Gutes verbleiben?!).

  1. Alles an seinen rechten Platz

So ist die korrekte Art der Auseinandersetzung die, Alles an seinen rechten Platz zu bringen, das Gute in erhabene Höhe und das Schlechte auf den niedersten Grund, indem man das Gute von ihm löst oder ihm durch Herabsetzung den angemessenen Platz zuweist, und dadurch sogar seine positive Rolle einnehmen kann, wie z.B. die Weinhefe, die den Wein verbessert, wenn sie sich am Fassboden aufhält und nicht im ganzen Wein verteilt ist. Der wahrhaft Tolerante weiss das Gute herauszufiltern und bezieht keinen fruchtlosen Standpunkt der Konfrontation, die keinen Ausweg offenlässt. Um jedes Ding an den auf ihn abgestimmten Platz zu bringen, muss man alle Aspekte des Themas beherrschen, und das ist nur jemandem möglich, dessen Kultur allumfassend ist, jemand, der dem alles Seienden zugehörig ist und mit seinem gesamten Wesen die Einheit der Schöpfung  G~ttes offenbaren will. Diese Einheit wird offenbar werden, wenn das Welt-Bauwerk vollkommen in allen seinen Teilen in der ihnen angemessenen Ordnung sein wird. Und in den Worten Rabbiner Kuks: „Für jene Ereignisse benötigen wir die durchdringendste Betrachtungsweise, allgemein und  umfassend und gleichzeitig vorstossend ins innerste Wesen der ganzen Fülle von Überzeugungen und Inhalten glaubensbezogener Ideen in der Welt“1.

  1. Die Grundlagen der Gewissheit

Von dieser Ausgangsbasis nun erläutert Rabbiner Kuk das Verhältnis von Toleranz und Radikalität. Nach Erklärung des Prinzips der Umfassendheit nimmt er sich in dessen Folge der Grundlagen der Gewissheit an – die nicht der Schwäche der verzichtbereiten Kompromisshaftigkeit bedarf.

„In jeder Geistesoffenbarung bestärkt sich die Gewissheit entsprechend der Durchsetzungskraft ihrer Allgemeingültigkeit, und entsprechend dem Masse ihrer Gewissheit, so, wie sie dem Zweifel keinen Raum gibt, behält sie sich das Recht vor, andere bei sich zu beteiligen“1. Nur eine auf Prophetie  gegründete Kultur kann Gewissheit beanspruchen. Schon Immanuel Kant erläuterte in seinem Werk „Kritik der reinen Vernunft“, dass die Erkenntnisse des Verstandes nicht anders als subjektiv sein können, denn obwohl er das wichtigste Werkzeug des Menschen in der Erkenntnis seiner Umwelt  darstellt, kann er doch niemals Realität schaffen, sondern nur eine bereits vorgegebene Realität erkennen. Der Mensch kann keine Frage stellen – die hauptsächliche Aktivität des Verstandes – ohne das Objekt zu kennen, ohne sich über dessen Vorhandensein im Klaren zu sein, und bevor es in sein  Blickfeld gelangt, ist es ihm eben unmöglich, darüber selbst die einfachste Frage zu stellen. Das Objekt muss existieren, und seine Existenz muss dem Fragenden bekannt sein, um sich dann mit ihm durch die erste Frage: „Was ist das?“ auseinandersetzen zu können.

Der Verstand erfindet gar nichts – entgegen der Behauptung einiger arroganter Wissenschaftler – sondern er legt offen. Eine verstandesmässige Eingebung kann daher zwangsläufig nur nach vorheriger Eingebung durch göttliche Übermittlung oder Sinneswahrnehmung erfolgen, und letztere auch nur über die Genialität der grössten Wissenschaftler. Der Verstand ist daher das Fundament der menschlichen Entscheidungsfreiheit. Seine Wirkungsweise ist subjektivistisch, d.h., er ist vom Forschenden auf das zu erforschende Thema gerichtet. Es versteht sich von selbst, dass der  Forschende keine über seine persönliche Begabung und Beschränkung hinausgehenden Erkenntnisse gewinnen kann. Dem gegenüber wirkt die Prophetie im Bereich des Vorstellungsvermögens „…und durch die Propheten lass ich in Gleichnissen reden“ (Hoschea 12,11).

Wie Maimonides18 in Anlehnung an Aristo erläutert, ist die Vorstellungskraft weniger entscheidungsfähig und wirkt auch nachts während des Träumens im Schlaf, ohne dass sich der Mensch dessen voll bewusst wäre. Das Judentum ist gegründet auf die gleiche [göttliche] Eingebung, die auch seine Propheten inspirierte.

Diegleiche Kraft, die die abstrakte Welt des Höheren mit dem ihr Ähnlichen in der materiellen Welt der Sinne vergleichbar macht, ist es, die dem Menschen die Kluft zwischen dem Objekt-an-sich und dem Subjekt, nämlich ihm selbst und seinen übrigen intellektuellen Fähigkeiten, überbrückt.

Während ihn im Traum die Erkenntnis über ein bestimmtes Objekt erreicht, ist die Beteiligung des Menschen gering. Obwohl diese Erkenntnis verschleiert ist und einer verstandesmässigen Entschlüsselung bedarf, liegt ihr Vorteil gegenüber den rein verstandesmässigen Erkenntnissen doch darin, dass sie objektiver ist in der Aufnahme der übermittelten Information. Die Prophetie überträgt die Glaubensinformation und ihre Gewissheit, und der Verstand überbringt dieses Wissen dem Menschen auf die Ebene seines persönlichen Lebens, wo die Beschäftigung mit ihrer Klärung an sich es ihm zugehörig macht. Prophetie und Glauben werden erlebt, der Verstand hingegen erlebt das jeweilige Thema nicht, sondern behandelt es von aussen und ohne Identifikation mit dem Ergebnis19. Während der Verstand mit Erklärungen und Umwandlung von Befunden in Begründungen beschäftigt  ist – so wie die Wissenschaft der Statistik, deren Resultate den Kriterien der Plausibilität unterliegen – beschäftigt sich die Prophetie mit der Zuführung von Wirklichkeit in den Wirkungsbereich der verstandesmässigen Analyse.  Die Prophetie vereinigt sich mit der Wirklichkeit selbst, mit dem Leben an sich, ist deshalb so umfassend, absolut gewiss und darf durchaus radikal auftreten. Der Prophet, der seine Erkenntnis [er]lebt, kann daher in keinem Punkt nachgiebig sein, denn jeder ist Bestandteil seines Erlebens, und wer verzichtet schon auf einen Teil seines Lebens?! Und obwohl er kein Stück nachgibt, so ist doch seine Radikalität tolerant, weil sie alles umfasst, sie ist die wahre Toleranz, denn: „Die Allgemeingültigkeit, die Gewissheit und die Einheit sind voneinander abhängig“.

„Zum Beispiel: die alten Methoden der Astronomie bestanden aus vereinzelten Beobachtungen, die sich nur über einen bestimmten Sternenkreis erstreckten; der Zweifel war immer imminent vorhanden, so dass es zum Schlagwort der Astronomen wurde, dass die Bezeichnungen der Astronomie und ihre grundsätzlichen Annahmen nur als Mittel zum Zweck dienten, die vielfältigen Bewegungen der Himmelskörper zu erklären, und eine ganz andere Erklärung der Phänomene nicht auszuschliessen sei“1.

Ptolemäus, Kopernikus, Kepler und Tycho Brahe beobachteten unermüdlich den Himmel, und versuchten mit Hilfe von Theorien aus der mit den Sinnen erfassbaren, mechanischen Welt zu erklären, was sie mit dem Gesichtssinn aufnahmen. Es galt eine Erklärung zu finden, die den Geist des Menschen beschwichtigte, aber nicht unbedingt wahr sein musste. In der neueren Zeit  zum Beispiel erforschten Lowell und Pickering die Gründe für die irreguläre Laufbahn des Planeten Neptun. Nach ihren Berechnungen kamen sie zu dem Schluss, dass man einen bisher unbekannten Himmelskörper annehmen müsse, mit bestimmten Massen, Anziehungskraft und Laufbahn. Sie legten fest, dass es so sein müsse – und hatten damit den Planeten Pluto „erfunden“! Und in der Tat, als neuere, empfindlichere Geräte in Gebrauch kamen, stellte man fest, dass es tatsächlich so einen Stern mit den berechneten Eigenschaften gab, der sogar schon mehrmals fotografiert worden war; nur hatte man nicht daran gedacht, dass es sich um einen Planeten handeln könnte.

Was sagen wir nun dazu? Haben Lowell und Pickering den Planeten wirklich erfunden, d.h., ihn geschaffen und seine Existenz in der Realität mit endgültiger Sicherheit verankert? Natürlich nicht. Sie stellten nur fest, dass es so sein müsse, nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, sondern aufgrund von Theorien, die bestimmte Erscheinungen erklärten und alles wohl ordneten in Rationalität, nicht unbedingt aber in Realität. Nichts verliess den Rahmen von Möglichkeit und Zweifel. Um Missverständnissen vorzubeugen – wir wollen in keiner Weise das Genie eines Einsteins und anderer wissenschaftlicher Kapazitäten geringschätzen, sondern den Wirkungskreis und die Fähigkeiten der  Wissenschaft definieren. Es ist sicher unmöglich, mit Hilfe der Wissenschaft absolute Wirklichkeit und den rechten Lebensweg zu bestimmen, und kein echter Wissenschaftler würde das vorgeben zu können. Daher gaben die Astronomen zu, dass „..eine ganz andere Erklärung der Phänomene nicht  auszuschliessen sei“. Dies sieht doch aus wie Toleranz – doch ist es nicht wahre Toleranz, sondern Schwäche, die auch andere Ansichten akzeptiert; nicht, weil jene von grösserer Bedeutung wären, sondern weil die eigene Ansicht auf tönernen Füssen steht.

„Und von jenem Tage an, als das Gesetz von der Anziehungskraft die Probleme der Astronomie zu lösen begann, weil es eine kosmologisch-allumfassende Vision darstellte, sprengte es die Fesseln des Zweifels“1.  Newton erklärte mehr als seine Vorgänger, seine Erklärung umfasste viel mehr, und auf einmal war die Weltmechanik wunderbar geordnet: dem gleichen Gesetz der Schwerkraft, wonach der Stern am Firmament seine Bahn zieht, folgt auch der Apfel, der vom Baume fällt. Die Allgemeingültigkeit des Gesetzes brachte es der Realität näher – und ebenso der Bestimmtheit – und die „Zahnräder“ des Ptolemäus mussten weichen. Die Allgemeingültigkeit der Newton’schen Gesetze befreiten ihn davon,  Kompromisse mit anderen Theorien zu schliessen, weil deren positive Punkte bei ihm bereits inbegriffen waren. Desgleichen brauchte er sich um deren Widerlegung nicht zu kümmern und niemandem nachzugeben, da die Korrektheit seiner [verhältnismässig der Wahrheit näheren] Theorie den Anspruch der Absolutheit stellte.

  1. Die radikale allumfassende Wahrheit – ihr Kernpunkt das Wesender Toleranz

„Und hierher rührt auch der zweite Unterschied – die alten astronomischen Theorien liessen sich leicht miteinander vereinbaren, was nun bei der neuen Auffassung nicht mehr möglich ist, denn durch ihre Allgemeingültigkeit ist sie von radikaler Gewissheit, und kein Mensch kann mehr behaupten, einen  Teil der Himmelserscheinungen durch die Schwerkraft und den Rest durch eine andere, aus der alten Astronomie stammende Theorie erklären zu wollen“1. Der Grund dafür ist, dass die wahre Radikalität von wahrer Toleranz begleitet ist, der allesumschliessenden Toleranz – wie eine gütige Mutter, deren Liebe allen gilt. Sie weiss jedes Ding und jeden Teil seinem ihm angemessenen Platz zuzuordnen. Die umfassende Erklärung ist wissend und würdigt, ohne zu negieren; ihre allumfassende Fundamentalität weiss jeder Sache ihren Platz zuzuordnen und duldet gelassen und mit Recht deren Existenz.

„Gleiches gilt für die Erscheinungsformen der Spiritualität – die Vielgötterei war ‚tolerant‘ und die Erkenntnis der Ein-heit radikal; weil allgemein und nicht individualistisch, absolut und nicht zweifelhaft, stellt sie eine der Beteiligung entgegengestellte Einheit für sich dar. Die Allgemeingültigkeit ist nicht tolerant im Sinne des äusseren Erscheinungsbildes der Toleranz, innen jedoch, im Kern ihrer Radikalität befindet sich das Fundament der wahren Toleranz“1.

In manchen europäischen Grossstädten finden sich „Pantheon“ genannte Bauwerke. Das griechische Wort „Pan“ bedeutet so viel wie „alles“, „theos“ – „Gottheit“. Das Pantheon sollte alle Religionen in sich vereinigen. Der Grund für diese „Weitherzigkeit“ ist einfach: keine der religiös-philosophischen  Erkenntnisse nehmen absolute Gewissheit für sich in Anspruch, sondern sind sogar bereit, ihre Gottheiten klar zu definieren bis hin zur Gestaltung eines Götzen oder eines Menschengottes, weshalb sie keine Allgemeingültigkeit für sich beanspruchen, und alle Religionen und ihre äusserlichen Ausdrucksformen können ohne weiteres nebeneinander existieren und sogar  gut miteinander auskommen. Mit dem jüdischen Volk und seinem Glauben gab es jedoch ein Problem: Es hatte niemanden im Pantheon aufzustellen; es glaubte an eine nicht definierte, abstrakte Existenz, dem Unendlichen zugehörig, dem Unbegrifflichen.

Wir eignen uns nicht zur Teilhaberschaft. Wir sind gewiss. Umfassende Gewissheit ohne Abstossung irgendeines Inbegriffenen: Es gibt nichts ausser dem Einen – Allumfassendheit und Gewissheit. „Und unter die Völker lässt es [das Volk Israel] sich nicht rechnen“ (Num.23,9), das heisst, dass das  Judentum für die Völker nicht berechenbar ist, es gibt nämlich keine Rechnung – alles ist Eins. Unsere Radikalität ist durchaus tolerant und verlangt nicht nach Religionswechsel, sie erkennt an, dass so wie die Gesichter der Menschen voneinander verschieden sind auch ihre Ansichten voneinander verschieden sind (Brachot 58a). Im Glauben an den einzigen Schöpfer gibt es Raum für alle Geschöpfe und alle Religionen, unter der Bedingungung, dass auch sie die Einheit allen Seins anerkennen, jeder auf seine Weise. Die Radikalität bezieht sich auf die absolute, himmlische  Einheit, die Toleranz auf die Anordnung der Einzelteile in ihr irdisches Gefüge. Die umfassende Einheit verdrängt nicht die Individualität der Bestandteile, verfolgt jedoch in ihrem Eifer für das allesumfassende Eine aufs Schärfste jenen Teil, der sich für das Ganze ausgeben will.

  1. Der negative Eifer

„Die ohnmächtige Duldsamkeit [zum einen], die den Lebensgeist lähmt, entstammt den individuellen Geistesoffenbarungen, die nicht vom Tau der Allgemeingültigkeit getränkt sind, und der bösartige Fanatismus [zum anderen] jener Dreistigkeit, die individuelle Geistesoffenbarungen in den  Rang höchster Allgemeingültigkeit erhebt; da sie jedoch nur individuelle Offenbarungen sind, ist es ihnen unmöglich, Geistesströmungen jenseits ihres ideologischen Horizontes zu tragen, und in Missgunst gegenüber den anderen Offenbarungen, die sie nicht vereinnahmen können, strangulieren  sie die Ausbreitung des Lebensgeistes und verringern die Ausdrucksform spiritueller Kreativität“1.

Die üble Duldsamkeit entspringt dem Individuellen; Einseitigkeit und inhärente Schwäche zwingen sie zur Offenheit nach allen Seiten ohne Untersuchung deren Wahrheitsgehaltes. Und auch der wilde Fanatismus entstammt dem Individuellen. Sein bösartiger Eifer kulminiert in den Worten:  „So wie ich müssen alle sein“, furchtbarer Eifer, ganz und gar fanatisch und selbst vor der Entweihung des heiligen Namens nicht haltmachend. Bei dieser Gelegenheit hat unser verehrter Rabbiner und Lehrer *Rav Zwi Jehuda Hakohen Kuk sel. die Mischna aus den „Sprüchen der Väter“ herangezogen  (5,19), die den Rat gibt, der optimistischen Weltanschauung unseres Vorvaters Awraham zu folgen und nicht der pessimistischen des Bösewichtes Bil’am. Die Persönlichkeit unseres Vorvaters Awraham – der das göttliche Versprechen erhielt, Vater vieler Völker und er und seine Erben nach ihm Träger des Segens über die ganze Völkerfamilie zu sein – ist eine umfassende, die alles und jeden mit Sympathie und Wohlwollen betrachtet.  Im Gegensatz dazu wird der Name Bil’ams von unseren talmudischen Weisen wie folgt ausgelegt (Sanhedrin 105a): Bil’am – „be’lo am“ = „ohne Volk“. Beschränkte Persönlichkeit, die alles aus Antipathie betrachtet und ausserhalb ihrer Sphäre Befindliches grundsätzlich als schlecht bewertet.

  1. Die Offenlegung der Quelle des Lichtes

„Die höchste Allumschliessung aber gibt gerade durch ihre Weiträumigkeit und ihre Gewissheit das feinsinnige Vermögen zur Lokalisierung der göttlichen Einheit, was zum vortrefflichen Eifer bringt, der Geistesgenie gebiert, welches jede Schwäche individueller Kleinheit, jeden Zweifel und jede Beteiligung aus dem Weg räumt, ‚der Ewige führt es abgesondert, und mit ihm kein fremder Gott‘ (Dt. 32,12); und da sie allgemeiner Natur ist, da in ihr alles enthalten ist, kann sie naturgemäss kein Ding ihrer Herrschaft und ihrer Allumfassendheit entziehen und gibt jedem Ding seinen Platz, dadurch aber nur neue Wege des Erscheinens der Erleuchtung in allen Ausdrucksformen des Lebens und spirituellen Offenbarungen aufdeckend, und das Verlangen ihrer fundamentalen Toleranz ist es, jedem Teil des Spektrums, jedem Ausdruck des Lebens und jeder Geistesoffenbarung den ihnen würdigen Ort zu weisen“1.

Wie wir oben bereits erläuterten, dass nur die Prophetie und ihr unmittelbares Erleben absolute Gewissheit verschaffen können, während die Skepsis jenen zu eigen ist, die ihre Erkenntnisse nur auf Verstand gründen, gibt es noch eine spezifische Eigenschaft der ganz auf Prophetie begründeten Kultur. Diese spezifische Eigenschaft findet sich bei jenen, die in allem das Göttliche erkennen können. Ein Volk von Propheten ist das Volk Israel, sein Blick in die Ewigkeit gerichtet, und kann nicht anders als die Grösse in jedem Kleinen zu sehen. So ist das Volk, dessen Propheten mit dem Göttlichen Gespräche führen. Um jene hohe Stufe zu erreichen, wo sich Radikalität und wahre  Toleranz vereinen, muss man gross sein. Und ohne Tora gibt es keine Grösse; ohne die Prophetie, die über den Verstand zu praktisch ausführbarer Halacha wird, kann keine Persönlichkeit entwickelt werden, die die Ewigkeit im Augenblick und die Unendlichkeit in allem Endlichen erkennt. Solche dem  Heiligen verbundenen Menschen sind geeignet, mit jeder Kultur in Kontakt zu kommen, und sie sind es, die den Kampf der Ideologien und Glaubensrichtungen bestreiten können. Und diese Dinge gelten nicht nur nach aussen hin, sondern eignen sich auch sehr gut zur Wahrheitsfindung zwischen unterschiedlichen Ansichten innerhalb unseres eigenen Volkes.

Die höchste Allumschliessung „weiss, dass in allem Sein ein Funke des Lichtes steckt; der innere göttliche Funke strahlt in allen der verschiedenen Glaubensrichtungen in Form unterschiedlicher Erziehungsmethoden zur Zivilisation, zur Optimierung von Geist und Materie, der Gegenwart und  der Zukunft, des Individuums und der Öffentlichkeit – nur dass sie sich auf unterschiedlichen Stufen befinden… die alle der einen, der lebendigen Quelle entstammen, deren Grundlage und Wurzel immer das Licht Israels ist, die reine Glaubensverbindung, die auf dem einzigartigen Fundament ruht, das sie ewig aufrechterhält und nie versagen wird“1.

  1. Wahrheit und Frieden

Die echte Toleranz, die nur auf dem Glaubensverhältnis von Israel zu G~tt aufgebaut sein kann, bringt jene Persönlichkeiten hervor, die ihre gesamte Spiritualität aus inneren Quellen schöpfen. Sie brauchen nicht an fremden Ufern zu weiden; am Ende ihrer eigenen Entwicklung sehen sie keine  Notwendigkeit in der Rückweisung der Lichtblicke anderer Glaubensrichtungen, sondern wissen diese genau in der ihnen zur Verfügung stehenden allgemeinen Wertordnung ihrer spirituellen, der Tora verbundenen Welt unterzubringen. Diese Geistesgrössen sind ein Segen für die Welt, die aus ihren Händen das alles vereinende geistige Gefüge erhält, das der organischen und der vereinigten Wirklichkeit entspricht. Zu dieser Einheit streben alle Wahrheitssuchenden. Nach diesem Gleichgewicht sehnen sich alle Friedenssuchenden – in der Gesellschaft und zwischen den Nationen.

„Anstatt also alle Inhalte des Geflechtes des philosophischen Denkens abzuweisen, da doch die kleinen Funken des Guten beginnen, sich von ihm zu lösen, doch diese für sich allein genommen die Seelen in die Tiefen des Abgrundes zu wandern lenken, dem Orte der Herrschaft der Finsternis, die  das innere Wesen der Kraft der Seele abzutöten sucht – was ihr in Wirklichkeit aber nicht gelingen kann – ist es an uns, das Licht des Ursprungs zu verstärken, die Weite und die Tiefe zu offenbaren, die Allgemeingültigkeit und die Ewiglichkeit des Lichtes Israels; zu erläutern, wie jeder edle Funke, der sich in einer anderen Welt offenbart, dieser Quelle entstammt und sich mit ihr ganz natürlich verbinden lässt. Dann, mit einigen Funken, die sich von neuem offenbaren, werden Licht und Lebenskraft der Seele der Nation, der gewaltigen in der Mächtigkeit ihres Geistes, der ihr innewohnenden göttlichen Kraft, hinzugefügt, und die Herzen der nach Erleuchtung Dürstenden schauen zu ihr auf und  erstrahlen, und gehen nicht mehr in fremden Gefilden zu weiden, selbst dem, von dem der Beginn ihrer Gedanken herrührte, denn auch sein Platz ist dort.

Und in der Zukunft wird sich die wahre Toleranz so ausbreiten, dass der Geist des Menschen in seiner Allgemeinheit den verborgenen Funken in allen [Gefilden] zu finden imstande ist, von selbst alle Schlacken abschüttelnd, ‚ich entreisse ihm das Blut aus seinem Munde, und seine Greuel aus den Zähnen; dann bleibt auch er für unseren G~tt übrig‘20, und alle Funken finden sich in der grossen Fackel zusammen, ‚dann wandle ich den Völkern ihre Lippe in eine lautere um, dass sie alle anrufen den Namen des Ewigen‘21. ‚Weg die Schlacken aus dem Silber, und dem Schmelzer geht hervor ein Gerät‘ 221.

FUSSNOTEN:

  1. HaRav A.J.Kuk „Über den Krieg der Ideologien und Glaubensrichtungen“
  2. siehe Talmudtraktate Schabbat 146a, Schewuot 39a
  3. siehe HaRav A.J.Kuk „Orot“ S. 156, Paragr. bet u.a.m.
  4. [siehe Eruwin 100b]
  5. „Geh‘ zur Ameise, Fauler, sieh‘ ihre Wege und werde klug“ Sprüche 6,6, siehe dazu Kommentar von Rabbiner Elijahu (genannt der „Gaon“) von Wilna
  6. Sanhedrin 44a
  7. Kusari II, 36 (siehe auch *Rabbi Jehuda Halevi)
  8. Kusari I; ebenso in den ersten Kapiteln des Buches „Nefesch Hachajim“ von Rabbiner Chaim Woloschiner
  9. siehe Kommentar „Derech Chajim“ des MaHaRal (der „hohe Rabbi Löw“) aus Prag zur zweiten  Mischna des ersten Kapitels der „Sprüche der Väter“ über die drei Dinge, durch die die Welt besteht: Tora, Dienst und Mildtätigkeit; siehe auch Maimonides „Führer der Unschlüssigen“, 3. Teil, 10.-12. Kapitel
  10. Pessachim 66b: „..man lasse aber die Israeliten, denn wenn sie auch keine Propheten sind, so sind sie Kinder von Propheten“; Kusari I, Paragr. 115: „…denn nur ein gebürtiger Jude ist zur Prophetie geeignet“.
  11. Prophetenbuch Jeschajahu 43,12 [Jalkut Schimoni ebda.: „Wenn ihr meine Zeugen seid – bin ich G~tt, und wenn ihr nicht meine Zeugen seid – als wäre ich nicht G~tt“]
  12. Kusari II, 35-44
  13. [Zu Awraham hiess es: “ …und du sollst ein Segen sein. … ..und es werden sich segnen mit dir alle Geschlechter des Erdbodens“ (Genesis 12,2- 3). Zu Jizchak hiess es: “ …und es werden sich segnen mit deinem Samen alle Völker der Erde“ (ebda. 26,4). Zu Jakov hiess es: „…und mit dir werden sich  segnen alle Geschlechter der Erde, und mit deinem Samen“ (ebda. 28,14). U.v.a.m.
  14. Schulchan Aruch, Orach Chajim 156, dort in den Anmerkungen weitere Quellenangaben
  15. Sanhedrin 58b
  16. siehe „Tiferet Israel“ des MaHaRal, 7. Kapitel
  17. [„Jeder Spott ist verboten, ausgenommen der Spott über die Götzen, der erlaubt ist“ Megilla 25b]
  18. im zweiten der „Acht Kapitel“ [Einleitung seines Mischnakommentars zu den „Sprüchen der Väter“]
  19. Maimonides „Führer der Unschlüssigen“, 2. Teil, 32.-36. Kapitel
  20. Secharja 9,7/Megilla 6a
  21. Zefania 3,9/Brachot 57b, Awoda Sara 24a
  22. Sprüche 25,4

NAMEN UND BEGRIFFE:

Israel = das jüdische Volk

HaRav A.J.Kuk = Rabbiner Awraham Jizchak HaKohen Kuk, erster Oberrabbiner Israels, Gründer der Zentralen Welt-Jeschiwa, Vater von *HaRav Zwi Jehuda HaKohen Kuk, verstorben 5695 (1935)

HaRav Zwi Jehuda HaKohen Kuk = Leiter der Zentralen Welt-Jeschiwa, Jerusalem bis zu seinem Tode im Jahre 5742 (1982)

Halacha = jüdisches Gesetz

Rabbi Jehuda Halevi = jüdischer Denker und Dichter, geb. in Spanien ca. 4843 (1083), Verfasser des „Kusari“ Die sieben noachidischen Gesetze: Gebot der Rechtspflege, Verbot der Gotteslästerung, des Götzendienstes, der Unzucht, des Blutvergiessens, des Raubes und des Genusses eines Gliedes von einem lebenden Tiere (siehe Sanhedrin 56a/b)

Erschienen in der Monatsschrift „Iture Kohanim“ der Jeschiwa Ateret Kohanim, Jerusalem Nr. 84 Adar I 5752 Vorwort, Übersetzung und Redaktion: R. Plaut Chefredakteur von KimiZion.



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