Rabbiner fordert Waffen für Europas Juden


BELGIUM EUROPE TERROR

Der führende Rabbiner Menachem Margolin (rechts) fordert jetzt eine Lockerung der Waffengesetze, damit sich Juden selbst schützen können. Bild: Gedenkveranstaltung mit Frans Timmermans, dem Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, am 21. Januar 2015 in Brüssel.

Weil der Staat keinen Schutz garantiere, sollen Europas Juden ihre Einrichtungen mit Schusswaffen verteidigen dürfen. Dies schlägt ein Rabbiner vor.

Ein prominenter Rabbiner hat Europas Regierungen in einem Brief aufgefordert, ihre Waffengesetze zu ändern. Nach Meinung von Menachem Margolin, dem Generaldirektor des Rabbinischen Zentrums von Europa und des Europäischen Jüdischen Verbands, sollen sich die jüdischen Gemeinschaften mit eigenen Waffen vor terroristischen Angriffen schützen dürfen. Die Anschläge vom Samstag in Kopenhagen seien eine «sehr klare Bestätigung», dass die Waffengesetze angepasst werden müssten, sagte Margolin zu «Newsweek».

Die verunsicherten jüdischen Gemeinschaften Europas zweifeln zunehmend daran, dass sie sich künftig sicher fühlen können. Sowohl der Angriff auf den koscheren Supermarkt in Paris von Anfang Januar wie auch am letzten Samstag der Überfall auf die Bat-Mitzvah-Feier in Kopenhagen wurden von der Polizei nicht verhindert. «Die Regierung ist unfähig, ihre Bürger zu schützen», sagt Margolin.

Waffenscheine und Training gefordert

Der Rabbiner erneuerte seinen Aufruf, den er im Nachgang der Pariser Attacke in einem Brief formuliert hatte. «Wir verlangen hiermit, dass die Waffenschein-Gesetze mit sofortiger Wirkung angepasst werden», heisst es darin. Ausgewählte Personen in jüdischen Gemeinschaften und Institutionen sollten Waffen für einen notwendigen Schutz ihrer Gemeinschaften besitzen dürfen. Ebenso sollten sie «die nötige Ausbildung erhalten, damit sie deren Mitglieder vor potenziellen Terrorangriffen bewahren können.»

Bislang habe er «keine wirkliche Antwort» von den von ihm kontaktierten Regierungen erhalten, sagte Margolin der Zeitschrift. Stattdessen seien automatische Rückweisungen seines Vorschlags eingegangen. Margolin erkennt darin ein Zeichen dafür, dass die europäischen Regierungen die vom Antisemitismus ausgehende Bedrohung nicht ernst genug nehmen.

Sicherheitsleute ohne Waffen

In mehreren Ländern sind jüdische Einrichtungen dazu aufgerufen worden, für mehr Schutz zu sorgen. Doch das Sicherheitspersonal trage in der Regel keine Feuerwaffen, sagt der Rabbiner. «Was sollen Sicherheitsleute tun, wenn sie unbewaffnet sind?» fragt er.

Nächste Woche wird Margolin in Prag ein dreitägiges Sicherheitsseminar für europäische Rabbiner durchführen. Als Themen gesetzt sind Massnahmen zum Schutz der Gemeinschaft, Verhalten bei plötzlichen Angriffen und erste Hilfe. Der Rabbiner rechnet mit der Teilnahme von hundert jüdischen Würdenträgern.

Aufruf zur Emigration unannehmbar

Als Alternative zu mehr Schutzmassnahmen wird im Nachgang der Angriffe die Emigration nach Israel diskutiert. Der jüdische Staat «ist Eure Heimstätte» sagte Premierminister Benjamin Netanyahu am Sonntag zu Europas Juden. Nach einem ähnlichen Aufruf nach den Angriffen in Paris haben laut Ynet über 10’000 französische Bürger ihr Interesse an einer Ausreise nach Israel angemeldet.

Für Rabbiner Margolin ist Netanyahus Aufruf unannehmbar. «Wenn man sagt: ‹Kommt nach Israel›, sagt man: ‹Wir können euch nicht schützen.›», sagte er laut «Guardian». «Aber Menschen in Europa haben alles Recht, mit voller Sicherheit hier zu leben.» (sut, 20min)



Kategorien:Gesellschaft

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