Israelis erfinden aus Versehen Whatsapp für Gehörlose


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Die „Glide“-App ist auf Tablets, Smartphones und Smartwatches nutzbar. (Foto: Glide)

Das in Jerusalem ansässige Start-Up „Glide“ hat ungeplant Whatsapp für Gehörlose erfunden. Die Nutzer können sich anstatt Textnachrichten Kurzvideos zusenden, und so auch in Gebärdensprache kommunizieren.

Als Jonathan Caras und die Mitgründer des Unternehmens die App „Glide“ 2013 kreierten, dachten sie an Familien und Freunde, die über Video kommunizieren, aber sich nicht extra zu einem Skype-Date verabreden wollten. „Ich wollte einen Weg schaffen, schnell ein kurzes Video zu senden“, sagt Caras dem Branchenmagazin „Quartz“. Ihre App sollte eine Art Whatsapp für Videobotschaften sein, die an eine Einzelperson oder an Gruppen mit bis zu 50 Mitgliedern gesendet werden kann.

Als „Glide“ in den Appstores landete und Millionen Male heruntergeladen wurde, fiel ihnen auf, dass ihre App auch noch eine andere Funktion erfülle. Das Team bemerkte erstmals im August 2014, dass ihre ein Jahr alte App auch bei Gehörlosen gefragt war. Denn sie erhielten zahlreiche Anfragen nach Werbevideos mit Untertiteln. Nach ihrer Recherche fanden sie heraus, dass die Gehörlosen ihren Freunden die App weiterempfehlen wollten, aber viele Werbevideos wurden mündlich erklärt. Gehörlose ziehen Gebärdensprache dem schriftlichen Chatten vor, erklärt Caras.

Die App ermöglicht es den Gehörlosen, mit Gebärdensprache zu kommunizieren. „Glide“ hat aktuell 20 Millionen registrierte Nutzer. Gründer Caras geht davon aus, dass davon rund 250.000 Gehörlose sind, was 1,25 Prozent entspricht. In Amerika leben laut US-Zensusbüro mehr als 4 Millionen Menschen, die gehörlos oder schwerhörig sind. Die Gehörlosen-Gemeinde bringe immer wieder Impulse, die die Entwickler oft in die App-Updates einschliessen. Das Start-Up hat mittlerweile 25 Millionen Dollar Risikokapital akquiriert.

Die versendeten Video-Nachrichten kann der Empfänger live im Moment der Aufnahme oder später ansehen. Die Videos können bis zu fünf Minuten lang sein, nehmen allerdings keinen Speicherplatz auf dem Smartphone ein, sondern werden in der Cloud gespeichert. Wenn ein Nutzer eine Nachricht löscht, wird diese bei allen Chatteilnehmern gelöscht, heisst es in der App-Beschreibung. Zudem ist ein bisschen Spielerei möglich: Die Videos können mit unterschiedlichen Filtern aufgepeppt werden. (inn)



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