Moslem baut Synagoge wieder auf


demirbasAbdullah Demirbas (im Bild), ehemaliger Bürgermeister der alten Stadt Diyarbakir, einer grossen und bedeutenden Stadt am Ufer des Tigris, richtet derzeit eine Synagoge im Ort wieder auf, die einst jüdischen Einwohnern gehörte, bevor sie von den Türken des Landes verwiesen worden waren. „Dieser Ort in der Türkei gehört den Juden“, sagte Demirbas kürzlich in Jerusalem. „Es ist ihr Land und unsere Verantwortung, dass sie in unserer Stadt anerkannt und geehrt werden.“

Demirbas ist Moslem. Er glaubt, dass die Wiedererrichtung der Synagoge einige der Wunden heilen kann, die aufgerissen wurden, als die Juden aus seinem Land fliehen mussten. Daher ist er nach Jerusalem gereist, um mit kurdischen Juden seine Pläne zu erörtern. Über 100.000 tükische Juden leben in Israel, die meisten davon haben sich in Jerusalem niedergelassen.

„Es war schon immer mein Traum, einmal nach Israel zu kommen“, sagte Demirbas zu einer Gruppe messianischer Juden und Christen, die zusammengekommen waren, um sich seine Pläne für den Wiederaufbau des alten Gotteshauses anzuhören. Besonders bewegte ihn die Einheit zwischen arabischen und jüdischen Gläubigen in Israel. Diese Art „Schalom“ (Frieden) wolle er in seinem eigenen Land und im ganzen Nahen Osten sehen, erklärte er.

Der türkische Moslem hat nicht nur Pläne für eine Synagoge sondern kümmert sich auch um Christen. In seiner Zeit als Bürgermeister gelang es ihm als ersten türkischen Beamten von seiner moslemischen Regierung eine Erlaubnis zur Errichtung einer Kirche in seiner Stadt zu erhalten. Dazu setzte er sich persönlich für den Wiederaufbau von sechs armenischen und assyrischen Kirchen in Diyarbakir ein. So hat er die Moslems vor Ort dazu bewegt, jene Kirchen wieder aufzubauen und die selben christlichen Gruppen zu unterstützen, die sie vormals verfolgt hatten. „Es geht hier nicht nur darum, Gebäude wieder aufzubauen. Es geht darum zu lernen, sich gegenseitig zu respektieren und miteinander zu leben. Gott hat uns dazu geschaffen, miteinander zu leben“, so Demirbas.

Er träumt von Frieden im Nahen Osten, doch wegen seiner mutigen Einstellung hat er schon etliche Todesdrohungen erhalten und sogar Anschläge auf sein Leben hinnehmen müssen. All dies hat ihn jedoch nicht davon abgebracht, moslemischen Hass und Gewalt gegenüber Juden und Christen herauszufordern. Den meisten Moslems passen diese Friedensinitiativen mit Juden und Christen nicht, lehrt doch der Koran, dass ein Jude oder ein Christ, der nicht zustimmt, dass Mohammed der einzige Prophet Gottes ist, als Ungläubiger behandelt werden muss und man ihm den Krieg erklären soll.

Für jene Kritiker setzt Demirbas dem ganzen auch noch die Krone auf, indem er sich für die Rechte der Frauen im Land einsetzt, die dort vielerorts misshandelt, erniedrigt und öffentlich gedemütigt werden. Seine Aktivitäten für die Unterstützung von Frauen sind denjenigen Moslems ein Dorn im Auge, die glauben, dass Allah will, dass sie ihre Frauen schlagen.

Demirbas zählt offiziell mittlerweile zu den „unerwünschtesten Personen“ der Türkei, er wurde für seinen Resepkt gegenüber Juden, Christen und anderen religiösen Gruppen sogar schon ins Gefängnis geworfen. Doch die Leute lieben ihn und haben ihn zum Bürgermeister der Stadt gewählt – während er in seiner Zelle sass!

Bevor er sich der Politik zuwandte, arbeitete Demirbas 29 Jahre lang als leitender Pädagoge und anerkannter Philosophie-Lehrer in der Region. Momentan dient er als leitendes Mitglied der Demokratischen Volkspartei, die während der letzten Wahlen 80 Sitze im türkischen Parlament gewonnen hat. (David Lazarus , ih)



Kategorien:Nahost

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