Thorazitat des Tages – Parascha


ThoraUnsere Weisen lehrten uns, dass man es bevorzugen sollte zu sterben, als einen Menschen zu beschämen.

Thora-Parascha

Sidra: „Chaje Sara“
Lesungen: 1. Mose 23,1 – 25,18
Haftara: Schmuel II 5:17 – 6:1

Chaje Sara  – Psalm 45
Glückwünsche zur Hochzeit

Psalm 45, „ein Lied der Freundschaft“ (Vers 1), wurde zur Hochzeit eines israelitischen Königs verfasst. A.  Chacham bemerkt, dass die Identität dieses Königs umstritten ist – diese Frage soll uns jetzt nicht interessieren. Wir suchen nach einer Verbindung zwischen dem Wochenabschnitt und dem zugeordneten Psalm: Hier wie dort ist von einem Brautpaar die Rede. Yizhak heiratet Rivka (Bereschit 24, 67). Sowohl in der Tora als auch im Psalm stehen Glückwünsche zur Vermählung.

Bevor Rivka das Elternhaus verließ, bekam sie gute Wünsche zu hören. Kritisch merkte der Amoräer Eivu an, dass man der Braut die üblichen Geschenke nicht gegeben hat (Bereschit Rabba, Abschnitt 9,13). Wie segneten sie Rivka? „Unsere Schwester! Werde du zu tausend Zehntausenden, und es erbe dein Same das Tor seiner Hasser“ (Bereschit 24,60). Raschi erklärt: „Du und deine Nachkommen sollen den Segen empfangen, welcher dem Abraham auf dem Berge Morija verheißen wurde: Ich will deine Nachkommen zahlreich werden lassen…(Bereschit 22,17). Möge es Gott gefallen, dass diese Nachkommen von dir und nicht von einer anderen Frau sein werden!“

Um Nachkommen  geht es auch im Glückwunsch des Psalmisten an den israelitischen König: „An deiner Väter Stelle mögen deine Söhne treten, mögest du sie setzen zu Fürsten im ganzen Land“ (Vers 17). Rabbiner S. R. Hirsch erklärt: „Er wünscht ihm das wahre Glück der Ehe, das nicht nur in Kindern besteht, sondern in solchen Kindern, in denen die Eltern der Eltern fortleben. Mögest du die Freude haben, in deinen Kindern deine Eltern wieder aufleben zu sehen, und mögen sie so tüchtig werden, dass du an ihnen Mitarbeiter und Gehilfen in deiner Wirksamkeit für deines Volkes Wohlfahrt habest, und du sie als Fürsten verwenden könnest im ganzen Lande.“ ( )

Sidra Chaje Sara

Offene Tür
Man lernt sich kennen, verliebt sich, findet die Liebe und geht eine Partnerschaft an. So einfach. Oder? Beobachtet man die vielen Dating Agenturen und Dating-Seiten im Internet, die laut ihren Werbetexten bestimmt den ‚richtigen‘ Partner antragen können, ist das mit der Liebe vielleicht doch nicht ganz so einfach. In grossen Teilen der Welt hat die Familie die Pflicht und trägt die Verantwortung, dem heiratsfähigen Familienmitglied einen passenden Partner zu finden. Auch in der westlichen Welt war diese Praxis noch bis ins 20. Jahrhundert üblich. Was war / ist ein ‚richtiger‘ Partner? Die Kriterien sind Herkunft, Religion, gesellschaftlicher Status und finanzielle Lage der Familie.
In unserer Gesellschaft, mit der Liebe als entscheidendes Kriterium, sind die Geschichten darüber, wie die Partner einander kennen gelernt haben oft schön, romantisch, lustig, spannend und manchmal fast unglaublich. Die Zeit zwischen der ersten Begegnung und dem ‚Ja-Wort‘ variiert erheblich. Es gibt Leute, die einander im Internet ‚trafen‘ und es nach dem ersten Date schon wissen: Er/sie ist der/die Richtige. Bei anderen dauert die Entscheidung, dass sie die Richtigen füreinander sind, jahrelang und sogar manchmal mit zwischenzeitlichen ‚Aus-Perioden‘. Hart und schmerzhaft ist es, wenn nur einer der zwei verliebt ist, wenn nur einer im Andern den ‚Richtigen‘ sieht. Der Weg in die Partnerschaft kann spannend und voller Freude sein, aber auch unsicher und voller Schwierigkeiten. Goethes Ausdruck „Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ trifft wohl ins Schwarze.
In der  dieswöchigen Sidra Chaje Sara lesen wir, wie Riwka und Jizchak zusammenkommen. Es ist die erste Ehe in der Tora, von der wir die Vorgeschichte bekommen. Awraham schickt seinen Knecht zu seiner Familie in Aram Naharajim mit dem Auftrag, eine Frau für Jizchak heimzubringen. Der Knecht findet Riwka und bekommt von ihrem Bruder Lawan die Erlaubnis, sie für Jizchak mitzunehmen. Zu Hause angekommen begegnen Jizchak und Riwka einander auf dem Feld. Jizchak, traurig um den Tod seiner Mutter, findet Trost in Riwkas Anblick. Er nimmt sie in das Zelt seiner Mutter und liebt sie.
Gemäss den meisten traditionellen Erklärern zeigt diese Geschichte, dass das Arrangieren der richtige Weg in die Ehe ist. Ob die Liebe zwischen Riwka und Jizchak standhielt, wissen wir nicht. Was wir aber wissen ist, dass Riwka ihren Mann Jahre später betrügen wird, indem sie dem blinden Jizchak Ja’akow anstatt Essaw zum Erstgeborenen-Segen vorführt.
Die arrangierte Ehe ‚hat‘ es vielleicht leichter, da sie nicht auf der Liebe aufgebaut wird. In der arrangierten Ehe (nicht mit der gezwungenen Ehe zu verwechseln), spielt die Qualität der Beziehung oft eine untergeordnete Rolle. Man wurde füreinander bestimmt und macht das Beste daraus. Die auf der freien Wahl und der Liebe gegründete Ehe muss sich behaupten. An dieser Ehe muss man schaffen. „Das Beste daraus machen“ genügt nicht. Die Liebes-Ehe ist eine permanente Baustelle. Aufmerksamkeit, Vertrauen, Intimität, Vergnügen und Freundschaft sind nicht einfach da. Vor allem aber bleiben sie nicht einfach da. Sie benötigen Stück für Stück Unterhalt, Versorgung und wenn nötig Erneuerung. Das Werkzeug dazu ist ‚Kommunikation‘. Eine offene Türe? Stimmt. Und eben genau darum übersieht man sie.

Schabbat schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim,  JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: