Mossad bekommt neuen Chef


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Der neue Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Yossi Cohen. (Bild: Omer Messinger / EPA Keystone)

 

Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad bekommt einen neuen Chef. Wie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montag bekanntgab, soll der bisherige Nationale Sicherheitsberater Yossi Cohen dem derzeitigen Mossad-Chef Tamir Pardo nachfolgen.

Pardos Amtszeit endet im Januar. Der 54-jährige Cohen war früher Kampfpilot und in den Jahren 2011 bis 2013 bereits Mossad-Vizechef. Im israelischen Fernsehen sagte Netanjahu am Montag, zentrale Aufgabe des Geheimdiensts sei es, Israel «gegen Bedrohungen durch Terror, den Iran und andere» zu schützen. Die beiden anderen bekannten Kandidaten, der frühere stellvertretende Mossad-Chef Ram Ben-Barak und der amtierende Mossad-Vizechef, der Öffentlichkeit lediglich als «N» bekannt, galten zwar als valabel, konnten aber mit der Fülle von Cohens Talenten nicht mithalten.

Die Medien in Israel sind von der Kür Cohens sichtlich angetan. Anders als noch vor ein paar Jahrzehnten, als es verboten war, auch nur den Namen eines Mossad-Agenten zu nennen, geschweige denn sein Bild zu veröffentlichen, werden die Sicherheitschefs heute fast wie Stars gefeiert. Cohen eignet sich dazu perfekt. Der in Jerusalem geborene Ausdauersportler gilt als Vollprofi. Er hat gleich nach seinem Eintritt in die Organisation 1983 an mehreren Geheimoperationen teilgenommen, spricht mehrere Sprachen, auch Arabisch, hat eine reine Weste, was in Israel nicht unbedingt die Norm ist, und unterhält hervorragende Beziehungen zur amerikanischen Regierung.

Während die israelischen Medien ob dem James-Bond-Flair des Agenten in Ekstase geraten, wird dem nüchternen Netanyahu vor allem zupasskommen, dass er den idealen Mann für seine ganz auf Teheran fixierte Aussenpolitik gefunden hat. Widerstand ist nicht zu erwarten – Ben Caspit kommt in der Zeitung «Maariv» zum Schluss, Cohen sei relativ leicht steuerbar. Als Operationschef war Cohen für Iran und dessen Atomprogramm verantwortlich, und obwohl selbstverständlich jegliches Detail fehlt, ist auffallend, dass sich diese Zeit für das iranische Atomprogramm als eine extrem schwierige entpuppen sollte. Diverse Atomwissenschafter wurden ermordet, Computerviren legten ganze Abteilungen lahm. Der Mossad schwieg dazu wie immer. Die Medien dagegen erörterten befriedigt das Phänomen, dass sich in der Region das Gefühl breitmache, der Mossad sei in der Lage, jeden Winkel des Nahen Ostens zu penetrieren.

Faktisch ist über den neuen Mossad-Chef trotz dem Medieninteresse nicht allzu viel bekannt. In Sicherheitskreisen war er «Y». Man weiss, dass er und sein Vorgänger Tamir Pardo das Heu nicht immer auf derselben Bühne hatten. Cohen schildert sich und seine Familie als praktizierend. Er hat vier Kinder, einer seiner Söhne hat Kinderlähmung. Cohen, der im Mossad auch als «das Model» firmiert, soll einen guten Draht haben zu Sara Netanyahu, der Gattin des Regierungschefs, aber auch zu einflussreichen Orthodoxen.

Insider wollen wissen, dass Cohen in seinem neuen Amt nicht nur die Aufklärung, sondern auch die Geheimdiplomatie vorantreiben will. Erwartet werden «überraschende» Operationen, so auch Kooperationen mit den Geheimdienstchefs von Ländern wie Ägypten und Jordanien mit dem Ziel, Staaten, die keine Kontakte zu Israel pflegen, besser kennenzulernen.

Gemeint sind damit in erster Linie die Golfstaaten, von denen zwar etliche in der Vergangenheit jihadistische Gruppen förderten, die sich nun aber, genau wie Israel, von Iran und dessen nuklear-hegemonistischen Ambitionen herausgefordert sehen.

Eine wichtige Nebenaufgabe für Cohen wird die Reparatur des arg beschädigten israelisch-amerikanischen Verhältnisses sein. Die persönliche Aversion zwischen Netanyahu und Obama hat hier einiges aus dem Lot gebracht. Cohen versteht sich mit seiner einstigen Amtskollegin Susan Rice sehr gut, zusammen mit ihr soll er mehrere gegen Iran gerichtete Operationen koordiniert haben. Rice verabscheut den israelischen Botschafter in Washington, Ron Dermer; Cohen könnte da also vermitteln. Auch mit Aussenminister Kerry soll Cohen sehr gut zurechtkommen. Dass Obama bald abtritt, relativiert Cohens diplomatische Aufgabe keineswegs. Niemand in Jerusalem wird sich darauf verlassen, dass im nächsten November ein Republikaner ins Weisse Haus einzieht. Im Gegenteil, angesichts der deplorablen Qualität des republikanischen Bewerberfeldes wird man von einem Sieg Hillary Clintons ausgehen. Natürlich ist sie als überzeugte Verfechterin der atomaren Vereinbarung mit Iran nicht Netanyahus Wunschkandidatin. Aber sie ist auch keine Feindin Israels, und Cohen könnte dank seinen guten Kontakten zu Demokraten versuchen, auf sie einzuwirken.

(JNS und Agenturen)



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