Rivlin feiert mit Terror-Opfern Bar Mitzwa


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Die Kinder freuten sich, mit dem Präsidenten feiern und sich austauschen zu können (Foto: GPO/Mark Neyman)

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin hat 58 jüdische Kinder in seiner Residenz empfangen. Sie alle sind Opfer des palästinensischen Terrors. Ausserdem sind sie seit kurzer Zeit religionsmündig.

Jüdische Jungen feiern mit 13 Jahren ihre Bar Mitzwa , Mädchen bereits mit 12 Jahren die Bat Mitzwa . Mit diesem Tag werden die Kinder in religiöser Hinsicht verantwortlich für ihre Taten. Am Montagabend hat der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin dieses Fest mit 58 Kindern begangen. Diese wurden entweder bei einem Terroranschlag verletzt, oder sie haben einen Angehörigen verloren.

Im Namen der Kinder meldete sich Naor Ben Esra zu Wort. Der 13-jährige Israeli war am 12. Oktober bei einem Messerangriff im Jerusalemer Stadtteil Pisgat Se‘ev lebensgefährlich verwundet worden. Die Attentäter waren Cousins im Alter von 15 und 13 Jahren. Der ältere wurde erschossen, der jüngere muss sich wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

Naor wies in seiner kleinen Ansprache darauf hin, dass seine schwere Verwundung einen bleibenden Hirnschaden oder gar den Tod zur Folge hätte haben können. „Zu meiner Freude, wegen meiner starken Willenskraft, weil ich nicht aufgab, und wegen meiner Familienangehörigen und der treuen Behandlung der Ärzte habe ich es geschafft, durch ein grosses Wunder gerettet zu werden.“ Nach der Rehabilitierung wolle er wieder in die Schule gehen, mit Freunden spielen und sein gewohntes Leben wieder aufnehmen. „Nach dem, was die Ärzte gesagt haben, ist der Weg, der vor mir liegt, lang. Aber ich bin bereit, mich allem zu stellen und nicht aufzugeben.“

Rivlin ging in seinen Worten an die Kinder auf die schlimme Erfahrung des Jungen ein: „Wir alle haben Naors Zustand mit Sorge beobachtet“, wird er in einer Mitteilung des Präsidialamtes zitiert. „Wir haben für Naors Wohlergehen und seine Genesung gebetet. Heute, entgegen allen Chancen, befindet sich Naor bei uns und feiert Bar Mitzwa .“ Das Staatsoberhaupt ergänzte: „Dein Fest symbolisiert wie das Fest von euch allen den Sieg der Freude über den Schmerz. Den Sieg des Lebens.“

Im Gegensatz zu Gleichaltrigen hätten die Opfer schon frühzeitig Verantwortung übernehmen müssen, vor ihrer Bar Mitzwa . Einige der Mädchen und Jungen seien als Halbwaisen oder nach dem Tod älterer Geschwister geboren, sagte Rivlin. „Sie kennen den Vater, die Mutter, die Schwester oder den Bruder, die ihnen bei einer Katastrophe genommen wurden, nur von Geschichten und Bildern.“ Einige erinnerten sich an die letzte Begegnung mit dem geliebten Menschen, und andere hätten ein Attentat überlebt. „Sie tragen die Narben des Anschlags in ihrer Erinnerung und an ihrem Körper. Ihr alle habt euch entschieden, aus dem Problem heraus zu wachsen, aus dem Schmerz heraus gross zu werden.“

Der Staatspräsident äusserte sich auch allgemein zu der aktuellen Terrorwelle: „Dass wir an diesem Land festhalten, hat einen Preis. Dass wir Juden sind, hat einen Preis. Einen Preis, der schmerzhaft und hoch ist. Einen Preis, den jede und jeder von euch persönlich kennt. Aber neben all diesem gibt es auch Stolz, Stärke und geistige Hochstimmung.“

Gleichzeitig bekundete er seine Hoffnung auf einen Wandel und fügte an: „Ich habe keinen Zweifel, dass ihr weiter eine Quelle von Stolz, Stärke, Freude und Trost sein werdet – für eure geliebten und liebenden Familien. Der Abraham, Isaak und Jakob gesegnet hat, der möge euch alle segnen. Wir lieben euch sehr. Viel Glück.“

Die Kinder freuten sich, Altersgenossen zu treffen, die ähnliches durchgemacht haben wie sie selbst. Eines von ihnen ist Vered Cohen. Ihr Vater Zvika starb 2003 bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem. „Kinder, die nicht ihren Vater verloren haben, werden das nicht verstehen können“, sagte sie laut der Tageszeitung „Yediot Aharonot“. „Mein Vater wurde ermordet, als ich noch im Bauch meiner Mutter war. Jeden Tag spüre ich, dass er fehlt.“

Der Verband der Terror-Opfer in Israel hatte die Feier in der Residenz des Präsidenten organisiert. Der Vorsitzende der Organisation, Jehoschua Cohen, war ebenso zugegen wie Wohlfahrtsminister Haim Katz. (inn)



Kategorien:Politik

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