Thorazitat des Tages – Parascha


Thora„Höre, Ewiger meine Stimme, – ich rufe! So sei mir gnädig und erhöre mich!“ (Psalm 27, Vers 7)

Thora-Parascha

Schabbat „Korach“
Wochenabschnitt: 4. Mose 16,1 – 18,32
Haftara: 1. Samuel 11,14-12,22

Korach – Psalm 5
Empörung der Demagogen

Im Wochenabschnitt Korach finden wir einen Bericht über den Aufstand gegen Mosche und Aharon, den Korach organisiert hat. In diesem Rahmen ist es nicht erforderlich, die verwickelte Geschichte zu analysieren (siehe zu diesem Thema „Tenachon“, Heft 21 und den Tora-Kommentar von Rabbiner  Hertz zum Wochenabschnitt).

Für unsere Zwecke genügt es festzuhalten, dass Korach ein geschickter Demagoge war, der Halbwahrheiten und Spott einsetzte, um seine revolutionären Ziele zu erreichen. Zur Strafe wurde Korach zusammen mit seinen Genossen durch ein Wunder von der Erde verschlungen (Bamidbar 26, 10).

Warum wurde gerade Psalm 5 unserem Wochenabschnitt zugeordnet? Ins Auge springt die Tatsache, dass Vers 7 von Demagogen wie Korach spricht: „Untergang wirst du Täuschungsrednern bringen, einen Mann des Totschlags und des Truges verabscheut Gott.“ Rabbiner Hirsch kommentiert: „Nicht nur den Totschläger, der ja auch von Menschen verabscheut wird, sondern ebenso auch den gewandten Betrüger verabscheut Gott. Betrug ist Gott wie Totschlag verhasst.“

Der Psalmist weiss von Gegnern, die ihn vom rechten Weg abzubringen trachten, und er bittet deshalb:  „Ewiger, führe mich in deiner Gerechtigkeit, um meiner Lästerer willen, ebne deinen Weg vor mir. Denn in ihrem Munde ist nichts Redliches, Unheil brütet ihr Herz, ein offenes Grab ist ihre Kehle, ihre Zunge machen sie glatt“ (Verse 9 und 10).

An das bittere Ende der Empörung von Korach und seinen Mitstreitern erinnert uns der folgende Wunsch des Psalmisten: „Verdamme sie, Gott! Fallen müssen sie durch ihre Anschläge, um die Menge ihrer Missetaten stürze sie; denn sie empören sich wider dich!“ (Vers 11). Rabbiner Hirsch erklärt: „Denn nicht gegen mich, in allererster Linie haben sie sich gegen dich, gegen dein Sittengesetz empört.“ (von Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Auszug aus der Prophetenlesung:
Samuel sprach zum Volk: Kommt, lasst uns gen Gilgal gehen und das Königreich daselbst erneuen. Da ging alles Volk gen Gilgal und machten daselbst Saul zum König vor dem HERRN zu Gilgal und opferten Dankopfer vor dem HERRN. Und Saul samt allen Männern Israels freuten sich daselbst gar sehr. Da sprach Samuel zum ganzen Israel: Siehe, ich habe eurer Stimme gehorcht in allem, was ihr mir gesagt habt, und habe einen König über euch gemacht. Und nun siehe, da zieht euer König vor euch her. Ich aber bin alt und grau geworden, und meine Söhne sind bei euch, und ich bin vor euch hergegangen von meiner Jugend auf bis auf diesen Tag. Siehe, hier bin ich; antwortet wider mich vor dem HERRN und seinem Gesalbten, ob ich jemandes Ochsen oder Esel genommen habe? ob ich jemand habe Gewalt oder Unrecht getan? ob ich von jemandes Hand ein Geschenk genommen habe und mir die Augen blenden lassen? so will ich’s euch wiedergeben. Sie sprachen: Du hast uns keine Gewalt noch Unrecht getan und von niemandes Hand etwas genommen. Er sprach zu ihnen: Der HERR sei Zeuge wider euch und sein Gesalbter heutigestages, dass ihr nichts in meiner Hand gefunden habt. Sie sprachen: Ja, Zeugen sollen sie sein. Samuel aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht! Ihr habt zwar das Übel alles getan; doch weicht nicht hinter dem HERRN ab, sondern dient dem HERRN von ganzem Herzen und folgt nicht dem Eitlen nach; denn es nützt nicht und kann nicht erretten, weil es ein eitel Ding ist. Aber der HERR verlässt sein Volk nicht um seines großen Namens willen; denn es hat dem HERRN gefallen, euch ihm selbst zum Volk zu machen.

Sidra: Pidjon Habén

Leute fragen mich manchmal wie wir im Liberalen Judentum mit dem ‚Pidjon Habén‘, dem Auslösen des Erstgeborenen, umgehen. In der dies wöchigen Sidra ‚Korach‘ und auch anderswo in der Tora [1], lesen wir, dass männliche Geschöpfe Gott zugehören, dass männliche erstgeborene Menschen und Esel jedoch gelöst, alle anderen erstgeborenen männlichen und koscheren Tiere aber Gott als Opfergabe gegeben, werden müssen. Männliche Tiere zu opfern ist aus der Sicht, dass man von ihnen weniger nötig hat um eine Herde zu erhalten, verständlich. Den erstgeborenen Sohn an Gott opfern, kennen wir aus der Akeda, der Geschichte in der Awraham bereit war, Gott seinen Sohn Jizchak zu opfern. Jizchak wird durch das Eingreifen desselben Gottes, der Awraham den Opfergang aufgetragen hat, verschont. Mit und seit dieser Geschichte ist das Menschenopfer in der jüdischen Tradition tabu.

Was machen wir nun aber mit der Bestimmung, die den erstgeborenen Sohn Gott zugehören lässt? Die Lösung steht im Buch Schmuel [2]: Der erstgeborene Sohn soll (Gott) im Tempel dienen. In katholischen Kreisen trat der Erstgeborene üblicherweise dem Kloster bei. Im Judentum entwickelte sich ein Berufsstand, die Leviten [3]‚ die den Kohanim, den Priestern, im Tempel assistierten. Das Arbeitsproblem im Tempel war nun gelöst, nicht aber die Mizwa des Auslösens des erstgeborenen Sohnes. Also hat man ein Auslöseprozedere erfunden, das in der folgenden Situation zu befolgen gilt: Der erstgeborene Sohn ist zugleich die erste Geburt der Mutter, ihm ging also keine Geburt einer Tochter noch eine Fehlgeburt vorab; es handelt sich um eine natürliche Geburt, also nicht um einen Kaiserschnitt. Im Alter von 30 Tagen – in der jüdischen Tradition ist der Säugling dann lebensfähig – lädt die Familie einen ‚Kohen‘, einen Nachkommen Aharons, ein. Der Vater überreicht dem Kohen den Säugling und 5 Schekel. Daraufhin fragt der Kohen den Vater (nicht die Mutter!): „Willst du deinen Sohn oder dein Geld zurückhaben?“ Der Vater, wie erwartet: „meinen Sohn.“ Je nach Minhag, Brauch, bekommt der Vater die 5 Schekel zurück oder sie werden für Wohltätiges gespendet.

Weil der Pidjon Habén ein mit dem Tempel verbundenes Ritual ist und das Liberale Judentum den Wiederaufbau des Tempels mit Opfergaben ablehnt, wird in unseren Kreisen auf den Pidjon Habén verzichtet. Aus demselben Grund (dem Ablehnen des Tempelkultes) gibt es in den meisten Batei Knesset der liberalen Weltbewegung kein Mussafgebet (in dem man für den Neuaufbau des Tempels betet) und der Status eines Kohen oder eines Levi (Nachkommen des Tempelberufstandes) wird beim Aufrufen nicht berücksichtigt.

Mit oder ohne Pidjon Habén, ob Mädchen oder Bub, ob erst-, zweit- oder sechstgeborenes: Es sollen alle Kinder gesund und geliebt sein!

Schabat Schalom,

Rabbiner Reuven Bar Ephraim,  JLG Zürich

[1] Schemot [2.BM]13, 2, 13; 34, 20; Bemidbar [4.BM] 18, 15-16.
[2] 1. Buch Schmuel 1, 24 – 2, 11.
[3] Bemidbar [4.BM] 3, 12.



Kategorien:Gesellschaft

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