Thorazitat des Tages – Parascha


König David sagte: „Der Anfang der Weisheit ist die Furcht vor dem Ewigen.“ (Psalme Davids: Psalm 111, Vers 10)

Thora-Parascha

„Tasria Mezora“
Wochenabschnitt: 3. Mose 13:40 – 14:32
Haftara-Prophetenlesung: Secharia 8:1 – 19

Mezora-Psalm 120
Wirkungen einer bösen Zunge

Den Aussätzigen nennt die Tora: „Mezora“ (Wajikra 14,2). Im Talmud (Arachin 15 b) und auch im Midrasch Wajikra Rabba (Abschnitt 16) wird das hebräische Wort „Mezora“ gedeutet als eine Verdichtung: „Mozi Shem Ra“ (= Verleumder). Unsere Weisen sahen im Aussatz eine Strafe für übles Reden (hebr.: Laschon haRa). Für den sich reinigenden Mezora muss man „zwei lebendige, reine Vögel, nehmen“ (Wajikra 14,4); Raschi erklärt: „Er hat geschwätzt, darum braucht man zu seiner Reinigung Vögel, die immerzu zwitschern“.

Schon im vorigen Wochenabschnitt hat Raschi  auf den Zusammenhang von Laschon haRa und Aussatz hingewiesen: der Mezora soll ausserhalb des Lagers abgesondert bleiben (Wajikra 13, 46); Raschi kommentiert: „Weil er durch Laschon haRa Zwiespalt zwischen einem Mann und seiner Frau bzw.  zwischen Freunden verursacht hat, soll auch derjenige, der Übles geredet hat,  getrennt bleiben.“ Merke: Mit übler Rede schadet ein Mensch nicht nur anderen, sondern auch sich selbst (Aussatz, Isolierung).

Von Wirkungen einer bösen Zunge spricht der Psalmist: „Ewiger, rette meine Seele vor der Lügen-Lippe, vor der trügerischen Zunge!“ (Psalm 120, 2). Die folgenden zwei Verse von Psalm 120 kann man, wie F. Melzer bemerkt hat, unterschiedlich interpretieren. Wendet sich die Frage: „Was gibt es dir, was mehrt es dir?“ (in Vers 3) an den Ewigen oder an die trügerische Zunge? Vers 4 lautet: „Die geschärften Pfeile eines Helden, nebst immer glühenden Kohlen“. Ist hier die Wirkung der trügerischen Zunge beschrieben oder die für sie erbetene Strafe? Beide Auslegungen zu beiden Versen sind vertretbar.

Der Psalmist  möchte nicht die Zielscheibe von Laschon haRa werden und bittet Gott um Schutz. Erwähnenswert ist, dass jüdische Beter nach Ende des Achtzehngebets dreimal täglich folgende Bitte äussern: „Mein Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem und meine Lippen vor trügerischem Reden“ (siehe Psalm 34, 14). Gerade wer nicht Opfer von Laschon haRa  sein will, sollte seine eigene Zunge hüten!   (Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Tasria-Mezora

Übelrednerische Übelkeit
Die dieswöchige Doppel-Sidra Tasria und Mezora würde ich am liebsten überspringen. Die Sidrot behandeln die Zustände ‚tahor, rein‘ und ‚tame, unrein‘, Zustände, die sich auf Menschen, Kleider, lederne Gefässe und Häuser beziehen können. Wir lesen über menschliche Ausscheidungen und ‚zara’at‘, ein Sammelbegriff für Unreinheiten, die wir heute Ekzem, Krätze und Schimmel nennen würden. Einerseits wird einem beim Lesen fast schlecht, andererseits bin ich erstaunt über die minuziöse Beschreibung der kleinsten Einzelheiten wie z. Bsp. Farbe, Struktur und Ausscheidung der Haut, auf Grund deren der Kohen (Priester) die zara’at feststellen konnte. Die Hautkranken wurden ihrer Unreinheit wegen zeitlich aus dem Lager verstossen. Der Begriff ‚Unreinheit‘  birgt wohl die Angst vor Ansteckung  in sich.
Rabbi Jehoschua ben Levi (3. Jh.) erklärt warum der mezora (der Hautkranke) an zara’at leidet: „Mezora hamozi schem ra“, „Der Hautkranke, er beschädigt den Ruf [des Anderen]“ (Wajikra Raba 16, 6).   Rabbi Jehoschua ist überzeugt davon, dass die ‚Übelrede‘, d.h. Laster, Verleumdung und Tratsch, zu zara’at führen. Leute, die verleumden und tratschen verbreiten eine negative und darüber hinaus, höchst ansteckende Energie. Es ist vorstellbar, dass diese Negativität sich in allerlei körperliche Beschwerden umsetzt. Für Rabbi Jehoschua ist zara‘at weder eine Sache der kultischen Unreinheit noch ein Gesundheitsproblem. Er sieht die zara’at als ein gesellschaftliches Problem, dem mit der Ausstossung aus der Gesellschaft recht getan wird. Ob Verleumdung tatsächlich zara’at bewirkt, hängt davon ab, ob man zara’at mit Hautkrankheit oder mit Unreinheit identifiziert. Ich sehe keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Übelrederei und Hautkrankheit. Dass Tratsch jedoch zu einer seelischen Unreinheit führt, das weiss ich aus eigener Erfahrung.
Bei Rabbi Jehoschuas zara’at durch Verleumdung  sind drei Aktoren ‚im Spiel‘:  Die erste Person lästert, die zweite Person erleidet einen beschädigten Ruf und die dritte Person ist ‚partner in crime‘. Das schwache Glied in der Kette ist diese dritte Person. Nicht selten wird heftig  mitgelästert, manchmal aber schweigt der Dritte. Ob man mitmacht oder schweigend zuhört, ändert nichts an der Tatsache, dass man ein ‚partner in crime‘ ist, denn schweigen ist zustimmen. Ich bin davon überzeugt, dass jede Person mit vollem Verstand den Unterschied zwischen Tratsch und einer (manchmal notwendigen) personenbezogenen Problemanalyse kennt. Aus Erfahrung weiss ich, wie schwierig es sein kann, den Lästerer zu stoppen. Zu lange habe auch ich gegenüber Übelrederei geschwiegen – und mich hinterher unrein und übel gefühlt.
Lästerende Personen können wir nicht verbannen, den Tratsch aber schon.

Schabbat schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim,  JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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