Schweizer Schläger von Hebron erhält 140’000 Franken pro Jahr


Temporary International Presence in Hebron, TIPH, (AP Photo/Emilio Morenatti)

Der skandalöse Vorfall im Westjordanland sorgte am Wochenende für einen diplomatischen Eklat: Auf einer Stadtführung der armeekritischen NGO «Breaking The Silence» schlug ein Schweizer der Organisation Temporary International Presence in the City of Hebron (kurz TIPH) einem israelischen Buben (10) ins Gesicht. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ordnete seine Ausweisung an. Der Schweizer Botschafter in Israel musste sich in einem Brief an die jüdische Community entschuldigen.

Laut unbestätigten Berichten im Netz soll er aus einer Siedler-Familie stammen, die im März 2001 ein Mädchen verloren hat. Ein Palästinenser soll es auf einem Spielplatz getötet haben. Den Siedlern sind die Stadtführungen der NGO ein Dorn im Auge. Uri Karzen, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Hebron, bezeichnete diese als «Hasstouren». Touristen würden Lügen darüber erzählt, was israelische Soldaten den Palästinensern antun würden.

Unter Beschuss steht auch die internationale Beobachtergruppe TIPH, zu der der Schweizer zählte: Diese sei nicht neutral, sondern eine propalästinensische Organisation, kritisieren Vertreter der jüdischen Minderheit in Hebron. Die TIPH hat den Auftrag, «das Sicherheitsgefühl der palästinensischen Bevölkerung zu erhöhen» und Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Neben der Schweiz sind etwa Norwegen, Dänemark oder Schweden beteiligt.

Laut dem Aussendepartement EDA leistete der ausgewiesene Schweizer Schläger angeblich «über mehrere Jahre in verschiedenen Missionen sehr gute Arbeit». Man kläre nun ab, ob man ihn anderswo beschäftigen könne. Grundsätzlich kann sich jeder als Beobachter bewerben. «Es findet ein kompetenzorientiertes Interview statt», sagt Sprecherin Silvia Müller. Die TIPH führe die Sprachtests in Hebräisch beziehungsweise Arabisch durch.

Laut Müller berichten die TIPH-Mitglieder neutral: «Jedes neue Mitglied der TIPH wird während der Einführung auch in objektiver und neutraler Berichterstattung geschult.» Beobachter entlöhnt die Schweiz mit bis zu 140’000 Franken pro Jahr. Im Schnitt gibt sie jährlich 1,3 Millionen Franken für die Mission aus.

Für Aussenpolitiker Alfred Heer (SVP) kann sich die Schweiz das Geld sparen. Der Ausraster des Schweizers sorgt bei ihm für Kopfschütteln. Dass der Beobachter mit der armeekritischen NGO mitgelaufen sei, zeige dessen Gesinnung. «Ohnehin hat die Schweiz dort nichts verloren», so Heer. Er spricht sich dafür aus, alle Beobachter aus Hebron abzuziehen.

Ungeachtet allfälliger Provokationen sei es eine Peinlichkeit, Leute zu schicken, die Kinder schlagen würden. Sehr bedenklich sind die Umstände, dass die Schweizer Vertreter in Israel – der Schweizer Botschafter inklusive, in der Hamas keine Terrororganisation sehen.

Jo Lang  (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Reines Kopfschütteln verursacht die Aussage des Alt-Nationalrat Jo Lang (Grüne). Er stellt sich ganz offen hinter den Schlägertypen des EDA und sagte: «Wenn es um eine Ohrfeige im Nahen Osten geht, wo so viele Menschen sterben, erübrigt sich jeglicher Kommentar».

Die israelische Botschaft in Bern bestätigt die Intervention von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Der Schweizer habe das Land bereits verlassen. «Wir tolerieren es nicht, dass Offizielle einer internationalen Organisation Kinder schlagen.» Eine Staatsaffäre will Botschafter Jacob Keidar aus dem Vorfall aber nicht machen: Es sei keine politische Frage, sondern ein individuelles Fehlverhalten. Unbeantwortet lässt er die Frage, ob Israel zufrieden sei mit der Arbeit der TIPH.

 



Kategorien:Nahost

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